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David Ricardo (1772-1823), englischer Nationalökonom. Der aus einer sephardisch-holländischen Börsenmarklerfamilie stammende Ricardo wurde am 18. April 1772 in London geboren. Mit 14 Jahren trat er in das Geschäft seines Vaters ein und kam durch Spekulationsgewinne bereits in jungen Jahren zu einem großen Vermögen.
Angeregt durch Adam Smiths An inquiry into the nature and causes of the wealth of nations (1776; Untersuchung der Natur und Ursachen von Nationalreichthümern), in dem Smith als Quelle des nationalen Reichtums die vom Volk geleistete Arbeit sah, beschäftigte sich auch der junge Ricardo, der sich vom Börsengeschäft zurückgezogen hatte, mit Wirtschaftstheorien. 1809 veröffentlichte er sein erstes Buch zu nationalökonomischen Fragen: The High Price of Bullion, a Proof of the Depreciation of Bank Notes. In diesem Werk plädierte Ricardo u. a. für ein Währungssystem auf Basis einer Edelmetalldeckung.
1817 erschien Ricardos wichtigstes und einflussreiches Hauptwerk über die Einkommensverteilung und über die Beziehungen zwischen den wichtigsten Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital: On the Principles of Political Economy and Taxation (Die Grundsätze der politischen Oekonomie oder die Staatswirthschaft und die Besteuerung). Grundlage seines geschlossenen ökonomischen Systems und seiner Verteilungstheorie ist die so genannte Werttheorie, wonach der Wert (bzw. Preis) von Seltenheitsgütern von der Nachfrage abhängig ist und reproduzierbare Güter einen natürlichen Wert (bzw. Preis) haben, der im Gegensatz zum Marktpreis, der von Angebot und Nachfrage reguliert wird, allein von der Arbeitsmenge bestimmt wird, die zur Erstellung reproduzierbarer Güter notwendig ist: d. h., Arbeit bestimmt den Wert einer Ware.
Ähnlich verhält es sich auch beim Preis für die Arbeit: Der natürliche Arbeitspreis sind die Aufwendungen, die notwendig sind, um die Arbeitskraft des Menschen zu erhalten; damit orientiert sich dieser Arbeitspreis (oder Lohn) am Existenzminimum. Die Löhne werden daher von den Nahrungspreisen bestimmt, die wiederum aufgrund der Produktionskosten gebildet werden. Der Marktpreis einer Arbeitskraft dagegen wird dann bestimmt, wenn es Angebot und Nachfrage für diese gibt. Die Arbeitsmenge wiederum wird beeinflusst vom Kapital, das diese Arbeit entlohnen kann (Lohnfondstheorie).
Ricardo leitet u. a. aus der Notwendigkeit der Verteilung von Vermögen ab, dass die rasch anwachsende Bevölkerung zu einem Absinken der Produktivität von Grund und Boden führen müsse. Daraus entwickelte er eine Theorie der Bodenrente, die von einer relativen Produktivität des Bodens ausging.
Ricardo propagierte den internationalen Handel und den freien Wettbewerb. Mit seiner Theorie der komparativen Kosten konnte Ricardo im Gegensatz zu Adam Smith nachweisen, dass sich der Export von Gütern immer dann lohne, wenn diese Exportgüter preisgünstiger produziert werden können als im Ausland.
Seine ökonomischen Problemstellungen und Lösungsansätze, insbesondere seine Arbeitswerttheorie, haben vor allem das Denken von Karl Marx beeinflusst. Marx hingegen leitete aus den Überlegungen Ricardos das Ende des Kapitalismus ab, von dem Ricardo überzeugt war, dass diese Wirtschaftsform unter den von ihm beschriebenen ökonomischen Bedingungen voll funktionstüchig sei.
Während der letzten vier Jahre seines Lebens war Ricardo als radikaler Reformer Mitglied des britischen Unterhauses. Er starb am 11. September 1823 in Gatcombe Park (Gloucestershire).