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Orson Welles

Orson Welles (1915-1985), amerikanischer Schauspieler, Produzent, Regisseur und Schriftsteller. Mit seinem Regieerstling Citizen Kane (1941) schuf er ein Meisterwerk der Filmgeschichte.

Welles wurde am 6. Mai 1915 in Kenosha (Wisconsin) geboren. Er begann seine Laufbahn Anfang der dreißiger Jahre als Theaterschauspieler in Dublin und New York, vorrangig als Shakespeare-Darsteller. Beim Federal Theatre Project führte er bald auch Regie und inszenierte u. a. eine „Voodoo”-Vorführung von Macbeth (1936) mit schwarzen Schauspielern. 1937 zählte er zu den Gründungsmitgliedern des Mercury Theatre, das sich mit experimentellen Theaterstücken und Hörspielen einen Namen machte. Prominent wurde er 1938, als seine pseudo-dokumentarische Hörspielfassung des Romans Krieg der Welten von H. G. Wells so realistisch die Landung außerirdischer Wesen suggerierte, dass die Sendung eine Panik unter vielen Einwohnern der USA auslöste.

Nach diesem Hörspielerfolg wurde Welles vom Hollywood-Studio RKO unter Vertrag genommen. Das Leinwanddebüt Citizen Kane (1941), für das Welles als Autor, Darsteller, Regisseur und Produzent verantwortlich zeichnete, war eine meisterhafte sozialpsychologische Studie über einen skrupellosen Pressemagnaten und zugleich ein Werk von filmhistorischem Rang, das bezüglich der Ton- und Kameratechnik anregend auf eine ganze Generation von Regisseuren wirkte. Der kommerzielle Erfolg blieb dem Film jedoch zunächst versagt, was charakteristisch für Welles’ Arbeit der folgenden beiden Jahrzehnte war, die geprägt waren von höchsten künstlerischen Ansprüchen und dem beständigen Kampf um die finanziellen Mittel, sie adäquat einzulösen. Nach der Familiensaga Der Glanz des Hauses Amberson (1942), die mit ihrer Kritik an zügellosem Machtstreben thematisch an Citizen Kane anknüpfte, und dem düsteren Kriminalmelodram Die Lady von Shanghai (1948), an der Seite seiner zweiten Ehefrau Rita Hayworth, wandte sich der bühnenerfahrene Welles u. a. der Verfilmung von Shakespeare-Stücken zu.

Den Anfang machte Macbeth (1948), dessen expressiver Inszenierungsstil von Othello (1952) noch übertroffen wurde. Welles war hier auch in der Titelrolle auf der Höhe seiner Kunst zu erleben. Die Verkörperung zwielichtiger, tyrannischer Charaktere wurde Welles zur zweiten Natur, wie Im Zeichen des Bösen (1957) mit Marlene Dietrich, Der Zwang zum Bösen (1959), Reise der Verdammten (1976) und F wie Fälschung (1976) bewiesen. Neben Citizen Kane war Welles’ größter internationaler Erfolg als Schauspieler die Rolle des Harry Lime in Der dritte Mann (1949) von Carol Reed. 1966 führte Welles Regie in der Shakespeare-Adaption Falstaff. In seinen letzten Lebensjahren zog er sich zunehmend vom Filmgeschäft zurück. Er war u. a. noch als Zeus in dem phantastischen Film Malpertuis (1972, nach dem Roman von Jean Ray) und als bissiger Kommentator in dem intellektuellen Kammerspiel Ein Tag für die Liebe (1985) zu sehen. 1971 wurde Welles mit einem Ehren-Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet, 1972 erhielt er den Life Achievement Award des American Film Institute. Orson Welles starb am 10. Oktober 1985 in Los Angeles.