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Viehhaltung
1. Einleitung

Viehhaltung, die Haltung und Zucht von Tieren zur Produktion von Nahrungsmitteln, Rohstoffen und als Freizeitbeschäftigung.

Moderne Haltungsmethoden konzentrieren sich auf eine Tierart, die in großen, leistungsfähigen Landwirtschaftsbetrieben gehalten wird. Ziel ist die Herstellung von Tierprodukten mit möglichst hoher Rendite. Zur intensiven Tierhaltung gehören die Haltung großer Tierzahlen in kleinen Ställen oder Käfigen, angereichertes Futter, die Anregung des Wachstums mit verschiedenen Mitteln und die Immunisierung gegen Krankheiten. Der größte Teil der Haustiere der Welt wird allerdings in Kleinbetrieben unter weniger effizienten Bedingungen und mit geringerer Rendite gehalten. Tiere stellen gut ein Viertel des Gesamtwertes der landwirtschaftlichen Produkte auf der Welt. In den Industrieländern haben sie einen weit größeren Anteil an der Nahrungsmittelproduktion für den Menschen als anderswo.

Herkömmliche Methoden der Tierhaltung hängen davon ab, wie intensiv man die Tiere kontrollieren muss und welchen Zweck sie erfüllen. Die meisten Haustiere dienen mehreren Aufgaben. So kann man beispielsweise von Tieren, die vorrangig als Arbeitstiere gehalten werden, auch Milch, Fleisch und Rohstoffe für Kleidung gewinnen. Tiere und ihr Verwendungszweck hängen eng mit der Kultur und den Erfahrungen der Menschen zusammen, die sie halten (siehe Landwirtschaft). In manchen Regionen werden Rinder nicht zur Fleischproduktion gehalten. Hier sind die Arbeitskraft der Tiere sowie Milch, Dünger und Brennstoff, der aus dem Dung der Rinder gewonnen wird, wichtiger als deren Fleisch.

Umwelteinflüsse wie das Klima spielen bei der Domestikation und Nutzung von Tieren ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Wasserbüffel wird in Südasien als Zugtier genutzt. Er ist an die dort herrschenden hohen Temperaturen und an die Luftfeuchtigkeit angepasst, wird aber auch in Italien und Deutschland zur Fleisch- und Milcherzeugung gehalten. In gemäßigten Klimazonen war das Pferd, das sich in milderem Klima wohlfühlt, das wichtigste Zugtier, bis es von der Zugmaschine abgelöst wurde. In den Südstaaten der USA herrschen indische Rinderrassen vor, die besser mit dem dortigen Klima zurechtkommen als europäische Rassen, da sie an heiße und feuchte Bedingungen angepasst sind.

2. Zugtiere

Domestizierte Tiere, die hauptsächlich zur Arbeit, als Verkehrsmittel und zur Freizeitgestaltung genutzt werden, sind weit verbreitet. Zu ihnen gehören Pferd, Maultier, Esel, Rind, Büffel, Kamel, Lama, Alpaka, Yak, Rentier und Haushund. Man nimmt an, dass heutige Pferde von verschiedenen Unterarten wie dem Waldtarpan, dem Steppentarpan und dem Przewalski-Pferd abstammen. Shetlandponys stammen vermutlich von kleinen Wildpferden der Eiszeit ab. Pferde werden in vielen Ländern der Welt noch heute als Zugtiere zum Ziehen schwerer Lasten eingesetzt. Außerdem verwendet man sie beim Überwachen anderer Tiere (etwa Rinderherden), als Lasttiere und zum Reiten als Freizeitbeschäftigung. Die Gesamtzahl der Pferde auf der Welt wird auf über 59 Millionen geschätzt. Etwa die Hälfte davon gibt es in Nord- und Südamerika, die andere Hälfte in Europa und Asien.

Die circa 13 Millionen Maultiere (Kreuzungen aus Eselhengst und Pferdestute) bzw. Maulesel (Kreuzungen aus Pferdehengst und Eselstute) auf der Welt sind zu ungefähr gleichen Teilen auf Afrika, Nord-, Mittel- und Südamerika verteilt. Sie werden als Lasttiere genutzt und haben gegenüber Eseln und Pferden eine höhere Ausdauer und längere Lebenserwartung. Von den über 53 Millionen Eseln lebt die Hälfte in Asien und ein Viertel in Afrika, auch in Südeuropa werden viele Esel gehalten. Esel sind trittsicherer als Pferde und werden deshalb als Lastenträger auf Gebirgspfaden eingesetzt. Sie können selbst bei knapper Nahrung eine hohe Arbeitsleistung erbringen.

Kamele, Dromedare, Lamas und Alpakas werden als Tragtiere genutzt. Es gibt etwa 22 Millionen Kamele auf der Welt, davon etwa drei Viertel in Afrika, der Rest in Asien. Kamele und Dromedare werden seit dem 3. oder 4. Jahrtausend v. Chr. domestiziert. Dromedare sind an heiße Trockengebiete angepasst, Kamele können extreme Temperaturunterschiede ertragen. Kamele und Dromedare werden als Last- und Reittiere eingesetzt, zudem nutzt man ihre Wolle, ihre Milch und ihr Fleisch. Zwischen Dromedaren und Hauskamelen gibt es (unfruchtbare) Mischlinge.

Die Verbreitung von Lamas und Alpakas ist auf kleine Gebiete in Südamerika beschränkt. Das Lama wurde vermutlich schon vor der Zeit der Inka als Haustier gehalten. Es ist als Tragtier in schwierigem Gelände von großer Bedeutung, zudem wird sein Fleisch genutzt. Das Alpaka oder Pako, die Haustierform des Guanako, hält man in den Anden halbwild in Herden, um seine Wolle zu nutzen.

Praktisch sämtliche Wasserbüffel leben in Asien. Sie werden vorrangig als Zugtiere genutzt, obwohl sie auch potentielle Milch- und Fleischlieferanten sind. Rinder sind ebenfalls wichtige Zugtiere in Asien und einigen Gegenden Südosteuropas. Hunde dienen in Alaska und Sibirien als Zugtiere und werden außerdem bei der Bewachung von Schafen und anderen Herdentieren eingesetzt.

3. Schafe und Ziegen

Schafe werden wegen ihrer Wolle, ihres Fleisches (Schafs- und Lammfleisch) und in geringerem Ausmaß wegen ihrer Milch gehalten. Im Allgemeinen unterscheidet man drei Formen, nämlich solche mit feiner, mittelfeiner und grober Wolle. Schafe waren vielleicht die ersten Tiere, die vom Menschen gezüchtet wurden. Ihre Domestizierung begann vor etwa 11 000 Jahren in Südwestasien. Heute gibt es weltweit 1,102 Milliarden Schafe. Die größten Bestände findet man in Afrika, Südamerika, Asien, Europa und Ozeanien. Zu kommerziellen Zwecken werden Schafe meist in großen Arealen gehalten, aufgeteilt in Bereiche mit 1 000 oder mehr Tieren. In vielen kleinen landwirtschaftlichen Betrieben werden Schafe auch zum Nebenerwerb gehalten. Schafe sind an halbtrockene Klimaregionen angepasst und kommen gut in Gebieten zurecht, die für den Anbau von Pflanzen zu steil oder uneben sind.

Ziegen wurden in derselben Region wie Schafe und aus denselben Gründen zum Haustier, allerdings erst etwa 1 500 Jahre später. Die Zahl der Ziegen beträgt etwa 837 Millionen. Die Verbreitung von Ziegen und Schafen ist ungefähr gleich. Die wild lebenden Vorfahren der domestizierten Ziegen sind ebenso wie die der Schafe Gebirgsbewohner. Auf Grund dieser Herkunft können Ziegen karge und im Gelände schwer zugängliche Nahrung nutzen. Ziegen wurden bereits im 7. Jahrtausend v. Chr. domestiziert. Man nutzt ihre Milch, ihr Fleisch und ihre Haut zur Ledergewinnung.

4. Schweine

In neuerer Zeit gibt es Hinweise, dass Schweine vor etwa 9 000 Jahren in mehreren Gegenden gleichzeitig domestiziert wurden. Die Gesamtzahl der Hausschweine schätzt man auf 990 Millionen. Etwa die Hälfte davon wird in Asien gehalten, hauptsächlich in China. Auch in Europa, Russland und Südamerika sind Schweine als Nutztiere weit verbreitet. Im Gegensatz zu den meisten anderen domestizierten Tieren sind Schweine Allesfresser und stehen damit in direkter Nahrungskonkurrenz zum Menschen.

5. Rinder

Heute unterscheidet man bei der Rinderhaltung im Allgemeinen drei Gruppen: Fleischvieh, Milchvieh und Zweinutzungsrinder. Die letzte Gruppe wird sowohl wegen ihres Fleisches als auch wegen der Milch gehalten. Das Rind wurde vermutlich vor etwa 8 500 Jahren in Südosteuropa domestiziert, wobei Südostasien ein zweites Domestizierungszentrum gewesen sein könnte. Weltweit umfasst die Rinderpopulation 1,383 Milliarden Tiere. Die Hälfte davon ist auf Südamerika, Europa, Russland, die USA und Indien konzentriert. Die meisten Fleischrinder werden in großen Arealen gehalten. Zur Fleischproduktion bestimmte Tiere werden manchmal nach dem Entwöhnen in Boxen, also kleinen Stallabteilen, gemästet. Bei Milchkühen herrscht in der Nähe von Ballungszentren die Intensivhaltung in verhältnismäßig großen Herden vor. Siehe auch Milchviehhaltung; Käse

6. Geflügel

Der Begriff Geflügel umfasst in der Hauptsache Hühner, Enten, Truthühner und Gänse. Man schätzt, dass es weltweit über sechs Milliarden Hühner und jeweils rund 100 Millionen Enten und Truthühner als Haustiere gibt. Fast überall auf der Erde werden Hühner in großer Zahl gehalten, Enten jedoch hauptsächlich in Europa und Asien und die meisten Truthühner in den USA. In den Industrieländern erfolgt die Geflügelfleisch- und Eierproduktion in großen Betrieben mit Intensivhaltung, bei der die Vögel zumeist entweder einzeln in Käfigen oder zu vielen Individuen gemeinsam gehalten werden. Siehe auch Geflügelhaltung; Batteriehaltung

7. Andere Tiere

Weitere wichtige domestizierte Tiere aus der Familie der Rinder sind die tibetanischen Yaks oder Grunzochsen, die indischen Gayals oder Stirnrinder und das südostasiatische Banteng oder Rotrind. Das Rentier hat in Nordeuropa und Nordasien große Bedeutung. Es gibt zwar Betriebe, die sich auf die Zucht verschiedener Pelztierarten (hauptsächlich Nerz und Fuchs) spezialisiert haben, die meisten Pelze stammen aber von Wildtieren, die geschossen oder in Fallen gefangen werden. In Nordamerika machen Bisam und Waschbär fast die Hälfte des Gesamtertrags aus. Die ehemalige Sowjetunion (UdSSR) war ebenfalls führend in der Pelzproduktion. Siehe auch Pelzgewerbe

8. Derzeitige Entwicklungen

In wirtschaftlicher Hinsicht besteht das Hauptproblem der heutigen Tierhaltung darin, die Produktion dem heutigen Bevölkerungswachstum anzugleichen. Die Forschung konzentriert sich darauf, die Tierproduktion durch genetische Selektion und mit Hilfe der Gentechnik zu steigern. So können Wissenschaftler z. B. die Größe von Schafen positiv beeinflussen, indem sie Gene, die Wachstumshormone (siehe Somatotropin) steuern, in Embryonen einbauen. Das gleiche Verfahren kann auch auf Rinder und andere Tiere angewendet werden.

Die Forschung beschäftigt sich auch mit der Entwicklung von Tierrassen in Gegenden, in denen Mangel an Proteinen herrscht. So wird in Südamerika das Capybara (Wasserschwein) zur Fleischerzeugung genutzt. Wild lebende Capybaras werden in großem Umfang eingefangen und in Gebiete gebracht, die zur Viehzucht vorgesehen sind. In Peru unterstützt die Regierung die Zucht von Meerschweinchen wegen deren Bedeutung als Nahrungsmittel. In anderen lateinamerikanischen Ländern erforscht man die Möglichkeit, Leguane landwirtschaftlich zu nutzen.

Zur Intensivproduktion von Tierprodukten gehört, dass Geflügel in kleinen Käfigen, Schweine in engen Verschlägen und Schafe und Rinder in kleinen Höfen gehalten werden. Durch die Haltung auf engem Raum werden Arbeitskraft, Futter und sonstige Produktionskosten eingespart. Solche Haltungsbedingungen werden allerdings häufig als tierquälerisch verurteilt, und es werden strengere Gesetze zum Schutz der Tiere gefordert.

Siehe auch artgerechte Tierhaltung