Anorganische Chemie
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Anorganische Chemie
4. Nomenklatur

Verbindungen aus nur zwei Elementen nennt man auch binäre Verbindungen. Bei den Formeln der anorganischen Binärverbindungen schreibt man das Element mit dem stärker metallischen Charakter, also das elektropositivere Element, zuerst. An dessen Namen wird der Name bzw. der Wortstamm des anderen, elektronegativeren Elements angehängt. Abschließend folgt die Endung -id. Demnach steht die Formel NaCl für Natriumchlorid (auch Kochsalz) und CaS für Calciumsulfid. Bei den meisten Sauerstoffverbindungen handelt es sich um Oxide, einige Wasserstoffverbindungen heißen Hydride. Weicht das Anzahlverhältnis der beiden Atomsorten von 1 : 1 ab, so wird das meist durch griechische Vorsilben ausgedrückt. So steht beispielsweise die Formel CS2 für Kohlenstoffdisulfid, und GeCl4 für Germaniumtetrachlorid. SF6 ist Schwefelhexafluorid, und NO2 steht für Stickstoffdioxid. Schließlich ist Distickstofftetroxid der Name für die Verbindung mit der Formel N2O4.

Viele Atomgruppen treten oft gemeinsam als ein Ion auf. Verbindungen mit dem Ion NO3- nennt man Nitrate, während Sulfate das Ion SO42- und Phosphate das Ion PO43- enthalten. Die Nachsilbe (das Suffix) -at bezeichnet hierbei in der Regel, dass im betreffenden Ion Sauerstoff vorhanden ist. Das Ion NH4+ heißt Ammonium. Demnach lautet der Name der Verbindung NH4Cl Ammoniumchlorid, und (NH4)3PO4 heißt Ammoniumphosphat.

Es gibt eindeutige Regeln, nach denen sich auch komplizierteste Verbindungen bezeichnen lassen. Viele häufig verwendete Verbindungen haben zusätzlich einen so genannten Trivialnamen. Dieser hat meist einen historischen Ursprung. Aus dem Trivialnamen geht nicht immer der Aufbau der Verbindung hervor. So wird beispielsweise die Verbindung Na2B4O7 · 10H2O als Borax bezeichnet. Auch Handelsnamen bzw. Markenbezeichnungen sind häufig, z. B. Teflon für F(CF2)nF. Diese nicht systematischen Namen sind im täglichen Gebrauch bequemer als die chemisch korrekten Namen.

Wenn Ionen Verbindungen mit anderen Ionen eingehen, so muss das Molekül oder die so genannte Formeleinheit (beispielsweise NaCl) stets elektrisch neutral sein, d. h., die Summe der Ionenladungen muss insgesamt Null ergeben. Mit anderen Worten: Die Summe der Ladungen aller positiven Ionen muss ebenso groß sein wie die Summe aller Ladungen der negativen Ionen. Werden ionische Verbindungen aus wässriger Lösung hergestellt, so enthalten sie oft Wassermoleküle und heißen dann Hydrate. So trägt das oben erwähnte Borax die systematische Bezeichnung Dinatriumtetraborat-Decahydrat (deca = zehn). An diesem Beispiel ist der Vorteil der meist wesentlich kürzeren Trivialnamen gut einzusehen

Wie aus der Tabelle „Mehratomige anorganische Ionen” hervorgeht, gibt die Nachsilbe (das Suffix) -it an, dass das betreffende Ion weniger Sauerstoff als das der -at-Form enthält. In diesem Fall steht die Vorsilbe (das Präfix) hypo- für einen geringeren Sauerstoffgehalt. Die Vorsilbe per- zeigt einen höheren Sauerstoffgehalt als bei der -at-Form an. Diese Bezeichnungen beschränken sich nicht nur auf den Sauerstoffgehalt, sondern können sich auch auf Gehalte von anderen Elementen beziehen. Als Beispiel seien Natriumchlorat (NaClO3), Natriumhypochlorit (NaClO; eigentlich NaClO · 5H2O) und Natriumperchlorat (NaClO4) genannt.