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| 1. | Einleitung |
Puerto Rico, mit den Vereinigten Staaten von Amerika assoziiertes Gebiet im Bereich der Westindischen Inseln. Puerto Rico besteht aus einer Hauptinsel, der mehrere kleinere Inseln vorgelagert sind.
Puerto Rico ist seit dem 25. Juli 1952 mit den Vereinigten Staaten assoziiert. Christoph Kolumbus erhob 1493 Anspruch auf die Insel. In der Folgezeit war sie spanische Besitzung, bis sie 1898 an die Vereinigten Staaten abgetreten wurde. Der Name, der im Spanischen so viel wie „reicher Hafen” bedeutet, stammt aus dem 16. Jahrhundert und bezog sich zunächst auf die Hauptstadt San Juan Bautista de Puerto Rico. Mit der Zeit nannte man die Stadt nur mehr San Juan und die Insel Puerto Rico. Zu den wichtigsten Städten gehören die Hauptstadt und größte Stadt San Juan sowie Bayamon, Carolina, Ponce, Arecibo und Mayaguez.
| 2. | Land |
Puerto Rico umfasst eine Fläche von 8 959 Quadratkilometern. Die größte Ausdehnung der Hauptinsel beträgt in Ost-West-Richtung etwa 180 Kilometer, in Nord-Süd-Richtung rund 65 Kilometer. Die höchste Erhebung ist der Cerro de Punta mit einer Höhe von 1 338 Metern.
| 1. | Physische Geographie |
Puerto Rico ist überaus gebirgig. Eine zentrale Bergkette durchzieht nahezu die gesamte Insel in Ost-West-Richtung. Die durchschnittliche Höhe dieses Gebirges, zu dem auch die Cordillera Central und die Sierra de Luquillo gehören, beträgt etwa 915 Meter. Im Norden und Süden sind ausgedehnte Küstenebenen entwickelt. Einige der kurzen Flüsse werden zur Energieerzeugung aufgestaut.
| 2. | Klima |
Puerto Rico liegt im Einflussbereich der Passatwinde. Die Lage in den Randtropen bewirkt einen ausgeprägten Wechsel von Regen- und Trockenzeit. Während die Sommer eher feucht sind, werden die Winter überwiegend durch Trockenheit geprägt. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt in der im Norden liegenden Stadt San Juan etwa 26° C. Die tiefste jemals gemessene Temperatur lag bei 4,4° C, ermittelt 1911 auf der Insel Aibonito. Die höchste Temperatur betrug 39,4° C, im Jahr 1906 bei San Lorenzo gemessen. Puerto Rico wird insbesondere zwischen August und Oktober mitunter von aus dem Osten kommenden verheerenden Wirbelstürmen heimgesucht.
| 3. | Flora und Fauna |
Auf Puerto Rico wachsen mehrere tausend verschiedene tropische Pflanzenarten. Dazu gehören der Kapokbaum mit seinem dicken Stamm, die Poinciana (ein stacheliger tropischer Busch mit rot glänzenden Blüten), der Brotfruchtbaum und die Kokospalme. Im tropischen Regenwald im Nordosten der Insel wachsen Baumfarne, Orchideen und Mahagonibäume. Ein Teil dieses Gebiets gehört zum Caribbean National Forest. Im trockenen Südwestteil der Insel finden Kakteen einen geeigneten Lebensraum.
Auf Puerto Rico gibt es keine großen Raubtiere. Zur Eindämmung der Rattenplage auf den Zuckerrohrplantagen wurde der Mungo auf die Insel gebracht. Neben zahlreichen Leguanen, kleinen Eidechsen und Fledermäusen ist auf der Insel auch ein Tier beheimatet, das sich sonst fast nirgends auf der Welt findet: das Coquí, ein kleiner Frosch, der in der Nacht laut und gut vernehmlich von den Ästen der Bäume herunter „singt”. In den Küstengewässern leben Barrakuda, Königsdorsch, Meeräsche, Makrele, Thunfisch, Hummer und Austern.
| 3. | Bevölkerung |
Die Einwohnerzahl beträgt etwa 3,8 Millionen. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte liegt bei 424 Einwohnern pro Quadratkilometer. Das mittlere Bevölkerungswachstum liegt bei etwa 1 Prozent im Jahr. Die überwiegende Zahl der Einwohner Puerto Ricos sind hispanischer Abstammung. Amtssprachen sind Spanisch und Englisch. Spanisch ist die Unterrichtssprache an den Schulen sowie die Alltagssprache. Englisch wird als zweite Sprache vom ersten Schuljahr an gelehrt und ist mittlerweile auch im Geschäftsleben weit verbreitet. Circa 80 Prozent der Einwohner sind Katholiken. 73 Prozent der Bevölkerung leben in Städten.
Die Puerto Ricaner haben viele der US-amerikanischen gesetzlichen Feiertage übernommen. Daneben gibt es aber auch zahlreiche einheimische und christliche Feiertage, wie Neujahr (1. Januar) und die Heiligen Drei Könige (6. Januar). An diesem Tag endet die Weihnachtszeit, und jedes Kind erhält ein Geschenk. Weitere Feiertage sind: die Geburtstage von Eugenio María de Hostos (11. Januar), die Gedenktage an Martin Luther King (dritter Montag im Januar) und an George Washington (dritter Montag im Februar), der Tag der Befreiung (22. März), Ostern (einschließlich Karfreitag), der Gedenktag José de Diegos (dritter Montag im April), der Gedenktag für die Gefallenen (im Mai), der Amerikanische Unabhängigkeitstag (4. Juli), der Ehrentag von Luis Muñoz Rivera (17. Juli), der Tag der Verfassung (25. Juli), der Geburtstag von José Celso Barbosa (28. Juli), der Tag der Arbeit (erster Montag im September), Allerseelen (2. November), der Tag der Kriegsveteranen (11. November), der Tag der Entdeckung von Puerto Rico (19. November), Erntedankfest (vierter Donnerstag im November) und Weihnachten (25. Dezember). Die Festivitäten zum Carnaval werden vor der Fastenzeit veranstaltet. Außerdem hat jede Stadt einen Schutzheiligen, der jährlich mit einem mehrere Tage andauernden Fest geehrt wird.
| 4. | Bildung und Kultur |
Die erste Schule in Puerto Rico wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts in San Juan gegründet. Älteste Universität von Puerto Rico ist die 1903 gegründete University of Puerto Rico. Daneben gibt es noch vier weitere Hochschulen.
Eine ganze Reihe der wichtigsten Kultureinrichtungen Puerto Ricos befinden sich in San Juan. Dazu gehören das Museum of Puerto Rican Art mit Kunstwerken aus präkolumbischer Zeit bis zur Gegenwart, das Museum of Military and Naval History sowie das Museum of Natural History.
| 1. | Sehenswürdigkeiten |
Der spanische Einfluss in Puerto Rico wird an zahlreichen Teilen San Juans sichtbar, insbesondere im so genannten Old San Juan, einer der Stadt vorgelagerten Insel. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die Festungen El Morro und San Cristóbal, die beide zum San Juan National Historic Site gehören, sowie La Fortaleza, eine frühere Festung, und der heutige Gouverneurspalast im ältesten Teil der Stadt, der aus dem Jahr 1540 stammt.
| 2. | Sport und Erholung |
Aufgrund des milden Klimas und der Sandstrände ist Puerto Rico ein beliebtes Urlaubsziel. Zu den Sportarten, die man u. a. ausüben kann, gehören Schwimmen, Angeln, Tennis, Golf und der Bootssport. Pferderennen und Hahnenkämpfe locken ebenfalls zahlreiche Zuschauer an.
| 5. | Verwaltung und Politik |
Die Verfassung Puerto Ricos, die aus dem Jahre 1952 stammt, wurde im Lauf der Zeit mehrmals revidiert. Die Puerto Ricaner haben fast dieselben Rechte und Pflichten wie die übrigen Bürger der Vereinigten Staaten, sie dürfen jedoch nicht an den US-Präsidentschaftswahlen teilnehmen und sind mit Ausnahme von Angestellten der Bundesregierung und Mitgliedern der Streitkräfte von der vom Bund erhobenen Einkommensteuer befreit.
Träger der Exekutive in Puerto Rico ist der vom Volk gewählte Gouverneur. Seine Amtszeit beträgt vier Jahre, wobei er beliebig oft wiedergewählt werden kann.
Das Parlament besteht aus zwei Kammern: dem Senat und dem Repräsentantenhaus. Der Senat umfasst 27 Sitze, das Abgeordnetenhaus hat 53 Mitglieder. Die Parlamentarier werden auf vier Jahre gewählt. Die bedeutendsten Parteien sind der Partido Nuevo Progresista (PNP) und der Partido Popular Democrático (PPD).
Auf Bundesebene ist Puerto Rico mit einem nicht stimmberechtigten Delegierten im US-Kongress vertreten. Der Delegierte wird vom puerto-ricanischen Volk auf vier Jahre gewählt.
| 6. | Wirtschaft |
Der Abbau von Bodenschätzen wie Kupfer und Cobalt hat in Puerto Rico nur untergeordnete wirtschaftliche Bedeutung.
Obwohl Kaffee, Zuckerrohr, Bananen, Ananas, Tabak und Reis angebaut werden, muss ein großer Teil der Grundnahrungsmittel importiert werden. Dagegen spielt die Geflügel- und Rindermast eine wesentlich größere Rolle.
Der dichte Regenwald, der den größten Teil Puerto Ricos bedeckt hatte, wurde bis 1900 weitgehend abgeholzt. Trotz intensiver Wiederaufforstungsprogramme nach 1935 ist die Forstwirtschaft unbedeutend geblieben. Auch der Fischfang spielt wirtschaftlich nur eine untergeordnete Rolle.
Die Regierung hat durch Steuerbefreiungen, die Vergabe von Krediten und die Unterstützung von Forschungsprogrammen versucht, die Ansiedlung von Industrie zu fördern. Dabei ist die Wirtschaft einseitig auf den US-amerikanischen Markt ausgerichtet. Die wichtigste Branche ist die Textilindustrie, gefolgt von Elektronik-, Lebensmittel- und chemischer Industrie. Zu den industriell gefertigten Waren gehören Pharmazeutika, Industriemaschinen, Druckereierzeugnisse, Gummi- und Kunststoffwaren sowie Präzisionsinstrumente. Von zunehmender Bedeutung wurde in jüngerer Zeit auch der Fremdenverkehr.
| 7. | Geschichte |
Christoph Kolumbus erreichte die Insel am 9. November 1493. Er nannte sie San Juan Bautista und nahm sie für Spanien in Besitz. Nach Gründung der Stadt San Juan im Jahr 1521 erhielt die Insel ihren jetzigen Namen Puerto Rico.
| 1. | Spanische Eroberung und Besiedelung |
1508 begannen die Spanier unter Juan Ponce de León, dem ersten Gouverneur der Insel, Puerto Rico zu kolonisieren. Ursprünglich war die Insel von den Borinquenos besiedelt. Diese Indianer betrieben Ackerbau, wurden aber von den Spaniern versklavt und später ausgerottet. Die fehlenden indianischen Arbeitskräfte wurden daraufhin durch Sklaven aus Afrika ersetzt, die in Bergwerken und auf den Plantagen arbeiten mussten.
Schon in der frühen Kolonialzeit wurden von den Spaniern starke Befestigungsanlagen angelegt, mit denen 1595 Angriffe der englischen Seefahrer Francis Drake und John Hawkins abgewehrt werden konnten, die versuchten, Puerto Rico einzunehmen. Hawkins wurde dabei tödlich verwundet. Während eines Angriffs der Holländer 1625 wurde San Juan niedergebrannt, 1702 Arecibo von den Engländern geplündert.
Seit 1808 war die Insel im spanischen Parlament vertreten. 1815 erhielt Puerto Rico weit gehende Handelsfreiheit. Während des 19. Jahrhunderts flackerten immer wieder Aufstände gegen die spanische Herrschaft auf, die aber rasch unterdrückt werden konnten. 1873 wurde die Sklaverei abgeschafft, 1897 wurde der Insel Autonomie gewährt.
| 2. | Spanisch-Amerikanischer Krieg und US-amerikanische Herrschaft |
Als Ergebnis des Spanisch-Amerikanischen Krieges (1898) trat Spanien im Vertrag von Paris (10. Dezember 1898) Puerto Rico an die Vereinigten Staaten ab. 1900 richtete der US-Kongress eine Regierung auf der Insel ein. Die Bewohner Puerto Ricos erhielten 1917 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Die Vereinigten Staaten ergriffen auch Maßnahmen, um die wirtschaftlichen und sozialen Probleme der überbevölkerten Insel zu lösen. Zwischen 1940 und 1948 wurde ein Programm zum Ausbau der Wasserkraftwerke durchgesetzt, um die Ansiedlung von US-amerikanischen Industriebetrieben zu fördern und Arbeitsplätze zu schaffen. Während des 2. Weltkrieges wurde Puerto Rico eine wichtige Militärbasis der USA. Im Hafen von San Juan und auf Culebra wurden Flottenstützpunkte errichtet.
Unter der Leitung von Luis Muñoz Marín wurde 1942 die so genannte „Operation Bootstrap” durchgeführt. Dabei handelte es sich um ein Entwicklungsprogramm, das zur Erhöhung der Industrieproduktion und einer deutlichen Steigerung des allgemeinen Lebensstandards führte.
| 3. | Commonwealth |
Am 4. Juni 1951 stimmten die puerto-ricanischen Wähler im Rahmen eines Volksentscheids für ein US-Gesetz, das ihnen das Recht zugestand, eine eigene Verfassung auszuarbeiten. Die konstituierende Versammlung trat im folgenden September zu Beratungen zusammen. Im März 1952 wurde die neue Verfassung von den Wählern angenommen, am 25. Juli rief Gouverneur Muñoz den Commonwealth of Puerto Rico aus. Der Status eines Commonwealth sicherte Puerto Rico weit gehende innere Autonomie und das Recht zu, frei über seine Zukunft entscheiden zu können. Die ersten allgemeinen Wahlen unter der neuen Verfassung wurden am 4. November 1952 abgehalten.
| 4. | Bundesstaat oder Commonwealth |
In der Wahl von 1968 wurde der Kandidat des Partido Nuevo Progresista, Luis Alberto Ferré, zum Gouverneur gewählt. 1972 kam der Partido Popular Democrático wieder an die Macht. Gouverneur wurde Rafael Hernández Colón, der die Ansicht vertrat, Puerto Rico sollte den Status eines Commonwealth beibehalten.
Während der ganzen siebziger und achtziger Jahre stand die Frage im Mittelpunkt, ob der Status eines Commonwealth beibehalten werden sollte oder ob man als Bundesstaat in die Vereinigten Staaten von Amerika eingegliedert werden sollte. 1993 entschieden sich im Rahmen einer Volksabstimmung 48 Prozent der Stimmberechtigten dafür, den Status eines Mitglieds im Commonwealth of Nations beizubehalten, 46 Prozent für die Eingliederung in die USA und 4 Prozent für die völlige Unabhängigkeit.
Auch bei der Volksabstimmung vom Dezember 1998 entschieden sich die Puerto Ricaner mehrheitlich (50,6 Prozent) für eine Beibehaltung des gegenwärtigen Status. 46,5 Prozent der Wähler votierten für einen Beitritt zu den Vereinigten Staaten, 2,5 Prozent sprachen sich für die Unabhängigkeit Puerto Ricos aus.