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Franz Boas

Franz Boas (1858-1942), deutsch-amerikanischer Ethnologe und Anthropologe, Begründer des Kulturrelativismus.

Franz Boas wurde am 9. Juli 1858 in Minden (Westfalen) geboren. Er studierte Geographie und Naturwissenschaften in Heidelberg, Bonn und Kiel. 1883/84 unternahm Boas eine wissenschaftliche Expedition auf die Baffin-Insel und wandte sich daraufhin der Ethnologie und Anthropologie zu. In Berlin habilitierte er sich 1886 bei dem Ethnologen Adolf Bastian. Im folgenden Jahr emigrierte er in die Vereinigten Staaten und brach zur ersten seiner zahlreichen Forschungsreisen auf, um Indianervölker in British Columbia (Kanada), vor allem die Kwakiutl, zu erforschen. 1899 erhielt er die erste Professur für Ethnologie und Anthropologie an der Columbia University, wo er bis 1937 lehrte. Er organisierte die Jesup North Pacific Expedition (1902), die herausfand, dass die Kulturen Nordasiens und Nordwestamerikas möglicherweise eng miteinander verwandt sind.

Durch seine Forderung nach mehr Wissenschaftlichkeit wurde Boas zum Wegbereiter der modernen amerikanischen Ethnologie (Cultural Anthropology). Zudem setzte er sich für eine ganzheitliche Betrachtung der Kulturen ein, einschließlich ihrer religiösen, historischen, sprachlichen und künstlerischen Aspekte. Dabei waren ihm spezielle Kulturgeschichten kleinerer Regionen wichtig, die linguistische und ethnologische Studien verbinden sollten. Vehement lehnte Boas den Evolutionismus vieler seiner Zeitgenossen ab. Boas gründete die American Anthropological Association und war Herausgeber der Zeitschrift American Anthropologist. In seinen letzten Lebensjahren engagierte sich Boas gegen den Nationalsozialismus. Franz Boas starb am 21. Dezember 1942 in New York.

Aus der von ihm begründeten Schule der Cultural Anthropology gingen Ethnologen wie Clark Wissler, Alfred Louis Kroeber, Robert Harry Lowie, Edward Sapir, Ruth Benedict und Melville Jean Herskovits hervor.

Zu Boas’ wichtigsten Werken gehören: The Growth of Children (1896; Wachstum der Kinder), The Mind of Primitive Man (1911; Das Geschöpf des sechsten Tages), Primitive Art (1928; Primitive Kunst) sowie Race, Language, and Culture (1940; Rasse, Sprache und Kultur).