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Schäferdichtung, Bezeichnung für jede Form der Dichtung, die, der Idylle nahe stehend, ein unrealistisches Bild vom beschaulichen Dasein des Hirten entwirft. Die klassische Schäferdichtung ging aus Volksliedern und feierlichen Bräuchen hervor, in denen Hirtengötter verehrt wurden. Die älteste erhaltene Schäferpoesie wurde von Theokrit im 3. Jahrhundert v. Chr. verfasst. Ihm folgten die griechischen Dichter Bion und Moschus im 2. Jahrhundert v. Chr. Vergil setzte mit seinen Bucolica (37 v. Chr.) die Tradition der griechischen Vorbilder fort.
Die Renaissance griff die antiken Vorbilder wieder auf, die bedeutendsten Beispiele sind Petrarca und Boccaccio. Eines der ersten Schäferdramen ist Orfeo von Angelo Poliziano, das erstmals um 1471 am Hof von Mantua aufgeführt wurde. Weitere Schäferdramen sind Aminta (1573) von Torquato Tasso und Il pastor fido (1590, Der treue Schäfer, deutsch 1619) von Giovanni Guarini. Zur Schäferdichtung des 16. Jahrhunderts in Italien zählt der Roman Arcadia (1504) von Iacopo Sannazaro. Die Schäferdichtung gelangte zur selben Zeit auch in den Gedichten des portugiesischen Schriftstellers Gil Vicente und der spanischen Schriftsteller Juan del Encina und Miguel de Cervantes zur Blüte. Der spanische Dichter und Romancier Jorge de Montemayor hatte mit seinem Schäferroman Los suete libros de la Diana (um 1559, Diana, deutsch 1646) großen Einfluss auf spätere Schriftsteller.
In England bildete The Shepheardes Calendar (1579) von Edmund Spenser in zwölf Eklogen ein Modell für die literarische Nachwelt. Auch William Shakespeare nutzte die Gattung der Schäferdichtung, so z. B. in seiner Komödie As You Like It (1600, Wie es Euch gefällt). Und The Shepherd’s Week (1714) von John Gay wurde durch kurze Einblicke in das wirkliche Landleben aufgeheitert. Die deutsche Schäferdichtung setzte erst im 17. Jahrhundert ein, sie blieb jedoch fast ausschließlich von den älteren Vorbildern abhängig. Zu den wichtigsten Autoren zählen Martin Opitz, Christoph Martin Wieland, Christoph Fürchtegott Gellert und der junge Goethe.