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Dmitrij Schostakowitsch

Dmitrij Schostakowitsch (1906-1975), sowjetischer Komponist. Er wurde am 25. September 1906 in Sankt Petersburg geboren, erlernte im Kindesalter das Klavierspiel und studierte von 1919 bis 1925 am dortigen Konservatorium. Später war er in Sankt Petersburg und am Moskauer Konservatorium als Kompositionslehrer tätig. Schostakowitsch hatte seinen ersten internationalen Erfolg mit seiner traditionellen 1. Sinfonie im Jahr 1926.

In der Folge orientierte sich Schostakowitsch – vor allem in der 2. Sinfonie (1927) und seiner ersten Oper Die Nase (1929; nach der Erzählung von Nikolaj Gogol) – noch stark am Vorbild der expressionistischen und atonalen Ausdrucksweise westlicher Komponisten wie Paul Hindemith und Alban Berg. Diese Werke wurden sowohl von der Kritik als auch von der Öffentlichkeit sehr positiv aufgenommen, offiziell jedoch als „bourgeois und dekadent” kritisiert. Ebenso erging es ihm mit der nächsten Oper, Lady Macbeth von Mzensk (1934; Neufassung als Katerina Izmajlova, 1963). Schostakowitsch zog die Oper sowie zahlreiche andere Werke (u. a. die 3. und 4. Sinfonie) zurück.

Erst mit der 5. Sinfonie (1937), der 6. Sinfonie (1939) und der 7. Sinfonie, der Leningrader (1942), wurde Schostakowitsch als Symphoniker anerkannt. Die 7. Sinfonie entstand während der Belagerung Leningrads im 2. Weltkrieg, hatte am 1. März 1942 in Moskau Premiere und wurde bereits am 15. März desselben Jahres unter großem Beifall des Publikums von Arturo Toscanini in New York dirigiert. 1948 wurde seine Musik allerdings erneut von der offiziellen Kulturpolitik als „neoklassizistisch” und „manieristisch” kritisiert. Schostakowitsch zog sich daraufhin zurück und schuf eine Musik, die zwar von der offiziellen Linie akzeptiert wurde, trotzdem aber seinen inneren Widerstand ausdrückte. Trotz seiner Stellung als bewusst sozialistischer Künstler und trotz seiner wiederholten Schwierigkeiten mit der offiziellen Parteidoktrin gelang es ihm, seine künstlerische Unabhängigkeit zu bewahren. Als Reaktion auf die offizielle Ablehnung schrieb er das Oratorium Pesn’o lesach (Lied von den Wäldern), das 1950 mit dem Stalinpreis ausgezeichnet wurde. 1966 erhielt er als erster Komponist die Auszeichnung „Held der sozialistischen Arbeiterbewegung”. Er starb am 9. August 1975 in Moskau.

Im Zentrum von Schostakowitschs Werk stehen seine Instrumentalwerke. Neben dem umfangreichen sinfonischen Werk (15 Sinfonien) schuf er 15 Streichquartette (1938-1974), die zu den Hauptwerken des zeitgenössischen Streichquartettrepertoires zählen, sowie zahlreiche Konzerte, Opern, Kammer- und Klaviermusiken, Ballette, eine Operette, Oratorien, Kantaten, Lieder, Bühnen- und Filmmusiken. Seine Zwischenstellung zwischen der Musik des 19. Jahrhunderts und der Moderne wird besonders in den Sinfonien deutlich, die die Gattung in der Tradition von Beethoven, Tschaikowsky und Mahler fortsetzen.