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| 4. | Wirtschaftliche Bedeutung |
Die industrielle Herstellung von Textilien ist heute weltweit verbreitet. Viele Entwicklungsländer nutzen sie als Einstieg in die Industrialisierung. Dadurch verstärkt sich ständig der weltweite Wettbewerb der Anbieter. Die weniger entwickelten Staaten setzen dem technischen Vorsprung der industrialisierten Länder ihre geringeren Produktionskosten entgegen und bieten ihre Erzeugnisse zu niedrigeren Preisen an. Um den Industrieländern den Anpassungsprozess an den verstärkten internationalen Wettbewerb zu erleichtern, wurde 1974 das Welttextilabkommen (WTA) ausgehandelt, das in den Folgejahren mehrfach revidiert wurde. In der Uruguay-Runde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT), die im April 1994 nach siebenjähriger Dauer abgeschlossen wurde, vereinbarten die am Welttextilabkommen beteiligten Länder, den internationalen Textilhandel bis zum Jahr 2005 vollständig zu liberalisieren. Über die Einhaltung der dabei eingegangenen Verpflichtungen soll die Welthandelsorganisation (WTO) wachen. Obwohl die Schwellenländer hohe Wachstumsraten bei der Textilproduktion verbuchen können, wird der größte Teil des Welttextilhandels immer noch von wenigen Ländern bestritten. Die zehn größten Exportländer vereinen etwa die Hälfte der Textilexporte (ohne Bekleidung) auf sich. Unter ihnen verteilt sich ihr Exportvolumen von 82 Milliarden US-Dollar folgendermaßen: Deutschland (14 Prozent), Hongkong (13 Prozent), Italien (12 Prozent), Südkorea (11 Prozent), Volksrepublik China (11 Prozent), Taiwan (9 Prozent), Japan (8 Prozent), Belgien (8 Prozent), USA (7 Prozent) und Frankreich (7 Prozent).
Die meisten dieser Länder finden sich auf der Seite der größten Importeure wieder. Sie teilen diesen Kuchen mit einem Wert von fast 67 Milliarden US-Dollar unter sich wie folgt auf: Hongkong (20 Prozent), Deutschland (15 Prozent), Volksrepublik China (11 Prozent), Frankreich (9 Prozent), Großbritannien (9 Prozent), Italien (7 Prozent), Japan (6 Prozent), Niederlande (5 Prozent) und Belgien (6 Prozent). In Europa wurden 1994 in der Textilindustrie (ohne Bekleidung) knapp 1,1 Millionen Menschen beschäftigt.
Die deutsche Textilindustrie befindet sich aufgrund des zunehmenden internationalen Wettbewerbs seit den sechziger Jahren in einem ständigen Anpassungsprozess. Mit stetiger Rationalisierung hat sie sich von einem personalintensiven zu einem kapitalintensiven Industriezweig gewandelt. Die Investitionen für einen einzigen Arbeitsplatz liegen heute oft bei mehreren Millionen DM. Als Folge davon ist die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Bereich von einst rund 600 000 auf noch etwa 160 000 zurückgegangen. Die Textilindustrie ist mit einem Jahresumsatz von zuletzt 33 Milliarden DM nach wie vor die wichtigste Konsumgüterindustrie in Deutschland. Unter allen Industriegruppen liegt sie auf Rang 9. Von ihrer Produktion entfallen heute 45 Prozent auf Textilien für die Bekleidungsindustrie, 30 Prozent auf Heim- und Haustextilien und 25 Prozent auf technische Textilien, die in der Autoproduktion genauso verwendet werden wie am Bau, in der Landwirtschaft, der Medizin, im Anlagenbau oder in der Luft- und Raumfahrt.
Die einzelnen Sparten werden je nach Verarbeitungsschritt und den verschiedenen Rohstoffen unterschieden. Die wichtigsten Sparten sind, gemessen an ihrem Umsatz: Baumwollweberei, Textilveredlung, Textilkonfektion und die Teppichindustrie.
Die Schwerpunkte der Textilfertigung in Deutschland liegen heute in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen. Wie in anderen Wirtschaftszweigen hat auch bei der Textilindustrie die Verlagerung von Produktionen ins Ausland in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Hauptzielrichtung sind die Länder Mittel- und Osteuropas, die mit ihren niedrigen Produktionskosten mit den meisten asiatischen Staaten konkurrieren können. Zusätzlich bietet sich auch dort in den kommenden Jahren die Chance, neue Märkte zu erschließen. Die Mehrheit der deutschen Textilunternehmen setzt aber weiterhin auf den Standort Deutschland, zumal die Absatzgebiete in Mittel- und Osteuropa auch von den heimischen Produktionsstandorten versorgt werden können.