| Suchansicht | Palmen | Artikelansicht |
Palmen, große, überwiegend in den Tropen weltweit verbreitete Familie holziger Samenpflanzen mit etwa 2 600 Arten, die knapp 200 Gattungen zugerechnet werden.
Palmen sind wichtige Nutzpflanzen und liefern Nahrung, Fasern und Öl; außerdem dienen sie in allen tropischen und subtropischen Regionen als Zierpflanzen und in den gemäßigten Breiten sind sie beliebte Zimmer- und Kübelpflanzen. Aufgrund des spezifischen und von allen näher stehenden Familien abweichenden Baues werden die Palmengewächse als einzige Familie einer eigenen Ordnung zugerechnet, den Palmenartigen. Sie gehören zu den Einkeimblättrigen Pflanzen und stellen nach den Süßgräsern, den Liliengewächsen und den Orchideen die viertgrößte Familie dieser Großgruppe dar.
Die Wuchsform der Palmen ist sehr charakteristisch: Auf einem einzelnen, gewöhnlich unverzweigten Stamm – nur wenige Gattungen haben einen verzweigten Stamm – sitzt ein Schopf großer Blätter, die entweder fächer- oder fiederförmig sein können; dementsprechend unterscheidet man die Fächer- und die Fiederpalmen. Zur ersteren gehört etwa die Zwergpalme – neben einer nur lokal in Kreta und der Türkei sehr selten vorkommenden Art die einzige in Europa heimische Palme –, zur zweiten Gruppe zählt die weit verbreitete Kokospalme. Die Blüten der Palmen stehen in dichten Blütenständen und erscheinen zwischen den Blättern. Die Wurzeln bilden eine umfangreiche, dichte und miteinander verwobene Masse.
Bei den Stämmen der Palmen findet – wie bei den anderen Einkeimblättrigen Pflanzen – das sekundäre Dickenwachstum in anderer Form als bei den Zweikeimblättrigen Pflanzen statt. Hier wird der Stamm mit zunehmendem Alter der Pflanze nicht immer dicker. Vielmehr entwickelt sich bereits im Keimpflanzen-Stadium ein sehr breiter Stammansatz; danach wächst die Palme nur noch stärker in die Höhe, so dass sehr hohe Palmen – und nicht besonders dicke – die ältesten Exemplare darstellen.
Die Leitbündel (Gruppen von Leitungsgewebe) finden sich über den ganzen Stamm verteilt und beschränken sich nicht auf einen einzigen Ring wie typischerweise bei den Zweikeimblättrigen Pflanzen. Die Palmblätter sind häufig sehr groß und können bis zu mehrere Meter Länge erreichen. Es werden immer mehrere gleichzeitig an der Spitze des Stammes gebildet. Ihre breiten Blattscheiden hinterlassen beim Abfallen halbkreisförmige Narben am Stamm. Die Blattspreiten entwickeln sich zunächst als ungeteilte, aber bereits in sich ziehharmonikaartig gefaltete Blätter, die jedoch schon früh während der Reife an vorgegebenen Stellen aufspalten und dadurch ihre fächer- oder fiederartige Struktur herausbilden.
Die Einzelblüten der Palmen sind in der Regel unauffällig, stehen aber häufig in großer Anzahl zusammen; manchmal umfasst ein einziger Blütenstand bis zu 250 000 Blüten. Bei den Blütenständen handelt es sich meist um kompliziert gebaute Rispen, manchmal aber auch um Ähren; zusätzlich ist der Blütenstand von großen und auffälligen Hüllblättern umgeben. Die Blütenteile sind dreizählig und weisen drei Kelchblätter, drei Kronblätter und sechs Staubblätter auf. Aus dem Stempel, der in der Regel drei einzeln stehende oder miteinander verwachsene Fruchtblätter umfasst, entwickelt sich eine einsamige Frucht, und zwar entweder eine Beere (ein von Fruchtfleisch umgebener Samen, etwa bei der Dattelpalme) oder eine Steinfrucht (ein Samen unter einer steinharten Schicht, umgeben von Fruchtfleisch, wie bei der Kokosnuss).
Palmen sind fast ausschließlich in den Tropen verbreitet. Sie kommen dort in den verschiedensten Lebensräumen vor: von den Regenwäldern der Tiefebenen bis in die Gebirgsregionen, von den Wüsten bis zu Mangrovensümpfen. Geographisch ist die Familie jedoch ungleich über die verschiedenen tropischen Gebiete verteilt; rund 1 400 Arten finden sich in den asiatischen Tropen, in den afrikanischen dagegen nur 120. Weitere 130 Arten kommen auf Madagaskar und nahe gelegenen Inseln im westlichen Indischen Ozean vor; rund 950 Arten sind in den amerikanischen Tropen verbreitet.
Palmen liefern wichtige Nahrungsmittel, beispielsweise Datteln, Kokosnüsse und Sago. An nützlichen Fasern stammen von Palmen u. a. Raffia, das von der Raffiapalme (auch Bastpalme genannt) stammt, und Rattan, das aus den langen, kletternden Trieben der asiatischen Rotangpalmen gewonnen wird. Die Ölpalme, die in Westafrika heimisch ist, aber auch andernorts weithin kultiviert wird, liefert ein Pflanzenöl, aus dem Margarine und Seife gewonnen werden und das man zum Kochen nutzt.
Systematische Einordnung: Palmen bilden die Familie Palmae (auch Arecaceae) der Ordnung Palmales. Der systematische Name der Zwergpalme lautet Chamaerops humilis, die zweite europäische Palmenart trägt den Namen Phoenix theophrasti. Die Bast- oder Raffiapalme heißt botanisch Raphia farinifera, Rotangpalmen bilden die Gattung Calamus (die wichtigste Art heißt Calamus rotang). Die Kokospalme wird Cocos nucifera genannt, die Ölpalme heißt Elaeis guineensis.