Sciencefiction
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Sciencefiction
4. Amerikanische Sciencefictionliteratur

In den USA wurde Sciencefictionliteratur seit den zwanziger Jahren besonders in serieller Form durch spezielle Magazine verbreitet, in denen sie in Fortsetzungsromanen erschien. Als Beispiele einer affirmativen Trivialliteratur waren sie geprägt vom unbedingten Glauben an den technischen Fortschritt und hatten meist eine feste Leserschaft, die sich häufig in Clubs organisierte. Durch die neue Art der Publikation fanden zahlreiche Motive (Zeitreisen, Begegnungen mit Außerirdischen und anderen, zumeist feindlichen Lebensformen, Roboterphantasien etc.) weite Verbreitung, wobei sich die Autoren zumeist der strukturellen Muster der Kriminal- und Reiseliteratur bedienten. Eine der ersten Zeitschriften dieser Art war die 1926 begründete, ungemein populäre Amazing Stories von Hugo Gernsback (1884-1967). Mit dem stärker literarisch ambitionierten Magazin Astounding Stories erreichte der serielle Sciencefictionroman unter dem Herausgeber John Wood Campbell Jr. (1910-1971) in den vierziger Jahren seine Blütezeit; hier publizierten Autoren wie Isaac Asimov, Arthur C. Clarke, Ray Bradbury, Robert A. Heinlein und Edward E. Smith (1890-1965) ihre ersten Geschichten. In den fünfziger Jahren begann das Taschenbuch das Sciencefictionmagazin zu ersetzen. Ein besonders produktiver Schriftsteller dieser Zeit war Arthur C. Clarke (Die letzte Generation, 1953) dessen Buch 2001: Odyssee im Weltraum (1968) Stanley Kubrick zu seinem gleichnamigen Film inspirierte. Auch der Begründer von Scientology, Lafayette Ron Hubbard (1911-1986), begann als Sciencefictionautor und veröffentlichte sein Hauptwerk Dianetics – The Modern Science of Mental Health (1950; Dianetik: Die moderne Wissenschaft von der geistigen Gesundheit) in einem Sciencefictionmagazin.

Robert A. Heinlein, dem mit Stranger in a Strange Land (1961; Ein Mann in einer fremden Welt) eine Art Kultbuch der sechziger Jahre gelang, verband in seinen Romanen Elemente des Genres häufig mit gesellschaftskritischen Aspekten. Der Biochemiker Isaac Asimov verfasste neben mehreren populärwissenschaftlichen Werken seit Ende der dreißiger Jahre auch wissenschaftlich äußerst fundierte Sciencefictionromane wie Ich, der Roboter (1950) oder die Trilogie Der Tausendjahresplan (1951). Zu den ersten Sciencefictionautoren, denen es gelang, die vorgegebenen Klischees der Gattung zu durchbrechen und besonders ihre literarischen Qualitäten weiterzuentwickeln, gehörte Ray Bradbury. Sein kulturkritischer Roman Fahrenheit 451 (1953) – die Temperatur, bei der Bücher Feuer fangen und verbrennen – entwirft das Horrorszenario einer Zukunft, in der die Freiheit des Denkens bedroht ist; er wurde 1966 von François Truffaut verfilmt. In den sechziger Jahren entwickelte sich innerhalb der amerikanischen Sciencefictionliteratur eine Bewegung mit starken zivilisations- und fortschrittskritischen Tendenzen, durch die neue Themen Eingang in das Genre fanden; dazu gehörten Fragen der Umweltzerstörung oder Wirtschaftskriminalität, aber auch sexuelle Tabuthemen oder feministische Aspekte. In einer „neuen Sciencefiction” stellten die Autoren des New Wave dem ungebremsten Fortschrittsoptimismus ihrer Vorläufer deutlich pessimistische Zukunftsvisionen entgegen und persiflierten Muster des Genres in deutlich parodistischer Absicht. Zu den bekanntesten Autoren dieser Richtung gehören J. G. Ballard (*1930), Thomas Dish (*1940), Philip K. Dick – einer der bedeutendsten amerikanischen Sciencefictionautoren überhaupt – und Ursula K. Le Guin. In Slaughterhouse-Five (1969; Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug), der seine Figuren vom Gefangenenlager auf einen fiktiven Planeten führt, vermischte Kurt Vonnegut Erfahrungen aus der Zeit des 2. Weltkrieges mit Aspekten des Genres. Auch William S. Burroughs widmete sich der Sciencefiction. Mit seinen ausgeprägten, zwischen Machbarkeit und Phantastik streng ausbalancierten Techno-Phantasien wurde Michael Crichton in den achtziger Jahren einem breiten Lesepublikum bekannt.