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| 4. | Der 2. Kreuzzug |
Der Erfolg des 1. Kreuzzuges war hauptsächlich auf Streitigkeiten unter den muslimischen Fürsten zurückzuführen und deren Unfähigkeit, sich auf ein geordnetes Vorgehen gegen den gemeinsamen Gegner zu verständigen. Die Siege der Kreuzritter hatten die islamische Seite weiter geschwächt, so dass die Kreuzfahrer in den ersten Jahrzehnten nach der Eroberung Jerusalems ihre Herrschaften relativ ungestört konsolidieren und ausbauen konnten. Allerdings kam es unter den Kreuzfahrerstaaten bald zu Rivalitäten, Thronstreitigkeiten und Bruderkriegen, wodurch sie sich gegenseitig und als Gesamtheit schwächten, während sich gleichzeitig die Muslime zu einem Gegenangriff sammelten. 1144 eroberten die Seldschuken Edessa; der zuerst gegründete Kreuzfahrerstaat war damit auch als Erster wieder untergegangen. Die anderen Kreuzfahrerstaaten hatten Edessa keine nennenswerte Unterstützung gegen den muslimischen Angriff zukommen lassen.
Aber der Fall Edessas schreckte den Westen auf. 1145 rief Abt Bernhard von Clairvaux zum 2. Kreuzzug auf. König Ludwig VII. von Frankreich, der staufische König Konrad III. und Roger II. von Sizilien folgten diesem Aufruf und machten sich im Frühsommer 1147 mit ihren Heeren Richtung Jerusalem auf. Konrads Truppen wurden bereits bei Dorylaeum in Anatolien von den Seldschuken geschlagen, und ein Großteil der Soldaten und Pilger kehrte demoralisiert und verängstigt um. Von den französischen Truppen erreichte 1148 ebenfalls nur ein kleiner Teil das Heilige Land, nachdem der Hauptteil unterwegs aufgerieben worden war. Zusammen mit König Balduin III. von Jerusalem entschlossen sich Ludwig und Konrad im Juli zu einem Angriff auf Damaskus, der aber bald wegen völlig unzureichender Vorbereitung abgebrochen werden musste. Im Frühjahr 1149 kehrten Konrad und Ludwig in ihre Heimat zurück.
Parallel zum 2. Kreuzzug unternahmen die norddeutschen Fürsten, allen voran die Sachsen unter der Führung Heinrichs des Löwen, einen von Papst Eugen III. ebenfalls als Kreuzzug gebilligten Kriegszug gegen die heidnischen Wenden, den Wendenkreuzzug, der nur bedingt erfolgreich war; er entband aber die Norddeutschen von der Teilnahme am Kreuzzug ins Heilige Land und trug so mit zur militärischen Schwäche der Kreuzzugsheere bei. Ein„Nebenergebnis” des 2. Kreuzzugs war die Einnahme Lissabons: König Alfons I. von Portugal eroberte 1147 zusammen mit einer Kreuzfahrerflotte die Stadt von den Mauren.