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| 4. | Heutiges Wissen über die Keilschrift |
Letzte Beweise, dass die Zeichen der Keilschrift ursprünglich Piktogramme waren, fehlten, bis alte piktographische Inschriften gefunden wurden. Der deutsche Wissenschaftler Friedrich Delitzsch widersprach 1897 der Ansicht, dass die Keilschrift ursprünglich aus Piktogrammen bestand. Stattdessen nahm er an, dass sie sich aus einer verhältnismäßig kleinen Menge von Grundzeichen entwickelte. Er ging weiter davon aus, dass sich durch die Kombination solcher Grundzeichen mit der Zeit Hunderte von Zeichen entwickelten. Doch die meisten Wissenschaftler tendierten weiter zur Theorie der Piktogramme. Der piktographische Ursprung der Keilschrift wurde 1913 von dem amerikanischen Orientalisten George Aaron Bartonin in The Origin and Development of Babylonian Writing endgültig nachgewiesen. Er zeigte eine Sammlung von 288 Piktogrammen aus alten Inschriften und verfolgte ihre Entwicklung. Seiner Theorie nach wurden die ursprünglichen Zeichen nach dem Abbild des menschlichen Körpers geformt oder nach Säugetieren, Vögeln, Insekten, Fischen, Bäumen, Sternen und Wolken, Erde und Wasser, Gebäuden, Booten, Haushaltsgegenständen, Feuer, Waffen, Kleidungsstücken, Kultgegenständen, Netzen, Fallen, Tonwaren und Musikinstrumenten. Ausgrabungen deutscher Archäologen von 1928 bis 1931 in Uruk, dem heutigen Warka (Irak), brachten die ältesten bekannten Beispiele piktographischer Schriften auf Tontafeln ans Tageslicht.
Die Übersetzung von Texten in Keilschrift trug viel zur heutigen Kenntnis des alten Assyrien, Babyloniens und des gesamten Orients bei. Die Keilschrift „Kodex Hammurapi” zählt zu den wichtigsten Dokumenten des vorchristlichen Altertums. Andere Tafeln halfen die Geschichte des alten Ägypten zu entschlüsseln. Eine Keilschrift, die 1929 bei französischen Ausgrabungen in Ras Schamra in Nordsyrien gefunden wurde, erwies sich als Alphabet aus Konsonanten. Man schätzt, dass es von 1400 bis 1200 v. Chr. verwendet wurde. Die mythologischen Texte, die in diesem Keilschriftalphabet geschrieben wurden, werfen ein Licht auf das religiöse Leben des alten Syrien und haben auch Einfluss auf die Neuinterpretation einiger Bibelstellen.