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| 6. | Wirtschaft |
Seit Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts hat sich Südkorea von einem Agrarstaat in eine auf den Export ausgerichtete Industrienation verwandelt. Südkorea gehört heute zu den größten Handelsnationen der Welt. Anfang der sechziger Jahre erhielt Südkorea Wirtschaftshilfe, insbesondere aus den Vereinigten Staaten und Japan, die dem Land ein kräftiges Wirtschaftswachstum bescherte. Nach den anfänglichen Boomjahren verzeichnete Südkoreas Wirtschaft gegen Ende der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts moderate Wachstumsraten. Mitte der neunziger Jahre verschlechterte sich Südkoreas wirtschaftliche Entwicklung. Die wirtschaftliche Lage in Europa, Preisverfälle und zunehmende Konkurrenz durch Niedriglohnländer belasteten vor allem Südkoreas Schlüsselindustrien, wie z. B. Schiffsbau, Automobil- und Halbleiterindustrie. Hinzu kamen eine schwere innenpolitische Krise (Ende 1996) und die Asienkrise (1997), die zusätzlich Südkoreas Wirtschaft und den Finanzsektor destabilisierten. Durch einschneidende Wirtschaftsreformen, eine umfassende Umstrukturierung und Liberalisierung des Finanz- und Kapitalmarktes sowie drastische Sparmaßnahmen im Staatshaushalt gelang es dem Tigerstaat gegen Ende des 20. Jahrhunderts, die negativen Entwicklungen wieder ins Positive zu wenden.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 888 Milliarden US-Dollar (2006; Landwirtschaft 3,2 Prozent, Industrie und Bergbau 39,6 Prozent, Dienstleistungen 57,2 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 18 340,80 US-Dollar. Die Handelsbilanz ist nahezu ausgeglichen.
Die Zahl der Erwerbstätigen beträgt 24,5 Millionen (2006). Davon sind rund 8 Prozent in Land- und Forstwirtschaft sowie in der Fischerei tätig, 27 Prozent in der Industrie und 65 Prozent im Dienstleistungssektor. Die wichtigste Arbeitnehmervertretung ist der Koreanische Gewerkschaftsbund mit über 1,5 Millionen Mitgliedern.
| 1. | Land- und Forstwirtschaft, Fischerei |
Nach dem 2. Weltkrieg wurde eine Bodenreform durchgeführt. Der Grundbesitz beträgt durchschnittlich 0,89 Hektar. In Verbindung mit der Industrialisierung des Landes wurde auch die Landwirtschaft mechanisiert; gleichzeitig sank die Bedeutung des primären Sektors für den Arbeitsmarkt. Hauptanbauprodukt ist Reis (6,31 Millionen Tonnen pro Jahr), das Grundnahrungsmittel. Er wird auf 53 Prozent der Nutzfläche, überwiegend im Nassfeldbau, angebaut. Weitere Anbauprodukte sind Kartoffeln, Bataten, Gerste und Weizen. In den letzten Jahren wurde die Obstproduktion gesteigert, insbesondere Äpfel, Melonen, Pfirsiche und Birnen. Sojabohnen, Baumwolle, Hanf und Maulbeerbäume (zur Zucht von Seidenraupen) spielen ebenfalls eine Rolle. Die Viehwirtschaft ist von geringerer Bedeutung.
In der Holzwirtschaft werden jährlich etwa 4,91 Millionen Kubikmeter Stammholz produziert. Aufgrund des jahrzehntelangen Rodens besteht ein großer Teil der koreanischen Wälder nur noch aus Buschwald; die Holzindustrie spielt daher keine große Rolle. Seit Ende der sechziger Jahre ist Südkorea zu einer der führenden Fischfangnationen geworden; die Hochseeflotte und die Fisch verarbeitende Industrie sind vor allem in Ulsan und Masan beheimatet.
| 2. | Bergbau |
Im Vergleich zu Nordkorea ist Südkorea weniger reich an Bodenschätzen. Der jährliche Abbau von Steinkohle beträgt etwa 3,30 Millionen Tonnen, von Zinkerz etwa 6 000 Tonnen (2002). Darüber hinaus werden Graphit, Eisenerz, Blei, Wolfram, Kupfer, Gold, Silber und Kaolin abgebaut.
| 3. | Industrie |
Nach dem Aufbau der Schwer- und Konsumgüterindustrie richtete sich das Augenmerk der südkoreanischen Wirtschaft in den letzten Jahren auf die Investitionsgüterindustrie. Heute produzieren Südkoreas Industriebetriebe insbesondere wichtige Exportgüter wie z. B. elektronische Erzeugnisse (Computer, Halbleiterbauelemente), Textilien und Bekleidung, Maschinen, Fahrzeuge und chemische Erzeugnisse. Wichtige Industriestandorte befinden sich im Einzugsbereich der Hauptstadt Seoul und in einem weiträumigen Bereich um Pusan im Südosten des Landes.
| 4. | Währung und Außenhandel |
Die Währung Südkoreas heißt Won; die Bank of Korea ist die Notenbank.
Wichtige Einfuhrgüter sind Rohstoffe, wie z. B. Erdöl, dann Maschinenteile und Transportausrüstungen, elektronische Bauteile und Konsumgüter. Südkorea exportiert vor allem elektronische Produkte (Computer etc.), Textilien und Kleidung, Transportausrüstungen, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Bedeutende Handelspartner Südkoreas sind u. a. die Vereinigten Staaten, Japan, Hongkong, die Volksrepublik China, Taiwan, Deutschland und andere Staaten der EU.
| 5. | Verkehrswesen |
Ein gut ausgebautes Straßennetz mit einem Umfang von etwa 100 300 Kilometern verbindet die wichtigsten Zentren. Die staatliche Eisenbahngesellschaft hat ein Streckennetz von 3 392 Kilometern (2005). Die bedeutendsten Häfen des Landes sind Pusan, Mokpo und Kunsan. Im März 2001 wurde rund 50 Kilometer außerhalb von Seoul der neue internationale Flughafen Incheon Airport eröffnet. Kimpo Airport wird seither nur noch für Inlandsflüge genutzt. In- und Auslandsflüge werden von Korean Air Lines und der Asiana Airlines angeboten.
| 6. | Energie |
37,8 Prozent der in Südkorea benötigten Energie stammt aus Kernkraftwerken; im Jahr 2000 waren insgesamt 16 Kernkraftwerke in Betrieb. Den verbleibenden Energiebedarf deckt das Land durch Steinkohle, Erdöl und Erdgas sowie zu einem geringen Teil durch Wasserkraft. Jährlich werden rund 326,2 Milliarden Kilowattstunden erzeugt.