Wladimir Iljitsch Lenin
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Wladimir Iljitsch Lenin
3. Lenin als Revolutionsführer

Nach der Februarrevolution in Russland 1917 konnte Lenin zusammen mit anderen russischen Sozialisten verschiedenster Richtungen mit offizieller deutscher Hilfe in einem plombierten Eisenbahnwaggon über Deutschland und Schweden nach Russland reisen. Die deutsche Seite versprach sich vom Eintreffen der Sozialistenführer in Russland einen politischen Umsturz, der die russische Ostfront schwächen sollte. Im April 1917 erreichte Lenin Petrograd (Sankt Petersburg). Das von ihm entworfene revolutionäre Aktionsprogramm, seine massenwirksamen Aprilthesen, wie „Frieden um jeden Preis!”, „Alle Macht den Sowjets!” und „Alles Land den Bauern!”, stießen in der russischen Bevölkerung auf große Resonanz, da die provisorische Regierung unter Gergij J. Lwow bzw. Aleksandr F. Kerenskij es versäumt hatte, durch Landreformen die soziale Lage der russischen Bauern zu verbessern und auf eine rasche Beendigung des Krieges hinzuwirken. Nach dem Scheitern eines von den Bolschewiki mitgetragenen Arbeiter- und Soldatenaufstandes im Juli 1917 tauchte Lenin erneut in Finnland unter. Von hier aus propagierte er weiterhin den bewaffneten Aufstand, und hier legte er in Staat und Revolution (1917) die Grundsätze der bolschewistischen Herrschaftsausübung nieder.

Am 25. Oktober 1917 (dem 7. November nach dem gregorianischen Kalender) übernahmen die Bolschewiki in einem von Lew D. Trotzkij organisierten Aufstand, dem Beginn der Oktoberrevolution, die Macht. Lenin wurde vom Allrussischen Sowjetkongress zum Vorsitzenden im Rat der Volkskommissare und damit de facto zum Regierungschef gewählt. Die Bolschewiki arbeiteten zunächst noch mit den Menschewiki und anderen Sozialrevolutionären zusammen, schalteten sie jedoch im Lauf des Jahres 1918 völlig aus. Mit teilweise gewaltsamen Mitteln und „revolutionärer Härte” schuf Lenin, gestützt vor allem auf Trotzkij und Jossif W. Stalin, ein diktatorisches Regime; Leitbegriff war dabei „Diktatur des Proletariats”.

Sowohl um sein eigenes Versprechen eines „Friedens um jeden Preis” wahr zu machen, als auch, um sich Bewegungsfreiheit für den Aufbau des sozialistischen Staates zu verschaffen, schloss er im März 1918 gegen erheblichen innerparteilichen Widerstand (u. a. Trotzkij) mit den Mittelmächten den Frieden von Brest-Litowsk, der Russland beträchtliche Zugeständnisse abverlangte. Der Friedensvertrag, die Ausschaltung der Sozialrevolutionäre und anderer linker Parteien sowie die immensen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Umwälzungen führten Mitte 1918 zum Ausbruch des Russischen Bürgerkrieges, der durch die Intervention der Entente-Mächte noch verschärft wurde und der 1922 mit dem Sieg der von Trotzkij aufgebauten Roten Armee gegen die antibolschewistischen Weißen endete.

Auf Lenins Initiative wurde im März 1919 die Dritte, die Kommunistische Internationale (Komintern) gegründet. Ziel war, mittelfristig im internationalen Rahmen die Vormachtstellung der Bolschewiki bzw. der Kommunistischen Partei der Sowjetunion unter den Kommunistischen Parteien und revolutionären Bewegungen auszubauen und langfristig die Epoche der proletarischen Weltrevolution einzuleiten. Im eigenen Land baute Lenin einen straff zentralisierten Partei- und Verwaltungsapparat auf; Ziel war die Zentralisierung und die Konzentration der Macht in fast allen Bereichen des wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Lebens in den Händen einer überschaubaren Führungsriege. 1919 wurde zu diesem Zweck das Politbüro und das Sekretariat des Zentralkomitees der Partei geschaffen; mit der Straffung der Partei ging allerdings auch ihre Bürokratisierung und Oligarchisierung einher.

Auf dem X. Parteikongress 1921 verfügte Lenin die Ablösung des Kriegskommunismus durch die Neue Ökonomische Politik, die vorübergehende Liberalisierung der Wirtschaft, um dem wirtschaftlichen Zusammenbruch und vor allem auch der katastrophalen Hungersnot, die Millionen Todesopfer gefordert hatte, entgegenzuwirken. Ebenfalls 1921 unterdrückte er mit dem Verbot der Fraktionsbildung jede offene Diskussion inner- und außerhalb der Partei. Am 30. Dezember 1922 wurde auf Lenins Initiative die UdSSR als föderatives Staatswesen gegründet.

1922 hatte Stalin das neu geschaffene Amt des Generalsekretärs der Partei übernommen. Lenin riet der Partei in seinem politischen „Testament” nachdrücklich, Stalin wieder abzusetzen. Nach seinem ersten Schlaganfall im Mai 1922 war Lenin teilweise arbeitsunfähig und nicht mehr in der Lage, Stalin zu entmachten. Im Dezember 1922 erlitt Lenin einen zweiten Schlaganfall; er starb am 21. Januar 1924 in Gorki bei Moskau. Bei der Trauerfeier für Lenin präsentierte sich Stalin erstmals öffentlich als Führer der Partei. (siehe Leninismus).