| Luthertum | Artikelansicht | ||||
| Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken. | |||||
| 2. | Grundlagen |
| 1. | Bekenntnisschriften |
Der Reichstag zu Augsburg 1530 ermöglichte die Einführung neuer Kirchenordnungen, worauf sich auf der Grundlage von Luthers Wirken eigenständige Territorialkirchen ausbildeten. Diesen Kirchen wurde durch den Augsburger Religionsfrieden 1555 die rechtliche Anerkennung gewährt, die dann durch den Westfälischen Frieden 1648 bestätigt wurde. Nach einer konfliktreichen Geschichte des frühen Luthertums wurde 1580 das Konkordienbuch veröffentlicht, in dem die Grundschriften des Luthertums (die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche) zusammengefasst sind. Neben den altkirchlichen Glaubensbekenntnissen umfasst es Luthers Kleinen und Großen Katechismus und vor allem die Confessio Augustana, das von Philipp Melanchthon verfasste Augsburger Bekenntnis von 1530, sowie deren Apologie, die Schmalkaldischen Artikel und weitere Traktate Melanchthons.
| 2. | Wesentliche Lehrelemente |
Zentrum des Evangeliums ist in lutherischer Auffassung die Rechtfertigung des Sünders allein aus Glauben, und sie ist der Angelpunkt der lutherischen Theologie. Die Rechtfertigung des Sünders wird ausgedrückt in der dreifachen sola-Formel sola gratia (allein aus Gnade), sola fide (allein im Glauben) und solus Christus (allein Jesus Christus), wozu noch der Zusatz sola scriptura (allein die Schrift) tritt. Dieses sola bedeutet jeweils eine Abgrenzung: Kein Handeln der Kirche oder eines Menschen bringt das Heil, nur der Glaube. Allein die Gnade bewirkt die Rechtfertigung, versetzt in das rechte Verhältnis zu Gott, nicht die persönliche (moralische oder religiöse) Tat. Allein Christus ist der Erlöser und der Mittler des Heils – und nicht die Heiligen, die Kirche oder deren Würdenträger. Nicht an anderen Überlieferungen, Traditionen oder Gesetzessammlungen, sondern allein an der Schrift müssen Kirche und Glaube sich messen lassen.
Die Rechtfertigungslehre ist in dieser Gestalt die formelhafte Zusammenfassung, die Kurzformel der Theologie Luthers, deren Bedeutung eher intuitiv erfasst als argumentativ entfaltet werden kann. Ausformuliert ist sie denn auch zu einer Art Geheimwissenschaft für Experten geworden, der nur noch wenige zu folgen vermögen – war sie doch bereits in den Augen Luthers eine Sache für Spezialisten. Als Formel ist sie die bündige Antwort auf die zentrale Frage Luthers: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?
Es ist ein Kennzeichen der Theologie des Luthertums, dass die grundlegenden Themen in bipolaren Formeln wie Gesetz und Evangelium bzw. Wort und Sakrament oder der Lehre der Zwei Reiche komprimiert werden. Die Geschichte des Luthertums ist auch eine Geschichte der unterschiedlichen Interpretationen dieser Formeln.