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| 4. | Sprache und Literatur |
Die Sprachen der Eskimovölker bilden eine Unterfamilie des Eskimo-Alëutischen. In Alaska unterscheidet man zwei Gruppen, je nachdem, ob der Sprecher sich als Inuit (Singular: Inuk) oder als Yuit (Singular: Yuk) bezeichnet. Der östliche Zweig der Unterfamilie, der in Alaska und Kanada im Allgemeinen Inuktitut, und in Grönland Kalaallisut (Kalâdtlisut) heißt, erstreckt sich vom Osten Alaskas über Kanada und durch den Norden Grönlands bis nach Südgrönland. Dieser Zweig bildet eine Dialektkette, d. h., er besteht aus vielen Dialekten, die für die Sprecher von Dialekten aus angrenzenden Gebieten verständlich sind, nicht jedoch für die Sprecher von Dialekten aus weit entfernten Gebieten. Zu dem westlichen Zweig, der als Yupik bezeichnet wird, gehören drei deutlich unterscheidbare Sprachen: in Alaska das Yupik Zentralalaskas und das Yupik, das am pazifischen Golf gesprochen wird, sowie das sibirische Yupik, das in Alaska und Kanada gesprochen wird. Jede dieser Sprachen hat wiederum mehrere Dialekte. In Grönland sprechen über 40 000 Eskimo einen Inupiaq-Dialekt, in Alaska und Kanada über 20 000. Etwa 17 000 Eskimo sprechen Yupik-Sprachen, darunter etwa 1 000 in der ehemaligen Sowjetunion. In manchen Teilen Sibiriens lernen die Kinder im ersten Schuljahr eine eskimo-alëutische Sprache, in den Eskimoregionen Alaskas findet der Religionsunterricht in einer solchen Sprache statt, in Kanada und Grönland wird sie in Schulen und in den Medien benutzt.
Sowohl die Inupiaq-Sprachen als auch die Yupik-Sprachen kennen zahlreiche Suffixe, durch die eine begrenzte Anzahl von Stammformen modifiziert werden kann. Die Suffixe bestimmen die Flexion von Substantiven und Präpositionalobjekten: Zum Teil ersetzen sie semantisch sogar ganze Teilsätze. Aus der Stammform eines Wortes können also unzählige neue Wörter gebildet werden, die oftmals sehr lang sind, aus vielen Silben bestehen und eine so spezielle Bedeutung haben, dass ein ganzer Satz aus nur einem Wort besteht.
Die eskimo-alëutischen Sprachen gehören zu den komplexesten und schwierigsten überhaupt. Händler benutzen deshalb zur Kommunikation mit den Eskimo meist einen Jargon, der Elemente des Dänischen, Spanischen, Hawaiischen mit solchen des Inupiaq oder Yupik mischt. Bis zur Entwicklung eigener, oft auf der lateinischen Schrift basierender Schriftsysteme ab dem 19. Jahrhundert waren die Eskimo aliteral, d. h., in ihren Sprachen gab es nur mündliche Kommunikation, und auch Literatur wurde ausschließlich mündlich überliefert (siehe orale Literatur).