Kanada
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Kanada
2. Land

Entsprechend seiner Größe ist Kanada überaus vielgestaltig. Die 202 080 Kilometer lange Küstenlinie ist durch zahlreiche Landvorsprünge und Buchten stark gegliedert. Neufundland ist die größte kanadische Insel im Atlantischen, die Vancouver-Insel die größte im Pazifischen Ozean. Zahlreiche Inseln befinden sich auch in der Hudsonbai.

1. Physische Geographie

Kanada gliedert sich in mehrere naturgeographische Räume. Neben dem Kanadisch-Arktischen Archipel im Norden des Landes sind dies der Kanadische Schild, die Appalachen, die Tiefländer um die Großen Seen und den Sankt-Lorenz-Strom, die Inneren Ebenen (Interior Plains) und die Nordamerikanischen Kordilleren. Während der jüngeren Erdgeschichte waren weite Teile Kanadas von mächtigen Inlandeismassen bedeckt, wodurch die Oberfläche des Landes nachhaltig überformt wurde. Nach dem Abschmelzen dieser Eismassen sammelte sich das Schmelzwasser in den Becken und Senken und bildete zahlreiche Seen.

Nahezu die Hälfte des Landes wird vom Kanadischen Schild eingenommen, der sich halbkreisförmig um die Hudsonbai von der Halbinsel Labrador im Südosten bis zum Großen Bärensee im Nordwesten ausdehnt. Dieses geologisch alte Gebiet ist aus präkambrischen, mehrere Milliarden Jahre alten Gesteinen (vor allem Granit, Gneis und Schiefer) aufgebaut und durch Gletschertätigkeit stark glazial überformt. Die flachwellige Plateaulandschaft ist in weiten Teilen 200 bis 600 Meter hoch und erreicht nur in Labrador Höhen um 1 500 Meter. Der Westrand dieser alten Landmasse wird von ausgedehnten mittelkanadischen Seen markiert. Auch große Teile der kanadischen Inselwelt im Nordpolarmeer gehören zu diesem Naturraum.

Der Osten des Landes setzt sich aus den Appalachen und den Tiefländern um die Großen Seen und den Sankt-Lorenz-Strom zusammen. Die Appalachen sind ein stark abgetragenes Rumpfgebirge, das sich bis Neufundland erstreckt, größere Höhen aber nur in den Vereinigten Staaten erreicht. Die Tieflandregion umfasst ausgedehnte Ebenen, die intensiv landwirtschaftlich genutzt werden.

Die Inneren Ebenen bilden die nördliche Fortsetzung der Great Plains der Vereinigten Staaten. Ihre West-Ost-Erstreckung erreicht an der Südgrenze Kanadas 1 000 Kilometer und nimmt nach Norden auf 400 Kilometer ab. Nach Westen steigt das Gebiet in Schichtstufen bis etwa 1 500 Meter an. Die Böden der Inneren Ebenen sind überaus fruchtbar.

Im Westen Kanadas erheben sich die Nordamerikanischen Kordilleren als Teil des ausgedehnten, erdgeschichtlich jungen Kordillerensystems, das sich von der Südspitze Südamerikas bis nach Alaska erstreckt. Der kanadische Anteil der Nordamerikanischen Kordilleren hat eine durchschnittliche Breite von 800 Kilometern und besteht aus der östlichen Kette der Rocky Mountains, intramontanen Plateaus und den pazifischen Küstengebirgen. Höchster Berg der Ostkette ist mit 3 954 Metern der Mount Robson. Zehn weitere Gipfel erreichen Höhen von mehr als 3 500 Metern. Die intramontane Plateauregion wird von Flusstälern gegliedert. In der Küstenkordillere erhebt sich der Mount Logan, mit 5 959 Metern der höchste Gipfel des Landes.

2. Flüsse und Seen

Kanada ist ein überaus seenreiches Land. 31 Seen besitzen eine Fläche von mehr als 1 300 Quadratkilometer. Zu den größten Seen gehören Großer Bärensee, Großer Sklavensee, Winnipegsee, Athabascasee sowie die Großen Seen, durch die mit Ausnahme des Michigansees, der ganz auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten liegt, die Grenze zum südlichen Nachbarland verläuft. Der Anteil Kanadas an der Gesamtfläche der Großen Seen beträgt 37 Prozent. Die bedeutendsten Flüsse sind der Mackenzie (mit dem Peace River), der dem Nordpolarmeer zufließt, der Sankt-Lorenz-Strom, der das Gebiet der Großen Seen entwässert und über den Sankt-Lorenz-Golf in den Atlantischen Ozean mündet, und der Nelson (mit dem Saskatchewan), der in die Hudsonbai fließt.

3. Klima

Aufgrund der hohen geographischen Breite und der Größe der Landmasse ist das Klima in weiten Teilen Kanadas kontinental geprägt mit hohen Temperaturschwankungen im Jahresverlauf. Im Norden herrschen arktische bis subarktische klimatische Bedingungen. Das Fehlen höherer von West nach Ost verlaufender Gebirgszüge ermöglicht vor allem in Mittel- und Ostkanada das Vordringen arktischer Luftmassen bis weit nach Süden. Nur in den südlichsten Landesteilen ist das Klima gemäßigt. Allgemeines Kennzeichen des kanadischen Klimas sind lange, schneereiche Winter, in denen die Temperaturen -30 °C unterschreiten können, und kurze, mitunter heiße Sommer. Durch maritime Einflüsse sind die Temperaturen der pazifischen Küstenregion milder als in Gebieten gleicher Breitenlage im Landesinneren. Auch im atlantischen Küstenbereich dämpfen ozeanische Einflüsse die Temperaturextreme und führen zu ausgeglichenerem Klima.

Im Einflussbereich des Atlantischen Ozeans liegen die Jahresniederschläge bei 1 000 bis 1 500 Millimetern; zum Landesinneren nehmen sie auf 300 bis 500 Millimeter ab. Die den niederschlagsbringenden Westwinden ausgesetzten Westhänge der Küstenkordillere erhalten wegen ihrer Stauwirkung mit 6 000 Millimetern extrem hohe Jahresniederschläge, während die Leeseite relativ trocken ist. Eine klimatische Besonderheit der Hochgebirgsregion ist der Chinook, ein warmer Fallwind an der Ostseite der Rocky Mountains, dessen Auftreten oft zu rascher Schneeschmelze führt.

4. Flora und Fauna

Im Landesinneren sind die Vegetationseinheiten gürtelförmig angeordnet. Von Süden nach Norden sind dies borealer Nadelwald, Waldtundra und Tundra. Im Südosten Kanadas wächst unter atlantischem Einfluss Laubwald mit Ahorn (dem Flaggensymbol des Landes), Eichen, Ulmen, Eschen, Linden und Hickorys als Hauptbaumgattungen. Nach Norden nimmt der Anteil an Nadelbäumen beständig zu, bis der Übergang zum Nadelwaldgürtel erfolgt. Westlich der Großen Seen schließen an die Laub- bzw. Mischwaldregion Prärien und Grassteppen an. Im Westen Kanadas beeinflusst die Höhenlage das Pflanzenwachstum maßgeblich. Auf den niederschlagsreichen Westflanken der Gebirge gedeihen dichte Wälder mit Tannen, Fichten und Zedern, während in der intramontanen Plateauregion Kiefer die Hauptbaumgattung ist. Der Gürtel des borealen Nadelwaldes erstreckt sich in einem weiten Bogen von Neufundland bis ins nördliche Alaska und hat eine Breite von nahezu 1 000 Kilometern. Diese Vegetationseinheit umfasst vorwiegend Fichten, Tannen und Kiefern. Nach Norden geht der Nadelwald in die Waldtundra über, ein Gebiet mit lichteren Baumbeständen. Auf dem nördlichen Festland und den südlichen Inseln der arktischen Inselwelt gedeiht Tundrenvegetation mit Zwergsträuchern, Kräutern, Gräsern und Moosen. Die jährliche Vegetationsperiode ist auf den wenige Monate dauernden Zeitraum beschränkt, in dem der Dauerfrostboden auftaut. Der nördliche Teil des Kanadisch-Arktischen Archipels ist weitgehend gletscherbedeckt und damit nahezu vegetationsfrei.

Vor allem in den letzten Jahrzehnten ging in Kanada sehr viel natürlicher Lebensraum verloren. Das Land soll schätzungsweise 80 Prozent der ursprünglichen Feuchtgebiete eingebüßt haben, wobei allein von 1980 bis 1990 ein Verlust von insgesamt 23 Prozent zu beklagen war. Ebenso sind die Prärie, die Wälder im südlich gelegenen Ontario, die Wälder Akadiens in den maritimen Provinzen und der Regenwald an der Westküste gefährdet. Heute besitzt Kanada insgesamt nur noch 10 Prozent seines ursprünglichen Waldbestandes. Die Wälder wurden vor allem in den Bergen von British Columbia durch die Forstwirtschaft stark ausgedünnt. Das Land leidet unter den Folgen von Kahlschlägen, die Erdrutsche und schwere Bodenerosionen verursacht haben, wodurch u. a. die Lebensräume der Lachse gefährdet sind.

Die größte Bedrohung für die Umwelt in Kanada geht jedoch vom sauren Regen aus, für den die Vereinigten Staaten von Amerika zu 50 Prozent verantwortlich sind. Er entsteht infolge der Erzförderung und der Kohlekraftwerke. Der saure Regen schädigt bzw. tötet Bäume und vergiftet Binnengewässer. 43 Prozent der Gesamtfläche Kanadas sind vom sauren Regen stark betroffen, wobei die östlichen Provinzen seit Mitte der siebziger Jahre besonders unter seinen Auswirkungen leiden. Durch Maßnahmen zur Luftreinhaltung scheint der saure Regen langsam zurückzugehen. Eine Studie, die von 1981 bis 1994 an 202 Seen in Ontario, Québec und den atlantischen Regionen durchgeführt wurde, hat ergeben, dass sich der Versauerungsgrad in den meisten Gewässern entweder verbessert hat oder zumindest stabil geblieben ist, einige wenige Seen weisen allerdings eine Verschlechterung auf.

Die Tierwelt Kanadas ähnelt der von Nordeuropa und Nordasien. In den Laub- und Mischwäldern des Südostens leben Wapitis (nordamerikanische Rothirsche), Elche, Schwarz- und Braunbären (zur letzteren Art gehören die Grizzlys). Die Grasländer des südlichen Landesinneren bieten Lebensraum für Bisons und Kojoten. In den Gebirgsregionen des westlichen Kanada gibt es neben Wapitis, Elchen und Bären auch Luchse, Pumas und Schneeziegen. Der boreale Nadelwaldgürtel ist das Verbreitungsgebiet kleinerer Säugetiere wie Füchse, Marder und Biber. Waldtundra und Tundra sind Hauptlebensraum von Karibus, Moschusochsen, Polarfüchsen und Lemmingen. An den arktischen Küsten leben Walrosse, andere Robbenarten und Eisbären.

Die einheimische Tier- und Pflanzenwelt steht in zahlreichen Nationalparks und Naturreservaten unter Schutz. Größtes Schutzgebiet ist der 45 000 Quadratkilometer große Wood Buffalo Nationalpark, in dem zahlreiche vom Aussterben bedrohte Arten vertreten sind. Bemerkenswert ist der Bisonbestand mit etwa 6 000 Tieren.