Kreuzzüge
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Kreuzzüge
3. Der 1. Kreuzzug

Dem ersten „offiziellen” Kreuzzug voraus ging der so genannte „Kreuzug der Armen”. Umherziehende Prediger, allen voran der Mönch Peter von Amiens, sammelten eine bunt zusammengewürfelte, schlecht ausgerüstete Menge – Bauern, auch Frauen und Kinder, vor allem vom wirtschaftlich besonders gebeutelten Niederrhein – und brachen Anfang 1096 in Richtung Jerusalem auf. Sie begannen ihren Kreuzzug gleich im eigenen Land mit Pogromen gegen Juden, die „Feinde Christi”, und zogen dann plündernd weiter donauabwärts durch Ungarn bis nach Byzanz. Diejenigen, die Kleinasien überhaupt erreichten, wurden dort von den Türken vernichtet.

Im August 1096 brachen reguläre Kreuzfahrerheere, vor allem französische und lothringische Ritter sowie Normannen aus Frankreich und Süditialien, Richtung Konstantinopel auf. Die prominentesten ihrer Führer waren Bohemund, Gottfried von Bouillon, Raimund von Toulouse, Robert von Flandern und Balduin I. von Boulogne. In Konstantinopel wurden die Kreuzritter von Kaiser Alexios I. Komnenos höflich, aber zurückhaltend empfangen. Der Kaiser hatte Söldner erwartet, die bereit waren, sich seiner Führung zu unterstellen, doch es kamen selbständige und selbstbewusste Ritterheere. Alexios ließ die Kreuzritter erst weiterziehen, nachdem sie ihm den Lehnseid geleistet hatten. Damit hatten sich die Kreuzritter gegenüber dem byzantinischen Kaiser verpflichtet, die Gebiete, die sie erobern würden, der Oberherrschaft des Kaisers zu unterstellen. Dieser Lehnseid sollte bald zum Anlass ständiger Konflikte zwischen den Kreuzrittern und Byzanz werden.

1. Die Eroberung Kleinasiens, Antiochias und Edessas

Im Frühjahr 1097 zogen die Kreuzritter von Konstantinopel aus weiter. Im Mai 1097 griffen sie das von den Seldschuken besetzte Nicäa an, das sich im Juni ergab, allerdings nicht den Kreuzrittern, sondern den Byzantinern. Kurz nach dem Fall der Stadt trafen die Kreuzritter bei Dorylaeum auf die seldschukische Hauptarmee und schlugen sie am 1. Juli 1097 vernichtend. Auf ihrem Weitermarsch durch Kleinasien stießen die Kreuzritter nur noch auf geringen Widerstand. Nächstes bedeutendes Ziel war Antiochia. Im Oktober 1097 begannen die Kreuzfahrer mit der Belagerung der Stadt, im Juni 1098 konnten sie sie schließlich einnehmen.

Bereits während ihres Zuges durch Kleinasien begannen die Führer der Kreuzzugsheere zunehmend ihre eigenen machtpolitischen Interessen zu verfolgen: Im Herbst 1097 hatte sich Balduin I. von Boulogne vom Hauptheer getrennt und war Richtung Osten gezogen, hatte Edessa in seine Gewalt gebracht und dort 1098 eine Grafschaft errichtet. Nach der Eroberung Antiochias machte Bohemund I. die Stadt zum Mittelpunkt seines Fürstentums Antiochia, und Raimund von Toulouse begründete an der syrischen Küste die Grafschaft Tripolis. Konflikte zwischen den Kreuzzugsführern blieben in der Folge nicht aus.

2. Die Eroberung Jerusalems

Ende November 1098 zog das Hauptheer der Kreuzritter von Antiochia aus weiter Richtung Jerusalem. Anfang Juni 1099 schlugen die Kreuzfahrer in Sichtweite der Stadtmauern Jerusalems ihr Lager auf, eroberten nach vierwöchiger Belagerung am 15. Juli 1099 die Stadt und richteten unter der jüdischen und muslimischen Bevölkerung ein grausames Blutbad an.

Eine Woche später wählten die Kreuzritter Gottfried von Bouillon, Herzog von Niederlothringen, zum „Vogt des Heiligen Grabes”; den Titel eines Königs von Jerusalem hatte Gottfried für sich noch abgelehnt. Wenig später, am 12. August 1099, besiegten die Kreuzritter unter Gottfrieds Führung bei Askalon ein muslimisches Heer. Bald darauf kehrte ein Teil der Kreuzritter, soweit sie sich nicht schon in Edessa, Antiochia und Tripolis niedergelassen hatten, nach Europa zurück. Diejenigen, die im Heiligen Land blieben, bauten in Jerusalem einen am westlichen Vorbild orientierten, vom Lehnswesen bestimmten Staat auf, das Königreich Jerusalem, und sicherten ihre Herrschaft über das Heilige Land.