Wladimir Iljitsch Lenin
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Wladimir Iljitsch Lenin
2. Lenin als Organisator

1895 reiste Lenin in die Schweiz, wo er die russischen Sozialrevolutionäre Georgij Plechanow und Pawel B. Akselrod traf. Unter deren Einfluss wandte er sich mehr und mehr dem Marxismus zu. Nach seiner Rückkehr nach Russland gründete Lenin den „Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse”; wenig später wurde er wegen politischer Agitation verhaftet und 1897 für drei Jahre nach Sibirien verbannt. In der Verbannung lernte er seine spätere Frau und politische Weggefährtin Nadeshda Krupskaja kennen. In seiner Schrift Die Entwicklung des Kapitalismus in Russland stellte er 1899 die These auf, dass der Kapitalismus in Russland voll entwickelt sei und dass deshalb in Russland unter Umgehung der bürgerlichen Etappe unmittelbar die proletarische Revolution angestrebt werden müsse.

Nach dem Ende seiner Verbannungszeit emigrierte Lenin nach Westeuropa und gründete 1900 zusammen mit Plechanow und Julius Martow die in München herausgegebene und in Leipzig gedruckte sozialdemokratische russische Zeitung Iskra („Der Funke”). In seiner 1902 erschienenen Schrift Was tun? Brennende Fragen unserer Bewegung propagierte er seine bereits vorher entwickelten Vorstellungen einer klaren Trennung zwischen Partei und Arbeiterklasse: Einer disziplinierten und straff organisierten Kaderpartei komme als Avantgarde der Arbeiterklasse die Aufgabe zu, die sozialistische Gesellschaft, die Diktatur des Proletariats zu errichten. Über dieses Konzept kam es 1903 in London auf dem zweiten Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) zur Spaltung in die Menschewiki um Martow, die eine revolutionäre Massenpartei befürworteten, und die Bolschewiki, die Lenins Konzept der revolutionären Avantgarde folgten.

Nach Ausbruch der Russischen Revolution 1905 kehrte Lenin nach Russland zurück; aber in der Revolution spielten weder die Bolschewiki um Lenin noch die Menschewiki eine entscheidende Rolle; Lenin ging nach einem missglückten Umsturzversuch im Dezember 1905 in Moskau erneut nach Westeuropa in die Emigration. In der Folge widmete er sich wissenschaftlichen und politischen Studien und veröffentlichte u. a. Materialismus und Empiriokritizismus (1909) und Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (1916), sein bekanntestes Werk. Daneben setzte er sein Konzept der revolutionären Kaderpartei in die Praxis um; Höhepunkt dieser Entwicklung war im Januar 1912 die organisatorische Trennung von den Menschewiki und die Konstituierung der Bolschewiki als eigenständiger Partei unter der Führung Lenins. Ab Mai 1912 gab er von Krakau aus die Prawda („Wahrheit”), das Organ der Bolschewiki, heraus.

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges ging Lenin in die Schweiz. Lenin war der Auffassung, dass in diesem Krieg Imperialismus und Kapitalismus ihren Höhepunkt erreicht hätten und dass der Krieg zugleich der Ausgangspunkt für die proletarische Revolution sein müsse. Mit seiner Forderung, den imperialistischen Krieg in einen „Bürgerkrieg gegen die Ausbeuter im eigenen Lande” zu verwandeln, konnte er sich auf den internationalen sozialistischen Kriegskonferenzen in Zimmerwald (1915) und Kiental (1916) jedoch nicht gegen die pazifistische Mehrheit durchsetzen.