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| 2. | Frühgeschichte |
Die Stammesbildung der keltischen Volksgruppen vollzog sich wahrscheinlich zur Zeit der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkulturen (verwandte Kulturgruppen, die die Asche ihrer Toten in Tonurnen bargen und diese zu Friedhöfen zusammenstellten), die zwischen dem 13. und dem 8. Jahrhundert v. Chr. in ganz Ost- und Mittel- und Westeuropa in unterschiedlicher Ausprägung verbreitet waren.
Die ältesten archäologischen Funde aus der Keltenzeit deuten darauf hin, dass sich der keltische Kernraum während der jüngeren Bronzezeit (um 1200 v. Chr.) im Gebiet des heutigen Frankreich und Westdeutschland befand. In der älteren Eisenzeit werden sie mit der ebenfalls über weite Teile Europas verbreiteten Hallstattkultur (8.-6. Jahrhundert v. Chr.) in Verbindung gebracht, die nach einer archäologischen Fundstätte in Oberösterreich benannt wurde. Aus der späten Hallstattzeit (6. Jahrhundert v. Chr.) sind reich ausgestattete Fürstengräber und feste Fürstensitze (Hochdorf, Heuneburg) bekannt, die den hohen zivilisatorischen Status der Kelten sowie ihre weit reichenden Handelsverbindungen bereits während der Eisenzeit belegen.
Vermutlich bereits ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. weiteten die Kelten ihr Siedlungsgebiet von ihrem ursprünglichen Kernraum aus nach Norden über Nordfrankreich und die Britischen Inseln und nach Süden über die Iberische Halbinsel aus; zur Zeit der La-Tène-Kultur, die im 5. Jahrhundert v. Chr. die Hallstattkultur ablöste, erreichte ihr Siedlungsgebiet dann seine größte Ausdehnung. Um 400 v. Chr. stießen keltische Stämme über die Alpen nach Oberitalien vor, eroberten mehrere etruskische Orte (u. a. Melpum/Mailand und Felsina/Bologna) und siedelten sich zu beiden Seiten des Po an. 387 v. Chr. drangen sie weiter nach Süden vor, schlugen ein römisches Heer an der Allia und hielten 386 v. Chr. sieben Monate lang die Stadt Rom (mit Ausnahme des Kapitols) besetzt. In den folgenden eineinhalb Jahrhunderten fielen sie wiederholt in Mittelitalien ein; erst 222 v. Chr. wurden sie von den Römern endgültig besiegt und schließlich romanisiert.
Ebenfalls ab etwa 400 v. Chr. drangen die Kelten aus ihrem Kernraum Richtung Südosten vor; sie siedelten in dem Gebiet, in dem sich gegenwärtig die Tschechische und die Slowakische Republik, Jugoslawien und Ungarn erstrecken, und stießen von dort aus nach Thrakien, Makedonien und Griechenland vor. 279 v. Chr. eroberten sie Delphi, wurden dann jedoch von einem griechischen Heer geschlagen. 278 v. Chr. kamen einige keltische Stämme auf Ersuchen des Königs Nikomedes I. von Bithynien, der sie gegen die Seleukiden zu Hilfe gerufen hatte, über den Bosporus nach Kleinasien und ließen sich schließlich im nach ihnen benannten Galatien in Zentralanatolien nieder. Die in der Bibel erwähnten Galater waren Kelten.
Im frühen 3. Jahrhundert v. Chr. hatte der Siedlungs- und Kulturraum der Kelten seine größte Ausdehnung erreicht; er erstreckte sich von den Britischen Inseln und der Iberischen Halbinsel im Westen bis nach Kleinasien im Osten. Zugleich setzte der Niedergang der keltischen Macht ein, verursacht durch die germanische Expansion aus dem Norden und die römische aus dem Süden. Nach der Unterwerfung der Kelten durch die Römer in Oberitalien im späten 3. Jahrhundert v. Chr. folgte im 1. Jahrhundert v. Chr. die römische Eroberung Galliens, die Unterwerfung der Kelten im Alpenraum und im 1. Jahrhundert n. Chr. die Eroberung Britanniens. Auf dem Festland wurden die Kelten vom römischen Reich assimiliert und verloren ihre eigene Kultur und Sprache. Lediglich auf den Britischen Inseln, wo die römische Herrschaft mehr oder weniger auf das Gebiet des heutigen England beschränkt war, überlebte die keltische Kultur, vor allem in Irland, Schottland und Wales, und griff von dort aus auch wieder auf das Festland über, als im 5./6. Jahrhundert keltische Gruppen vor dem Hintergrund der angelsächsischen Landnahme in die Bretagne auswichen. In Frankreich erwies sich nach dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft die keltisch-römische Mischkultur als zivilisierendes Element für die vordringenden Germanen.