Luthertum
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Luthertum
1. Einleitung

Luthertum, Sammelbezeichnung für theologische Auffassungen in der Nachfolge Martin Luthers. Sie wurde bereits um 1520 für die von Luther ausgelöste kirchliche Reformbewegung verwendet.

Zunächst von seinen Gegnern verwendet (als auch einige seiner Anhänger sich derart bezeichneten, war Luther entsetzt), griffen ihn ab 1560 auch reformatorische Kreise auf, um ihre Bestrebungen von denen anderer Reformatoren wie Zwingli und Calvin abzuheben. Als die Reformation dann zur Kirchenspaltung führte und eigenständige neue Kirchen entstanden, wurden die sich auf Luthers „reine Lehre des Evangeliums” berufenden territorialen Kirchen lutherische Kirchen genannt. Im 17. Jahrhundert diente der Begriff des Luthertums zur Unterscheidung von den Papisten, Calvinisten und den so genannten Schwärmern, also den Spiritualisten der Reformation. Das Luthertum sieht sich aufgrund der Tatsache, dass die Reformation durch Luther ausgelöst wurde, innerhalb des Protestantismus in einer herausgehobenen Position.

Heute gibt es weltweit mehr als 200 lutherische Kirchen und Gemeinschaften, wobei sich vier Typen unterscheiden lassen: die aus dem 16. Jahrhundert stammenden Territorialkirchen in Nord- und Mitteleuropa, die oft Staatskirchen waren oder noch sind; die Minderheitskirchen in Teilen Europas, wo lutherischer Glaube gegen die weltliche Obrigkeit Gemeinden bildete; Einwandererkirchen in Amerika und Australien; Missionskirchen in Asien und Afrika.

In Deutschland haben sich die (meisten) lutherischen Landeskirchen zur Vereinigten Evangelischen Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) zusammengeschlossen. 1947 vereinigten sich in Lund 49 lutherische Kirchen aus 22 Ländern auf der Grundlage der Augsburger Konfession zum Lutherischen Weltbund, dem über 100 Mitgliedskirchen mit insgesamt etwa 70 Millionen Mitgliedern, davon 55 Millionen in Europa und neun Millionen in den USA, angehören. In Deutschland kam es im 19. Jahrhundert als Protest gegen die vom preußischen Königshaus forcierte Politik der Kirchenunion zwischen Lutheranern und reformierten Kirchen sowie später auch gegen die in den Landeskirchen vorherrschende liberale Theologie zur Bildung lutherischer freikirchlicher Gemeinden, die als Altlutheraner bezeichnet werden. 1972 schlossen sich mehrere altlutherische Kirchen zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) zusammen. Sie gehört weder der VELKD noch dem Lutherischen Weltbund an, ist aber seit 1993 Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK).