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Faultiere, Unterordnung der Nebengelenktiere; baumbewohnende Säugetiere mit langsamer Fortbewegung, die mit fünf Arten in den tropischen Wäldern Süd- und Zentralamerikas leben.
Man unterscheidet zwei Gattungen heute lebender Faultiere: Dreifinger-Faultiere (oder Dreizehen-Faultiere), zu denen das Ai, das Braunkehl-Faultier und das Kragen-Faultier zählen, und Zweifinger-Faultiere (oder Zweizehen-Faultiere) mit dem Hoffmann-Zweifinger-Faultier und dem Unau. Zweifinger-Faultiere besitzen an den Vordergliedmaßen jeweils zwei Zehen und an den Hintergliedmaßen drei, Dreifinger-Faultiere an allen Gliedmaßen drei Zehen. Die heutigen Faultiere haben Kopfrumpflängen von 50 bis 70 Zentimetern und wiegen vier bis neun Kilogramm. Sie haben einen flachen, kurzen Kopf, große Augen, kleine, vom Fell bedeckte Ohren und ein graubraunes, kurzhaariges Fell. Dreifinger-Faultiere besitzen einen kurzen Schwanz, bei Zweifinger-Faultieren ist dieser allenfalls rudimentär ausgebildet.
Faultiere verbringen einen Großteil ihres Lebens an den Ästen von Bäumen hängend, wobei die Gliedmaßen und das Gesicht nach oben und der Rücken nach unten weisen. Als Anpassung an diese Körperhaltung ist das Fell am Bauch gescheitelt, so dass der Regen leichter abfließen kann. Die langen Gliedmaßen enden in großen, gekrümmten Klauen, mit denen das Tier wie mit einem Haken um die Äste greift und sich festhält. Insbesondere bei Dreifinger-Faultieren sind die vorderen Gliedmaßen länger, besser entwickelt und auch beweglicher als die hinteren Gliedmaßen. Die Tiere bewegen sich fort, indem sie jeweils nur mit einer Extremität sehr langsam und bedächtig vorgreifen. Faultiere haben eine sehr niedrige Stoffwechselrate: Nur etwa einmal pro Woche steigen sie auf den Boden hinunter, um Kot abzusetzen und zu urinieren. Wenn man sie auf den Boden setzt, legen sie sich auf den Rücken oder kriechen unter großen Schwierigkeiten weiter. Faultiere können jedoch recht gut schwimmen.
Faultiere sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie eingerollt mit dicht angezogenen Beinen und legen den Kopf zwischen die vorderen Gliedmaßen. Sie schlafen im Freiland jedoch weit weniger als anhand der Beobachtung von Zootieren angenommen worden war: Am Braunkehl-Faultier wurde im Freiland mit Hilfe der Elektroenzephalographie eine durchschnittliche tägliche Schlafdauer von neuneinhalb Stunden ermittelt, im Zoo schlafen diese Tiere rund 16 Stunden. In der Ruhehaltung ähnelt ein Faultier einem Aststumpf und ist recht gut vor seinen natürlichen Feinden wie dem Jaguar getarnt. Auch die langsamen Bewegungen sind möglicherweise entstanden, weil Faultiere so leichter der Aufmerksamkeit von Räubern entgehen. Einen zusätzlichen Schutz bieten Cyanobakterien, die sich bei einigen Arten im Haarkleid ansiedeln und diesem einen grünen Farbton verleihen, so dass die Tiere von dem umgebenden Blattwerk und Moos kaum zu unterscheiden sind.
Gewöhnlich gibt ein Faultier keine Laute von sich, doch gelegentlich ist ein leiser, wehmütig klingender Ruf zu hören. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Blättern, Knospen, Blüten und Früchten, die mit langsamen Bewegungen zum Maul gezogen werden. Pro Jahr bringen Weibchen ein einziges Junges zur Welt, das sich an die Mutter klammert, bis es sich selbst versorgen kann. Faultiere können je nach Art zwölf bis über 30 Jahre alt werden.
Manche bodenbewohnende Riesenfaultiere der Familie Megatheriidae, die bis ins Holozän in Südamerika lebten, erreichten die Größe von Elefanten. Gegen Ende des Pleistozäns und zu Beginn des Holozäns starben alle bodenbewohnenden Faultiere aus; sie repräsentierten 90 Prozent aller Faultiergattungen. Manche der ausgestorbenen Arten überlebten bis vor rund 4 400 Jahren auf den Westindischen Inseln, auf dem amerikanischen Festland jedoch nur bis vor etwa 10 500 Jahren. Dieser zeitliche Unterschied lässt sich nicht durch Klimaänderungen erklären: Da der Mensch die Westindischen Inseln im Vergleich zum amerikanischen Festland relativ spät erreichte, ist anzunehmen, dass die bodenlebende Faultierfauna durch menschliche Jäger ausgerottet wurde.
Systematische Einordnung: Faultiere werden als Unterordnung Pilosa mit der einzigen heute lebenden Familie Bradypodidae in die Ordnung Xenarthra gestellt. Dreifinger-Faultiere bilden die Gattung Bradypus. Das Ai ist als Bradypus tridactylus klassifiziert, das Braunkehl-Faultier als Bradypus variegatus und das Kragen-Faultier als Bradypus torquatus. Zweifinger-Faultiere bilden die Gattung Choloepus. Das Hoffmann-Zweifinger-Faultier heißt Choloepus hoffmanni und der Unau Choloepus didactylus.