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| 1. | Einleitung |
Südkorea, amtlicher Name Taehan Minkuk (Republik Korea), präsidiale Republik in Ostasien, die den Südteil der Halbinsel Korea mit rund 3 500 vorgelagerten Inseln umfasst.
Südkorea grenzt im Norden an Nordkorea, im Osten an das Japanische Meer (in Korea als „Östliches Meer” bezeichnet), im Südosten an die Koreastraße, die es von Japan trennt, und im Westen an das Gelbe Meer. Der Name Taehan bedeutet „Groß-Han”, „Han” ist die traditionelle Bezeichnung für Korea. Die Landesfläche beträgt einschließlich der Inseln 99 300 Quadratkilometer. Südkorea konstituierte sich im August 1948, nachdem der Staat im Anschluss an den 2. Weltkrieg geteilt worden war; dabei wurde der Norden von sowjetischen und der Süden von US-amerikanischen Truppen besetzt. Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Seoul.
| 2. | Land |
Das Land erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über circa 500 Kilometer, die West-Ost-Ausdehnung beträgt etwa 300 Kilometer. Größte der Inseln ist Cheju mit einer Fläche von 1 845 Quadratkilometern.
| 1. | Physische Geographie |
Südkorea ist überwiegend gebirgig. Hauptgebirgszug ist der Taebaek-San Maek, der sich in Nord-Süd-Richtung parallel zur Ostküste erstreckt. Von Westen her steigt er von einer bis 100 Kilometer breiten Küstenebene allmählich an, im Osten fällt er steil zur Küste ab. Die höchste Erhebung des Landes ist der Halla-san (1 950 Meter) auf der Insel Cheju. Im Unterschied zur Ostküste sind die Süd- und Westküste stark durch Buchten und Landvorsprünge gegliedert.
| 2. | Flüsse und Seen |
Die meisten längeren Flüsse entspringen im Taebaek-San Maek; der Naktong (mit 526 Kilometern längster Fluss des Landes), fließt nach Süden in die Koreastraße, der Han nach Nordwesten in das Gelbe Meer. Weitere bedeutende Flüsse sind Kum, Yongsan und Tongjin. Das Staatsgebiet umfasst keine größeren Seen.
| 3. | Klima |
Südkorea wird von kühl-gemäßigtem Klima mit kalten, trockenen Wintern und heißen, niederschlagsreichen Sommern geprägt. Die mittlere Temperatur beträgt in Seoul im Januar -5 °C, im Juli 25 °C; in den südlichen Landesteilen sind die Temperaturschwankungen im Jahresverlauf etwas geringer.
Der mittlere Jahresniederschlag liegt landesweit bei etwa 1 000 Millimetern; am geringsten ist er an der Ostküste, wo in trockenen Jahren 700 Millimeter unterschritten werden können. Die Niederschläge konzentrieren sich auf die Sommermonate (Juni bis August). An der Südküste, die bereits subtropisches Klima aufweist, treten im Spätsommer Taifune auf, die kräftige Stürme und heftige Regenfälle mit sich bringen.
| 4. | Flora und Fauna |
Etwa zwei Drittel des Landes sind bewaldet. Die ursprünglichen Mischwälder mit Eichen, Ahorn, Buchen, Ulmen, Pappeln, Fichten und Espen sind an vielen Stellen einem Sekundärwald gewichen, da sehr viel Wald dem Brennholzbedarf und dem Brandrodungsfeldbau zum Opfer gefallen ist. In höheren Lagen schließt Nadelwald mit Fichten und Lärchen an. An der subtropisch geprägten Südküste gedeihen Bambus, Lorbeer und immergrüne Eichen.
Die Großraubtiere Tiger, Leopard und Kragenbär waren auf der gesamten koreanischen Halbinsel verbreitet; durch Abholzung und Wilderei sind sie praktisch aus Südkorea verschwunden, besiedeln heute allerdings neben anderen bedrohten Arten die 4×250 Kilometer große entmilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea. In den Wäldern leben Luchse und Bengalkatzen, an den Küsten gibt es Largha-Seehunde. Bemerkenswerte Vogelarten sind Mandarinente, Weißbauch-Schwarzspecht, Mandschurenkranich und Halsring-Zwergohreule. 3,9 Prozent der Staatsfläche Südkoreas stehen unter Naturschutz.
| 3. | Bevölkerung |
Die Bevölkerungsstruktur des Landes ist sehr homogen. Südkorea hat etwa 49,23 Millionen Einwohner (2008), davon sind mehr als 99 Prozent Koreaner. Die Bevölkerungsdichte beträgt 501 Einwohner pro Quadratkilometer. Der jährliche Bevölkerungszuwachs ist seit den sechziger Jahren beständig zurückgegangen und lag 2008 bei 0,4 Prozent. Der größte Teil der Bevölkerung lebt in den Küstenregionen im Süden und Westen.
Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 77,4 Jahre (Männer 74 Jahre, Frauen 81,1 Jahre; 2008). Die Verstädterung hat seit den sechziger Jahren – vor allem durch Landflucht – rasch zugenommen; heute leben 81 Prozent der Bevölkerung in Städten. Seit der Gründung von Nordkorea haben etwa vier Millionen Flüchtlinge die Grenze nach Südkorea überschritten. Dieser Bevölkerungszuwachs wurde durch die Auswanderung, besonders nach Japan und in die Vereinigten Staaten, teilweise wieder aufgehoben.
| 1. | Wichtige Städte |
Das bedeutendste Industriezentrum ist die Hauptstadt Seoul (9,71 Millionen Einwohner). Weitere große Städte sind Pusan (3,66 Millionen), der Hauptseehafen; Taegu (2,51 Millionen), ein Zentrum der Textilindustrie; Incheon (2,63 Millionen), der größte Hafen am Gelben Meer, Taejŏn, ein Standort von chemischer Industrie (1,48 Millionen), und Kwangju (1,41 Millionen), ein altes Handels- und Verwaltungszentrum.
| 2. | Sprache |
Die Amtssprache ist Koreanisch. Sie wird sowohl in Südkorea als auch in Nordkorea gesprochen und wird in Han'gul (in Nordkorea Chosun) geschrieben. Dieses phonetische Alphabet wurde Mitte des 15. Jahrhunderts geschaffen, da das klassische Chinesisch (die einzige in der Region bekannte Sprache mit einer Schriftform) schwer zu lernen war. Der Wortschatz des Koreanischen enthält viele chinesische Wörter, und in Zeitungen und Regierungsdokumenten werden viele chinesische Zeichen zusammen mit der Han'gul-Schrift verwendet. Englisch und Japanisch dienen als Handelssprachen.
| 3. | Religion |
Etwa 47 Prozent sind Anhänger verschiedener Richtungen des Buddhismus, circa 49 Prozent der Koreaner bekennen sich zum Christentum, die meisten von ihnen sind Protestanten, 3 Prozent gehören dem Konfuzianismus an. Von Bedeutung ist außerdem die koreanische Vereinigungskirche, die allerdings nicht allzu verbreitet ist. Weitere Glaubensrichtungen sind Wonbulgyo, Daoismus und Schamanismus.
| 3.1. | Feiertage |
Das Neujahrsfest dauert vom 1. bis zum 2. Januar. Die Familien kommen zusammen, um Geschenke auszutauschen, die Toten zu ehren und große Festessen zu veranstalten. Ein anderes wichtiges Familienfest ist Ch’usok, das koreanische Dankesfest, an dem die Familienmitglieder das Grab ihrer Vorfahren besuchen und Speisen zu Ehren der Toten darbringen. Weitere Feiertage sind der Tag der Unabhängigkeitsbewegung (1. März), der Tag der Kinder (5. Mai), der Geburtstag Buddhas (im Mai, das Datum wird nach dem Mondkalender bestimmt), der Heldengedenktag (6. Juni), der Tag der Verfassung (17. Juli), der Tag der Befreiung (15. August), der Tag der Staatsgründung (3. Oktober) und Weihnachten (25. Dezember).
| 4. | Soziales |
Etwa 0,8 Prozent des Staatshaushaltes werden für das Gesundheits- und Sozialwesen ausgegeben. Seit 1989 besteht für alle Koreaner ein gut ausgebautes Krankenversicherungssystem. Die medizinische Versorgung ist gut. Auf einen Arzt kommen 554 Einwohner. Die Kindersterblichkeitsrate beträgt 5,9 Sterbefälle pro 1 000 Lebendgeburten. Ein nicht sehr umfangreiches Sozialversicherungssystem wird staatlich unterstützt. Ein Programm mit einer beschränkten Zahl an Berechtigten zahlt Alters- und Berufsunfähigkeitsrenten. Eine Arbeitslosenversicherung gibt es nicht. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,5 Prozent.
| 4. | Bildung und Kultur |
Die 9-jährige Schulpflicht gilt für 6- bis 14-Jährige. Der Besuch der Grundschule ist kostenfrei, die weitere Schulbildung besteht aus drei Jahren Mittelschule und drei Jahren einer weiterführenden Schule. Privatschulen spielen, besonders als weiterführende Schulen, eine bedeutende Rolle. Im ganzen Land gibt es fast 500 Fach- und Hochschulen mit 3,21 Millionen Studenten (2002–2003). Die bedeutendsten Universitäten sind die Universität Korea (gegründet 1905), die Nationaluniversität Seoul (1946), die Ewha-Frauen-Universität (1886) und die Yonsei-Universität (1885), alle in Seoul; die Chosun-Universität (1946) in Kwangju und die Nationaluniversität Pusan (1946). 98,4 Prozent (2005) der erwachsenen Bevölkerung sind des Lesens und Schreibens kundig.
| 1. | Kunst |
Die koreanische Kunst und Architektur sowie andere Bereiche zeigen sowohl chinesische Einflüsse, wie z. B. des Konfuzianismus, als auch buddhistische Elemente, insbesondere des Zen-Buddhismus. Die Regierung unternimmt große Anstrengungen, um die traditionellen Künste zu stärken und zu stützen. In Seoul gibt es eine Reihe von Museen, darunter das Nationalmuseum (1908) mit einer reichen Sammlung koreanischer Kultur und Folklore; alle größeren Städte Koreas besitzen Museen zur Landeskultur. Der erste koreanische Film wurde 1919 gedreht, später entfaltete sich eine vielgestaltige Kinokultur.
| 2. | Medien |
492 von 1 000 Einwohnern besitzen ein Telefon. Es gibt 139 Tageszeitungen; die größte Auflage haben die Morgenzeitungen Chosun Ilbo und Hankook Ilbo, beide aus Seoul. Zwei Tageszeitungen erscheinen auf Englisch. Landesweit werden schätzungsweise 3 500 Zeitschriften verlegt. Weiterhin zählt Südkorea zwei Nachrichtenagenturen, drei nationale und 48 lokale Radiosender sowie zwei Fernsehsender.
| 5. | Verwaltung und Politik |
1987 wurde in einem Referendum eine neue Verfassung angenommen. Seitdem sie 1988 in Kraft getreten ist, spricht man von der „Sechsten Republik”.
| 1. | Exekutive |
Staatsoberhaupt ist ein Präsident, der für fünf Jahre direkt gewählt wird. Eine Wiederwahl ist nicht zulässig. Trotz hoher Machtbefugnisse kann er das Parlament nicht auflösen oder Grundrechte aussetzen. Der Präsident ernennt das Kabinett und den Ministerpräsidenten.
| 2. | Legislative |
Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung, dem Einkammerparlament. Die 299 Abgeordneten werden für vier Jahre gewählt. Wahlberechtigt sind alle koreanischen Bürger über 18 Jahren.
| 3. | Judikative |
Höchstes Gericht ist der Oberste Gerichtshof, der – einschließlich dem obersten Richter – aus 14 Richtern besteht; sie werden vom Präsidenten mit Zustimmung der Nationalversammlung ernannt. Unterhalb des Obersten Gerichtshofes gibt es fünf Appellationsgerichte, in Seoul, Pusan, Taegu, Taejŏn und Kwangju. Bezirksgerichte in den größeren Städten sind für Zivil- und Strafprozesse in der ersten Instanz zuständig. Ein Familiengericht in Seoul verhandelt Familienstandsangelegenheiten. Der Oberste Gerichtshof urteilt in letzter Instanz. Ein separater Verfassungsgerichtshof verhandelt Verfassungs- und politische Fragen.
| 4. | Kommunalverwaltung |
Südkorea ist in neun Provinzen (Do) und sieben Städte mit Provinzstatus aufgeteilt (Seoul, Pusan, Taegu, Taejŏn, Kwangju, Incheon und Ulsan). Die Provinzgouverneure und die Bürgermeister der sieben großen Städte wurden früher vom Präsidenten ernannt, seit 1995 werden sie gewählt. Die einzelnen Provinzen sind in 139 Distrikte und 57 Städte aufgegliedert.
| 5. | Politik |
Die führende konservative Partei in Südkorea ist die Große Nationalpartei (Grand National Party, GNP), die in den neunziger Jahren aus der Fusion verschiedener konservativer Parteien hervorging und sich zunächst Demokratisch-Liberale Partei bzw. Neue Korea-Partei nannte. Die GNP behauptet sich regelmäßig als zweitstärkste oder stärkste Kraft im Parlament. Die bedeutendste liberale Partei war zu Beginn des 21. Jahrhunderts für einige Jahre die Demokratische Millenniumspartei (Millennium Democratic Party, MDP), die aus dem Nationalkongress für Neue Politik (National Congress for New Politics, NCNP) hervorgegangen war; sie verschwand relativ rasch wieder in der Bedeutungslosigkeit. Aus Teilen der MDP, aber auch einigen GNP-Mitgliedern konstituierte sich 2003 die linksliberale Partei Uri („Wir”), die 2004 als erste linksorientierte Partei in Südkorea die Regierung übernahm, aber schon nach wenigen Jahren Zerfallstendenzen zeigte.
| 6. | Verteidigung |
Der Präsident ist Oberbefehlshaber über die Streitkräfte. Sie umfassen etwa 687 700 Soldaten (davon 560 000 in der Armee, 63 000 bei der Marine und 64 700 in der Luftwaffe). Daneben gibt es etwa 4,5 Millionen Reservisten. Außerdem sind etwa 36 000 US-amerikanische Soldaten im Land stationiert.
| 6. | Wirtschaft |
Seit Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts hat sich Südkorea von einem Agrarstaat in eine auf den Export ausgerichtete Industrienation verwandelt. Südkorea gehört heute zu den größten Handelsnationen der Welt. Anfang der sechziger Jahre erhielt Südkorea Wirtschaftshilfe, insbesondere aus den Vereinigten Staaten und Japan, die dem Land ein kräftiges Wirtschaftswachstum bescherte. Nach den anfänglichen Boomjahren verzeichnete Südkoreas Wirtschaft gegen Ende der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts moderate Wachstumsraten. Mitte der neunziger Jahre verschlechterte sich Südkoreas wirtschaftliche Entwicklung. Die wirtschaftliche Lage in Europa, Preisverfälle und zunehmende Konkurrenz durch Niedriglohnländer belasteten vor allem Südkoreas Schlüsselindustrien, wie z. B. Schiffsbau, Automobil- und Halbleiterindustrie. Hinzu kamen eine schwere innenpolitische Krise (Ende 1996) und die Asienkrise (1997), die zusätzlich Südkoreas Wirtschaft und den Finanzsektor destabilisierten. Durch einschneidende Wirtschaftsreformen, eine umfassende Umstrukturierung und Liberalisierung des Finanz- und Kapitalmarktes sowie drastische Sparmaßnahmen im Staatshaushalt gelang es dem Tigerstaat gegen Ende des 20. Jahrhunderts, die negativen Entwicklungen wieder ins Positive zu wenden.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 888 Milliarden US-Dollar (2006; Landwirtschaft 3,2 Prozent, Industrie und Bergbau 39,6 Prozent, Dienstleistungen 57,2 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 18 340,80 US-Dollar. Die Handelsbilanz ist nahezu ausgeglichen.
Die Zahl der Erwerbstätigen beträgt 24,5 Millionen (2006). Davon sind rund 8 Prozent in Land- und Forstwirtschaft sowie in der Fischerei tätig, 27 Prozent in der Industrie und 65 Prozent im Dienstleistungssektor. Die wichtigste Arbeitnehmervertretung ist der Koreanische Gewerkschaftsbund mit über 1,5 Millionen Mitgliedern.
| 1. | Land- und Forstwirtschaft, Fischerei |
Nach dem 2. Weltkrieg wurde eine Bodenreform durchgeführt. Der Grundbesitz beträgt durchschnittlich 0,89 Hektar. In Verbindung mit der Industrialisierung des Landes wurde auch die Landwirtschaft mechanisiert; gleichzeitig sank die Bedeutung des primären Sektors für den Arbeitsmarkt. Hauptanbauprodukt ist Reis (6,31 Millionen Tonnen pro Jahr), das Grundnahrungsmittel. Er wird auf 53 Prozent der Nutzfläche, überwiegend im Nassfeldbau, angebaut. Weitere Anbauprodukte sind Kartoffeln, Bataten, Gerste und Weizen. In den letzten Jahren wurde die Obstproduktion gesteigert, insbesondere Äpfel, Melonen, Pfirsiche und Birnen. Sojabohnen, Baumwolle, Hanf und Maulbeerbäume (zur Zucht von Seidenraupen) spielen ebenfalls eine Rolle. Die Viehwirtschaft ist von geringerer Bedeutung.
In der Holzwirtschaft werden jährlich etwa 4,91 Millionen Kubikmeter Stammholz produziert. Aufgrund des jahrzehntelangen Rodens besteht ein großer Teil der koreanischen Wälder nur noch aus Buschwald; die Holzindustrie spielt daher keine große Rolle. Seit Ende der sechziger Jahre ist Südkorea zu einer der führenden Fischfangnationen geworden; die Hochseeflotte und die Fisch verarbeitende Industrie sind vor allem in Ulsan und Masan beheimatet.
| 2. | Bergbau |
Im Vergleich zu Nordkorea ist Südkorea weniger reich an Bodenschätzen. Der jährliche Abbau von Steinkohle beträgt etwa 3,30 Millionen Tonnen, von Zinkerz etwa 6 000 Tonnen (2002). Darüber hinaus werden Graphit, Eisenerz, Blei, Wolfram, Kupfer, Gold, Silber und Kaolin abgebaut.
| 3. | Industrie |
Nach dem Aufbau der Schwer- und Konsumgüterindustrie richtete sich das Augenmerk der südkoreanischen Wirtschaft in den letzten Jahren auf die Investitionsgüterindustrie. Heute produzieren Südkoreas Industriebetriebe insbesondere wichtige Exportgüter wie z. B. elektronische Erzeugnisse (Computer, Halbleiterbauelemente), Textilien und Bekleidung, Maschinen, Fahrzeuge und chemische Erzeugnisse. Wichtige Industriestandorte befinden sich im Einzugsbereich der Hauptstadt Seoul und in einem weiträumigen Bereich um Pusan im Südosten des Landes.
| 4. | Währung und Außenhandel |
Die Währung Südkoreas heißt Won; die Bank of Korea ist die Notenbank.
Wichtige Einfuhrgüter sind Rohstoffe, wie z. B. Erdöl, dann Maschinenteile und Transportausrüstungen, elektronische Bauteile und Konsumgüter. Südkorea exportiert vor allem elektronische Produkte (Computer etc.), Textilien und Kleidung, Transportausrüstungen, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Bedeutende Handelspartner Südkoreas sind u. a. die Vereinigten Staaten, Japan, Hongkong, die Volksrepublik China, Taiwan, Deutschland und andere Staaten der EU.
| 5. | Verkehrswesen |
Ein gut ausgebautes Straßennetz mit einem Umfang von etwa 100 300 Kilometern verbindet die wichtigsten Zentren. Die staatliche Eisenbahngesellschaft hat ein Streckennetz von 3 392 Kilometern (2005). Die bedeutendsten Häfen des Landes sind Pusan, Mokpo und Kunsan. Im März 2001 wurde rund 50 Kilometer außerhalb von Seoul der neue internationale Flughafen Incheon Airport eröffnet. Kimpo Airport wird seither nur noch für Inlandsflüge genutzt. In- und Auslandsflüge werden von Korean Air Lines und der Asiana Airlines angeboten.
| 6. | Energie |
37,8 Prozent der in Südkorea benötigten Energie stammt aus Kernkraftwerken; im Jahr 2000 waren insgesamt 16 Kernkraftwerke in Betrieb. Den verbleibenden Energiebedarf deckt das Land durch Steinkohle, Erdöl und Erdgas sowie zu einem geringen Teil durch Wasserkraft. Jährlich werden rund 326,2 Milliarden Kilowattstunden erzeugt.
| 7. | Geschichte |
Zur Geschichte der koreanischen Halbinsel vor der Teilung in Nord- und Südkorea siehe Korea.
Die Republik Korea wurde am 15. August 1948 proklamiert. Das Parlament wählte Syngman Rhee zum ersten Staatsoberhaupt. Die Parlamentswahlen waren von den US-amerikanischen Besatzungsbehörden bereits im Mai abgehalten und von Vertretern der Vereinten Nationen beobachtet worden. Die linken Gruppierungen hatten diese Wahlen boykottiert; alle Abgeordneten – auch der gewählte Präsident – waren strikte Antikommunisten.
| 1. | Syngman Rhee und die Zweite Republik |
Mit einem militärischen Großangriff durch Nordkorea im Juni 1950 begann der Koreakrieg. Durch den Vormarsch der nordkoreanischen Truppen verlor Rhee die Unterstützung des Parlaments. Mit Hilfe des Militärs zwang Rhee das Parlament, direkte Präsidentschaftswahlen durchführen zu lassen. Bei diesen Wahlen wurde er 1952 wieder gewählt. Nachdem der Krieg durch das Eingreifen der UNO-Truppen unter amerikanischer Führung 1953 beendet worden war, erholte sich die Wirtschaft Südkoreas nur langsam. Abgesehen von der umfangreichen Unterstützung durch die Vereinigten Staaten gelang es Rhee nicht, die Wirtschaftsentwicklung sichtbar voranzutreiben. Er entschied zwar die Wahlen von 1956 und 1960 für sich, aber die offenkundige Manipulation der Wahlen von 1960 führte zu einer landesweiten Protestwelle. Am 27. April 1960 trat Rhee zurück. Die gemäßigte Regierung unter John M. Chang leitete auf vielen Gebieten eine Liberalisierung ein, die wirtschaftliche Entwicklung kam jedoch immer noch nicht in Schwung. Am 16. Mai 1961 kam es zum Putsch einer Militärjunta; alle demokratischen Institutionen wurden beseitigt, die Zweite Republik war am Ende. Nach einem weiteren Militärputsch im Juli übernahm General Park Chung Hee die Macht.
| 2. | Die Dritte Republik von Park Chung Hee |
Nach einer Verfassungsänderung durch die regierende Militärjunta wurde Park Chung Hee im Oktober 1963 mit knapper Mehrheit zum Staatspräsidenten gewählt. Er leitete energische wirtschaftliche Reformen ein und schloss, allen Widerständen zum Trotz, 1965 ein Abkommen mit Japan; für japanische Wirtschaftshilfe ließ Südkorea seine Reparationsansprüche fallen. Schon bald begann japanisches Kapital nach Korea zu fließen. Weitere Devisen gelangten ins Land, weil Korea die Vereinigten Staaten im Vietnamkrieg mit Truppen und Kontraktarbeitern unterstützte. In der Folge stiegen Industrialisierung und Exporte stetig an; das Bruttoinlandsprodukt wuchs jährlich um 10 Prozent.
Die Politik wurde von der Demokratischen Republikanischen Partei Parks dominiert, die durch ihre Kontrolle über die Geld- und Ämtervergabe den Oppositionsgruppen wenig Chancen bot. Daneben sorgte der südkoreanische Geheimdienst neben seinen Erkundungen gegen den Norden für die Überwachung und Einschüchterung der Dissidenten. 1972 verhängte Park das Kriegsrecht und führte die neue Yushin-Verfassung („Wiederbelebung”) ein, nach der er auf Lebenszeit im Amt bleiben konnte. In den Folgemonaten schränkten zahlreiche Notmaßnahmen die Bürgerrechte immer mehr ein, politische Gegner wurden beseitigt. Trotz dieser Rahmenbedingungen erreichte die Wirtschaft ein spektakuläres Wachstum und die Exporte überfluteten die westlichen Märkte. Dennoch wuchs die Unzufriedenheit mit dem Regierungsstil Parks.
| 3. | Chun Doo Hwan |
1979 wurden Demonstrationen in Pusan und Masan brutal unterdrückt. In dieser angespannten Situation ließ Kim Jae Kyu, der Chef des Koreanischen Geheimdienstes (jetzt: Nationaler Sicherheitsplanungsdienst), Park am 26. Oktober 1979 ermorden. Wieder erlebte das Land einen abrupten politischen Wechsel. Parks Nachfolger als Staatsoberhaupt wurde der Ministerpräsident Choi Kyu Hah; General Chun Doo Hwan, Leiter des Untersuchungsausschusses für das Kriegsrecht, erhielt ebenfalls eine führende Position. Im Dezember 1979 verdrängte er ältere Militäroffiziere, übernahm die Kontrolle über die Armee und vereitelte im folgenden alle Pläne, die Verfassung zu liberalisieren. Im Mai 1980 wurden die führenden Oppositionspolitiker verhaftet und Protestdemonstrationen unterdrückt. Es gelang Chun, Präsident Choi ins Abseits zu stellen und sich selbst zum Präsidenten wählen lassen. Nach der neuen Verfassung, die im April 1981 in Kraft trat, wurde die Vierte Republik ausgerufen. Die Verfassung sah für den Präsidenten eine einzige Wahlperiode von sieben Jahren vor; viele Kontrollmechanismen aus der Yushin-Verfassung blieben erhalten. Einen großen diplomatischen Erfolg erzielte Chuns Regime, als das Internationale Olympische Komitee die Sommerspiele 1988 nach Seoul vergab. Ein weiterer Erfolg war im Januar 1983 der Besuch des japanischen Premierministers Nakasone Yasuhiro in Seoul; er versprach niedrig verzinste Kredite, um Südkoreas Fünfjahresplan 1982 bis 1986 zu finanzieren.
Die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea waren seit den späten sechziger Jahren und über die siebziger Jahre hinaus angespannt und blieben weiter belastet. Präsident Chun musste einen Staatsbesuch in Birma am 9. Oktober 1983 abbrechen, als vier seiner Minister und 13 weitere Südkoreaner in Rangun durch eine Bombe ums Leben kamen, die nordkoreanische Kommandos dort gelegt hatten. Mitte der achtziger Jahre begannen sich die Beziehungen zu verbessern. 1986 wurden Familienbesuche gestattet und die Grenze zu Nordkorea erstmals seit dem Ende des Koreakrieges geöffnet.
| 4. | Demokratische Reformen |
Nach einer Reihe von Massenkundgebungen im Frühsommer 1987 versprach Präsident Chun demokratische Reformen, einschließlich der Wiedereinführung einer direkten Präsidentschaftswahl. Die Wahl am 16. Dezember 1987 gewann Roh Tae Woo, der Kandidat von Chuns Partei, der auf Reformen bestanden hatte. Eine neue Verfassung wurde 1987 in einem nationalen Referendum mit 93 Prozent angenommen und trat im Februar 1988 in Kraft; damit begann die Sechste Republik. Bei den Wahlen im April errangen die Oppositionsparteien die Mehrheit in der Nationalversammlung. 1990 schloss sich Rohs Demokratische Gerechtigkeitspartei mit zwei großen Oppositionsparteien, der Partei für Wiedervereinigung und Demokratie und der Neuen Demokratisch- Republikanischen Partei, zur Demokratisch-Liberalen Partei zusammen. Im März 1991 wurden die ersten Regionalwahlen seit 30 Jahren abgehalten. Trotz anhaltender Studentendemonstrationen gegen die Regierung errangen die Kandidaten der Demokratisch-Liberalen Partei die Mehrzahl der Sitze. Im September 1991 wurden Nord- und Südkorea als zwei unabhängige Staaten in die Vereinten Nationen aufgenommen; drei Monate später unterzeichneten sie einen Nichtangriffspakt.
1992 trat Roh von seinem Amt als Vorsitzender der Demokratisch-Liberalen Partei (DLP) zurück, als er beschuldigt wurde, seine Partei hätte bei den März-Wahlen Stimmen gekauft. Bei den Wahlen im Dezember 1992 wählte Südkorea seinen ersten zivilen Präsidenten, Kim Young Sam; der frühere Dissident war als Vorsitzender der Demokratischen Freiheitspartei bereits seit 1990 an der Regierung beteiligt; die DLP konnte ihre Mehrheit in der Nationalversammlung nur durch Zusammenarbeit mit Unabhängigen erhalten. Präsident Kim startete eine durchgreifende Antikorruptionskampagne, die enthüllte, dass Bestechung in Bürokratie, Politik und beim Militär weit verbreitet war; außerdem entfernte er die Militärs aus der Politik. Weiterhin leitete er ehrgeizige wirtschaftliche Reformen ein, um die inländischen Regelungen zu liberalisieren, ausländische Investitoren zu ermuntern und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Die Spannungen wegen Nordkoreas Kernwaffenprogramm hielten noch an, als der nordkoreanische Diktator Kim Il Sung am 8. Juli 1994 starb; sie wurden durch ein Abkommen zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten im folgenden August entschärft. Demnach sollte Südkorea Ausrüstung und Finanzen zur Verfügung stellen, um die Kernkraftwerke im Norden durch moderne Reaktoren zu ersetzen, die für die Waffenproduktion nicht geeignet waren. Die Umsetzung des Abkommens wurde aber 1995 verschoben, da Nordkorea keine direkte Hilfe von Südkorea annehmen wollte.
Präsident Kim ernannte im Dezember 1995 Lee Soo-sung zum neuen Ministerpräsidenten. Bei den im April 1996 stattfindenden Wahlen zur Nationalversammlung verlor die im Dezember 1995 in Neue Korea-Partei (NKP) umbenannte DLP ihre absolute Mehrheit, stellt jedoch weiterhin die meisten Abgeordneten.
In Südkorea kam es im Dezember 1996 und Januar 1997 zur schwersten innenpolitischen Krise seit Ende der Militärdiktatur. Auslöser war ein in Abwesenheit der Opposition durchgesetztes neues Arbeitsgesetz, mit dem die Regierung zu Lasten der Arbeitnehmer dem rückläufigen Wirtschaftswachstum entgegenwirken will. Das Gesetz erleichtert Unternehmen die Entlassung von bisher unkündbaren Mitarbeitern und ermöglicht zur Senkung der Arbeitskosten die Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 56 Stunden; ebenso wurde die ursprünglich versprochene Zulassung mehrerer Gewerkschaften um fünf Jahre verschoben. In Seoul lieferten sich Demonstranten und die Polizei drei Wochen lang Straßenschlachten, führende Gewerkschaftsfunktionäre wurden verhaftet.
Erstmals seit 25 Jahren fanden im März 1997 Friedensgespräche zwischen Nord- und Südkorea statt, die sich offiziell immer noch im Kriegszustand befinden.
Als erster Oppositionsführer in der Geschichte Südkoreas konnte am 18. Dezember 1997 Kim Dae Jung die Präsidentschaftswahlen für sich entscheiden. Kim, der dem Nationalkongress für Neue Politik angehörte, erreichte mit rund 40 Prozent der Stimmen allerdings nur einen knappen Sieg über den Kandidaten der regierenden Nationalpartei, Lee Hoi Chan. Der bisherige Präsident Kim Young Sam stand nicht mehr zur Wahl, da in Südkorea eine zweite Amtszeit von der Verfassung ausgeschlossen wird. Bei einem Besuch in Japan unterzeichnete Kim Dae Jung im Oktober 1998 zusammen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Obuchi Keizo eine gemeinsame Erklärung, in der sich Japan für die während seiner 35-jährigen Kolonialherrschaft (1910-1945) am koreanischen Volk begangenen Verbrechen entschuldigte. Dieses Schulbekenntnis trug erheblich zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Südkorea und Japan bei.
Im Januar und April 1999 geführte Verhandlungen über ein Friedensabkommen zwischen Nord- und Südkorea endeten ergebnislos. Eine Konfrontation von Kriegsschiffen beider Staaten im Gelben Meer gipfelte im Juni 1999 in einem Seegefecht, das die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten erheblich belastete.
Bei den Parlamentswahlen vom April 2000 wurde die Große Nationalpartei (Grand National Party, GNP), die frühere Neue Korea-Partei (New Korea Party, NKP), erneut stärkste politische Kraft vor der Demokratischen Millenniumspartei (Millennium Democratic Party, MDP) von Staatspräsident Kim Dae Jung. Nach den Wahlen beschlossen Spitzenpolitiker der MDP und der Vereinigten Liberaldemokraten (United Liberal Democrats, ULD) die Fortsetzung ihrer Regierungskoalition.
Zum ersten Treffen zwischen Repräsentanten Süd- und Nordkoreas seit der politischen Teilung der Halbinsel kam es am 13. Juni 2000 in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang. Die Staatsoberhäupter Kim Dae Jung und Kim Jong Il unterzeichneten dabei ein Versöhnungsabkommen, in dem sie als Fernziel eine mögliche Wiedervereinigung formulierten. Konkrete Vereinbarungen über Familienzusammenführung sowie engere politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit sollen die Grundlagen für eine Entspannung der bilateralen Beziehungen bilden. In der Folgezeit fanden mehrere innerkoreanische Treffen auf Ministerebene statt.
Nach einer kurzzeitigen Belastung des sich entspannenden Verhältnisses zwischen Süd- und Nordkorea durch Seegefechte im Gelben Meer im Juni 2002 wurde einen Monat später der Dialog wieder aufgenommen. Nach der Eröffnung der ersten offiziellen Luftverkehrsstraße zwischen beiden Ländern erfolgte im September 2002 der Beginn der Bauarbeiten für eine geplante grenzüberschreitende Bahn- und Straßenverbindung.
Innenpolitisch hatte die so genannte Sonnenscheinpolitik Kim Dae Jungs bereits im September 2001 einen schweren Rückschlag erfahren, nachdem das Parlament mit großer Mehrheit für einen von der Opposition eingebrachten Misstrauensantrag gegen den Vereinigungsminister Lim Dong Won gestimmt hatte. Wenige Tage nach der Abstimmung reichte das gesamte Kabinett seinen Rücktritt ein. Nach einer herben Niederlage seiner Millenniumspartei bei Nachwahlen zum südkoreanischen Parlament trat Kim Dae Jung vom Amt des Parteivorsitzenden zurück.
Aus der Präsidentenwahl vom 19. Dezember 2002 – für die Amtsinhaber Kim Dae Jung nicht mehr kandidieren durfte – ging der Kandidat der Millenniumspartei, der ehemalige Menschenrechtsaktivist Roh Moo-hyun, als knapper Sieger hervor. Er erklärte die Fortsetzung des Versöhnungskurses gegenüber Nordkorea als vorrangiges Anliegen seiner Politik.
Im März 2004 wurde Staatspräsident Roh durch ein Amtsenthebungsverfahren vom Parlament für abgesetzt erklärt; ihm war im Vorfeld der für den April anberaumten Parlamentswahlen eine Verletzung des Wahlgesetzes vorgeworfen worden: Im Februar 2004 hatte er öffentlich geäußert, dass er auf Zugewinne der ihm freundlich gesinnten Uri-Partei hoffe und sie unterstütze. Das Wahlgesetz verlangt jedoch parteipolitische Neutralität vom Staatspräsidenten. Die Amtsenthebung Rohs stieß bei der Bevölkerung auf breite Ablehnung.
Aus den Parlamentswahlen am 15. April 2004 ging überraschend die linksliberale Uri-Partei mit 152 der insgesamt 299 Mandate als absolut stärkste Partei hervor. Die Uri-Partei hatte sich erst etwa ein halbes Jahr vor den Wahlen als Abspaltung von der MDP konstituiert und verfügte bis zu den Wahlen lediglich über 49 Parlamentssitze. Zweitstärkste Kraft wurde die GNP mit 121 Mandaten, während die MDP nur noch neun Sitze errang. Durch den Wahlsieg der Uri-Partei hatte nun erstmals seit dem Ende der Diktatur 1987 die Linke eine Mehrheit im Parlament. Der Sieg der Uri-Partei wurde in erster Linie dem Protest der Wähler gegen das Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten zugeschrieben, das GNP und MDP durchgesetzt hatten. Am 14. Mai 2004 erklärte das Verfassungsgericht das Amtsenthebungsverfahren gegen Roh für ungültig und bestätigte Roh im Amt des Staatspräsidenten.
Trotz Nordkoreas teilweise unberechenbaren Kurses, trotz seiner militärischen Drohungen, seiner Missachtung von Abkommen insbesondere mit seinem Atomprogramm hielt Südkorea im Wesentlichen an seiner Versöhnungspolitik fest, suchte durch Entgegenkommen und vor allem durch Wirtschaftshilfe die Lage der Bevölkerung in Nordkorea zu verbessern sowie den Frieden auf der koreanischen Halbinsel zu sichern und drang immer wieder auf eine Fortsetzung der Sechs-Länder-Verhandlungen über das nordkoreanische Atomprogramm, auch wenn vor allem die USA und Japan Südkorea zu einer härteren Haltung gegenüber Nordkorea zu bewegen suchten. Erst nach den nordkoreanischen Raketen- und Atombombentests im Juli und Oktober 2006 wandte sich Südkorea vorübergehend von seinem Entspannungskurs ab und stellte u. a. die Nahrungsmittellieferungen an den Norden ein. Der Gegensatz zu den USA, in den Südkorea durch seine Sonnenscheinpolitik geriet, wurde aufgewogen durch Südkoreas relativ umfangreiches Engagement auf Seiten der USA im Irak (Südkorea stellte dort nach den USA und Großbritannien das drittgrößte Kontingent); Letzteres führte allerdings zu inneren Konflikten, da der Irak-Einsatz von den Südkoreanern mehrheitlich abgelehnt wurde.
Im Oktober 2007 fand in Pjöngjang ein zweites (nach 2000) nord-südkoreanisches Gipfeltreffen statt. In der gemeinsamen Erklärung, die Roh Moo-hyun und Kim Jong Il am Ende unterzeichneten, nahm der Wunsch nach Frieden auf der koreanischen Halbinsel und nach einem endgültigen Friedensvertrag einen hohen Stellenwert ein; daneben wurde u. a. eine Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen vereinbart, und es wurden noch einmal die Ergebnisse der Sechs-Länder-Verhandlungen bekräftigt, in denen sich Nordkorea schließlich zum Abbau seines Atomprogramms bereit erklärt hatte.
Die Präsidentenwahlen am 19. Dezember 2007 gewann zum ersten Mal nach zehn Jahren wieder ein Konservativer, und zwar Lee Myung-bak von der GNP. Er versprach eine Wiederbelebung der Wirtschaft und ein Wirtschaftswachstum von 7 Prozent pro Jahr; gegenüber Nordkorea kündigte er eine härtere Linie an, als seine beiden Vorgänger sie verfolgt hatten.