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Maori, polynesische Bewohner Neuseelands vor dem Eintreffen der Europäer. Nach einer 1998 publizierten DNA-Studie stammen die Vorfahren der Maori sowie auch der anderen polynesischen Ureinwohner ursprünglich aus dem chinesischen Raum.
Die Maori wanderten von den Cook-Inseln um 900 n. Chr. nach Aotearoa, dem Land der großen weißen Wolke, so die Maori-Bezeichnung für Neuseeland, ein. Die Maori verdrängten die ansässigen Gruppen der Maorioris, der Moajäger, in blutigen Kämpfen. Die Maori lebten in den ersten Jahrhunderten der Besiedlung vor allem von der Jagd, dabei rotteten sie bis etwa 1350 die Moas aus, straußenähnliche Riesenvögel. Danach pflanzten sie vor allem Süßkartoffeln, Yams und Taro an und lebten vom Fischfang. Wie bei anderen polynesischen Völkern gliedert sich die Maori-Gesellschaft in drei Klassen: Adelige, Freie und Untertanen. Die Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen wurde über die Geburt, manchmal aber auch durch Adoption, festgelegt. Einige Mitglieder der Gemeinschaft spezialisierten sich auf verschiedene Künste: Dichtung, Rhetorik, Tätowierung sowie Holz-, Knochen- und Steinschnitzerei. Die Wohnhäuser der Maori waren reich mit Holzschnitzereien verziert, und die Schmuckherstellung befand sich auf hohem künstlerischem Niveau.
Als erster Europäer kam Abel Tasman 1642 mit den Maori in Kontakt. 1840 schlossen die Maori-Häuptlinge und die britische Krone den Vertrag von Waitangi. Die Vertragsbedingungen, die bis heute umstritten sind, bilden immer noch die Grundlage für die Beziehungen zwischen Maori und Europäern. Dabei entstanden die meisten Konflikte durch unterschiedliche Landansprüche. 1843 kam es zu ersten Auseinandersetzungen zwischen Maori und Europäern – in den so genannten Neuseeländischen Kriegen.
1856 wählten die Maori mit Te Koote den ersten Häuptling mit stammesübergreifenden Kompetenzen (noch heute gibt es eine Maori-Königin, die von beiden Gruppen anerkannt wird). Zunächst wurde diese „Königsbewegung” jedoch als Herausforderung der britischen Souveränität aufgefasst, und es kam zu einer Fortsetzung des Krieges. Nachdem Te Koote 1865 aus der Haft geflohen war, führte er einen Guerillakrieg gegen die Briten, der im Februar 1872 endete. Als Folge des Krieges konfiszierten die Engländer Land der Maori.
Zwischen 1840 und den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts nahm die Maori-Bevölkerung rapide ab. Dies war zurückzuführen einerseits auf die Kriege und andererseits auf das Einschleppen von Krankheiten durch die Europäer, gegen die die Maori keine Abwehrkräfte besaßen. Die Bevölkerungszahl, die 1769 bei etwa 120 000 gelegen hatte, fiel bis 1896 auf 42 000. Seit den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts ist die Maori-Bevölkerung jedoch bis heute wieder auf etwa 550 000 angestiegen (etwa 14 Prozent der Gesamtbevölkerung Neuseelands). Zwischen 1910 und 1930 tauchten einige Führungspersönlichkeiten auf, die sowohl in den Traditionen der Maori als auch der Europäer unterrichtet waren, und gründeten die Young Maori Party. Diese versuchte auf parlamentarischem Wege die Forderungen der Maori durchzusetzen. Da viele Führer mit den Engländern kooperierten und den Handel mit Land unterstützten, stießen sie auf Ablehnung in der Bevölkerung.
Andere führende Persönlichkeiten, die europäische Traditionen und Regierungsformen ablehnten, setzten sich ausschließlich für ihre eigenen Gruppen ein, wodurch die „Einheit der Maori” in den Hintergrund trat. Diese Führer versuchten über kulturelle und soziale Projekte sowie Verbesserungen im Gesundheits- und Bildungswesen sowie auf wirtschaftlichem Gebiet das Selbstbewusstsein (Mana) der einzelnen Ethnien zu fördern. Diejenigen, die sich mit dem wachsenden Tribalismus nicht anfreunden konnten, fanden ihre politische Heimat in der so genannten Ratana-Bewegung, die ursprünglich religiös motiviert war, sich später aber zunehmend politisch für die Maori engagierte. Die Bewegung ging ein Bündnis mit der Labour Party ein, was zum Erfolg dieser Partei bei den Parlamentswahlen führte und sich schließlich in einer staatlichen Politik zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Maori ausdrückte. Nach dem 2. Weltkrieg beteiligten sich die Maori in weit stärkerem Umfang am gesellschaftlichen Leben. Dies war mit einer Flucht vom Land in die Stadt verbunden: 1936 hatten nur elf Prozent der Maori in Städten gelebt; in den achtziger Jahren waren es mehr als 90 Prozent. Der Verlust der kulturellen Identität führte dazu, dass viele Maori in der neuseeländischen Gesellschaft eine Randexistenz führen. Ihr Anteil an Arbeitslosen, Analphabeten, Drogenabhängigen und Kriminellen ist überproportional hoch.
Seit dem Ende der achtziger Jahre gewinnen Revitalisierungsbewegungen immer stärkeren Einfluss unter den Maori. Sprachkurse in Maori finden ebenso Zulauf wie Kurse zum Haka, dem traditionellen Kriegsritual der Maori. Die Maori beziehen ihr Identitätsbewusstsein nicht aus der „rassischen” Abstammung, die meisten der heutigen Maori sind in diesem Sinn Halb- oder Viertelmaori, sondern beziehen sich auf eine gemeinsame, durchaus verklärte Geschichte und Zukunft. „Maori ist, wer sich Maori fühlt”, ist der Wahlspruch dieser Bewegung.
Im November 1995 entschuldigte sich die britische Krone indirekt für den Landraub im 19. Jahrhundert und sicherte die Zahlung von insgesamt 160 Millionen DM zu. Im Dezember 1996 traten drei Maori-Minister in das Kabinett des Premierministers Jim Bolger ein. Nach der neuen neuseeländischen Verfassung ist die Regierung dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass alle ethnischen Gruppierungen entsprechend ihres Bevölkerungsanteils im Kabinett vertreten sind.
Die Freigabe eines 150 Jahre lang verbotenen Buches von Felice Vaggioli im Jahr 2000 ist ein Zeichen dafür, dass sich der kulturelle Konflikt in Neuseeland zunehmend entspannt. Der italienische Autor beschreibt in dem Missionsbericht die grausame Unterdrückung der Maoris durch die Kolonisten.
Die Maoris stellen etwa 14 Prozent der 4,15 Millionen Einwohner von Neuseeland.
Siehe auch Maorikunst; Sprache der Maori; Maori-Legenden