Afroamerikaner
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Afroamerikaner
4. Neues Selbstbewusstsein

1966 erklärte sich das SNCC zu einer Blackpower-Bewegung. Voraussetzung für die Erreichung politischer Ziele sei, dass Schwarze ein positives Bild von sich selbst hätten. Zeitgleich radikalisierten und militarisierten sich die Black Muslims in den Städten im Norden. Einer der Wortführer des afroamerikanischen Kulturnationalismus der Black Muslims war Malcolm X, der sich jedoch später von den rassistischen, afrozentrischen Ideen dieser Gruppe abwandte. Nach seiner Ermordung 1965, vermutlich durch Black-Muslim-Aktivisten, wurden seine Ideen zunehmend populärer. Sein Aufruf zur bewaffneten Selbstverteidigung war einer der Auslöser für die afroamerikanischen Aufstände in Los Angeles 1965. In den folgenden drei Jahren kam es in fast allen Städten der Vereinigten Staaten zu ähnlichen Auseinandersetzungen. 1966 entstand die militante sozialrevolutionäre Black Panther Party, der sich viele unzufriedene afroamerikanische Jugendliche in den Ghettos der Großstädte anschlossen. 1968 fiel der populäre Bürgerrechtler Martin Luther King einem Mordanschlag zum Opfer. Schwarze Studenten forderten die Aufnahme von Black Studies, d. h. Studien über Geschichte und Kultur der Afroamerikaner, in die Lehrpläne der Universitäten.

Das neue Selbstbewusstsein zeigte sich besonders im Sport. Der Schwergewichtsboxer Muhammad Ali (ehemals Cassius Clay) wurde zur Symbolfigur des neuen „schwarzen” Selbstbewusstseins. Er verweigerte sich konsequent den Rollen, die den Afroamerikanern von der dominanten euroamerikanischen Gesellschaft zugewiesen wurden. Der „Größte”, wie er sich nannte, stieg als erster Afroamerikaner zum Medienstar auf und wurde für die euroamerikanische Bevölkerungsmehrheit zum meistgehassten Mann der sechziger Jahre. Gleichzeitig erreichte er in der afroamerikanischen Bevölkerung eine ungeheuere Popularität. 1966, bevor sich eine nennenswerte Anti-Vietnam-Bewegung in den USA gebildet hatte, verweigerte er den Kriegsdienst in Vietnam – mit der lapidaren Begründung, er habe nie Streit mit dem Vietcong gehabt. Daraufhin sprach man ihm den Weltmeistertitel ab.

Zwischen 1964 und 1968 wurden bei Ghettoaufständen 220 Menschen, fast ausschließlich Afroamerikaner, getötet und etwa 8 000 verletzt. Zehntausende Afroamerikaner wurden verhaftet und teilweise zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Die Polizei ging brutal gegen die Ghettobewohner vor, ohne dass ein einziger Beamter in diesem Zeitraum wegen Übergriffen auf die afroamerikanische Bevölkerung verurteilt worden wäre. Diese Polizeimaßnahmen führten schließlich zusammen mit der Kriminalisierung der Führer radikaler Bürgerrechtsbewegungen, wie Angela Davis, zum Ende des organisierten Widerstands gegen die weiße Vorherrschaft.