| Textilindustrie | Artikelansicht | ||||
| Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken. | |||||
| 2. | Geschichte |
Die Herstellung von Textilien ist fast so alt wie die Menschheit. Ihr genauer Ursprung lässt sich nicht nachvollziehen. Die ältesten bekannten Textilien stammen aus der Zeit um 4500 v. Chr. und wurden in Ägypten gefunden. Die dortigen klimatischen Verhältnisse dürften den Erhalt der frühgeschichtlichen Leinengewebe begünstigt haben. In anderen Regionen hat sich die Herstellung von Textilien vermutlich ähnlich früh entwickelt. Darauf deuten Funde von Spindeln für die Herstellung von Garnen hin. Außerdem finden sich in den ältesten Schriften bereits Hinweise auf das Spinnen und Weben.
Die Fertigkeit des Webens dürfte aus dem Flechten entstanden sein, das schon die ersten Jäger und Sammler beherrschten. Auch der Stamm des Wortes Textil deutet auf diese Verbindung hin. Er kommt vom lateinischen „texere”: zusammenfügen, flechten, weben.
Wichtiger Rohstofflieferant für Gewebe war in der Frühgeschichte das Schaf, dessen Heimat man in Kleinasien vermutet. Von dort aus ist es im Lauf von Jahrhunderten nach Europa gekommen, zunächst nach Griechenland und Italien. Von den Römern ist bekannt, dass sie vornehmlich Wollkleidung trugen. Mit der Ausbreitung des Römischen Reiches haben sich die Schafhaltung und die Verarbeitung der Wolle weiter nach Westeuropa verbreitet, zunächst nach Spanien. In den folgenden Jahrhunderten verloren Spaniens Wollmanufakturen in Europa an Bedeutung. Im Mittelalter entwickelten sich England, Frankreich, Italien, die Niederlande und Deutschland zu den wichtigsten Textilerzeugern. In Mitteleuropa und damit auch in Deutschland übernahmen zunächst Frauen in Heimarbeit das Spinnen und Weben von Wolle. Später ging diese Arbeit auf Klöster über, die zunächst vorwiegend für den eigenen Bedarf produzierten. Mit wachsendem Wohlstand überließen sie eigens dafür angenommenen Arbeitern das Spinnen und Weben. Bekannt hierfür war zur damaligen Zeit der Zisterzienserorden, der in Brabant und Flandern, in Schlesien und Thüringen Tuche herstellen ließ. Auch von Klöstern am Bodensee wird berichtet, dass sie bereits im 12. Jahrhundert große Schafherden zur Wollgewinnung unterhielten. Die Wollverarbeitung konzentrierte sich in Süddeutschland auf die Städte Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Passau. Aber auch Pommern, Schlesien sowie Sachsen besaßen zu dieser Zeit eine ausgedehnte Tuchfabrikation. Um 1200 entstanden bereits zahlreiche Zünfte der Tucharbeiter, die zeitweise beachtliche Macht erreichten. Ihre ständigen Auseinandersetzungen mit den Regierenden sorgten dafür, dass die deutschen Tuchmacher ihre lange Zeit führende Stellung in Europa im 17. Jahrhundert an Frankreich und England abgeben mussten.