Kreuzzüge
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Kreuzzüge
6. Die späteren Kreuzzüge

Der 4. Kreuzzug (1202-1204), zu dem Papst Innozenz III. 1198 aufgerufen hatte, erreichte nie das Heilige Land, sondern wurde von Venedig bzw. dem venezianischen Dogen Enrico Dandolo aus machtpolitischen Gründen nach Konstantinopel umgeleitet. Die Kreuzritter hatten sich, da sie Venedig den vereinbarten Betrag für die Schiffspassage nicht zahlen konnten, gegen das ausdrückliche Verbot des Papstes von den Venezianern zu einem Angriff auf die dalmatinische Küstenstadt Zara überreden lassen, sozusagen als Gegenleistung für die Überfahrt. Nach der Eroberung Zaras griffen die Kreuzritter auf Betreiben Venedigs in die byzantinischen Thronwirren ein, nahmen Konstantinopel, plünderten und brandschatzten die Stadt – die meisten der geraubten Kunstschätze gelangten nach Venedig –, zerschlugen das Byzantinische Reich und errichteten das Lateinische Kaiserreich, dessen erster Kaiser Balduin I. wurde. 1261 eroberte der byzantinische Kaiser Michael VIII. Palaiologos Konstantinopel zurück und stellte das Byzantinische Reich wieder her.

Im Frühjahr 1212 brachen in Verkehrung des Kreuzzugsgedankens einige tausend Kinder, Angehörige niederer Stände und Arme vor allem vom Niederrhein und aus Frankreich zum so genannten Kinderkreuzzug auf; die meisten kehrten wohl bereits in Genua oder Marseille wieder um, viele verschwanden spurlos, wurden wahrscheinlich in die Sklaverei verkauft.

1219 hatte ein christliches Heer auf Initiative des Papstes den ägyptischen Seehafen Damiette im Nildelta eingenommen. In der Folge sollte Ägypten angegriffen und Kairo erobert werden, um dann in Richtung Jerusalem vorzustoßen. Der Angriff auf Kairo musste jedoch abgebrochen werden, weil die versprochene Verstärkung durch Kaiser Friedrich II. nicht eintraf. Im August 1221 mussten die Kreuzritter auch Damiette wieder aufgeben, und im September löste sich das Kreuzfahrerheer auf.

1. Friedrich II. und der 5. Kreuzzug

Der 5. Kreuzzug, zu dem Friedrich II. 1228 aufbrach, unterschied sich bereits im Ansatz von den früheren. Friedrich hatte schon 1215 ein Kreuzzugsgelübde abgelegt und es 1220 erneuert, seine Abreise jedoch aus innenpolitischen Gründen mehrmals verschoben. Als ihm Papst Gregor IX. schließlich mit Exkommunikation drohte, brach Friedrich im August 1227 auf, kehrte jedoch nach wenigen Tagen wieder um, weil er krank geworden war. Erzürnt über diese neuerliche Verzögerung exkommunizierte der Papst den Kaiser. Trotz des Bannes machte sich Friedrich im Juni 1228 noch einmal auf den Weg ins Heilige Land. In Akko angekommen, nahm er Verhandlungen mit dem ägyptischen Sultan Al-Kamil auf und erreichte auf Verhandlungswege die friedliche Übergabe der christlichen Stätten Jerusalem, Nazareth und Bethlehem an das Königreich Jerusalem, wobei den Muslimen der freie Zugang zu den ihnen heiligen Stätten garantiert wurde, und er erreichte einen zehnjährigen Waffenstillstand. 1229 krönte sich Friedrich, der mit der Erbtochter des Königs von Jerusalem verheiratet war, selbst zum König von Jerusalem.

2. Die Kreuzzüge Ludwigs IX.

Den 6. Kreuzzug (1248-1254) organisierte und finanzierte König Ludwig IX., der Heilige, von Frankreich, nachdem die Muslime 1244 Jerusalem zurückerobert hatten. Ende August 1248 segelte Ludwig nach Zypern ab, wo er den Winter über blieb. Am 5. Juni 1249 landete er in Ägypten und eroberte am folgenden Tag Damiette. Der Angriff auf Kairo im Frühjahr 1250 endete jedoch mit einer Katastrophe: Im April 1250 musste Ludwig kapitulieren, geriet mit seinem gesamten Heer in Gefangenschaft und kam erst gegen ein hohes Lösegeld und die Übergabe Damiettes wieder frei. Anfang Mai 1250 segelte er nach Akko ab und verbrachte die folgenden vier Jahre im Heiligen Land, wo er die Verwaltung neu organisierte und Festungen neu bzw. wieder errichten und ausbauen ließ. Erst im Frühjahr 1254 kehrte er nach Frankreich zurück. Ludwigs Kreuzzug war gescheitert; was blieb von seinem langen Aufenthalt im Heiligen Land, war das Interesse Frankreichs an Palästina.

Ludwig initiierte auch den 7. und letzten großen Kreuzzug (1270), dessen Ziel Tunis war. Der Kreuzzug endete abrupt mit dem Tod Ludwigs, der zusammen mit Teilen seines Heeres im Sommer 1270 vor Tunis einer Seuche zum Opfer fiel.

Unterdessen gerieten die verbliebenen Kreuzfahrerbastionen in Syrien und Palästina unter zunehmenden Druck durch ägyptische Truppen und wurden nach und nach von den ägyptischen Mamelucken erobert. Als letzte große Festung fiel Akko am 18. Mai 1291, woraufhin die europäischen Siedler zusammen mit den Templern und den Johannitern auf Zypern Zuflucht suchten. Um 1306 setzten sich die Johanniter auf Rhodos durch, das sie praktisch als unabhängigen Staat und letzten Außenposten der Kreuzritter im Mittelmeer behaupteten, bis es 1522 an die Osmanen fiel. 1571 kam auch Zypern, bislang unter venezianischer Herrschaft, an die Türken. Andere lateinische Staaten, die im Zuge des 4. Kreuzzuges in Griechenland entstanden waren, hielten sich bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts.