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Buch
1. Einleitung

Buch, geschriebenes oder gedrucktes Werk, das aus mehreren mit einer Bindung und meist auch einem Einband zu einer Ganzheit verbundenen Blättern oder Bogen, in der Regel aus Papier, besteht. Nach der (allgemein weitgehend akzeptierten) Definition der UNESCO ist ein Buch eine gedruckte, öffentlich zugängliche, nichtperiodische Veröffentlichung von mindestens 49 Seiten (exklusive der Umschlagseiten). Funktion des Buches ist die graphische Materialisierung geistiger Inhalte zum Zweck ihrer Erhaltung, Überlieferung und Verbreitung. In diesem Sinn ist das Buch nicht nur ein Wirtschafts- und Handels-, sondern vor allem auch ein bedeutendes Kulturgut.

Der Begriff Buch stammt vermutlich von dem althochdeutschen Wort buoh ab, das die Tafel aus Buchenholz(-rinde) bezeichnet, in die in germanischer Zeit die Schriftzeichen (Runen) geritzt wurden. Auch das lateinische und das altgriechische Wort für Buch sind vom ursprünglichen Beschreibstoff abgeleitet: Lateinisch liber ist der Baumbast, griechisch byblos ist die Papyrusstaude oder der Papyrus, den die Griechen aus der antiken Stadt Byblos einführten.

2. Bestandteile, Arten und Herstellung des Buches

Ein Buch setzt sich im Wesentlichen aus den beiden Elementen Buchblock und Bucheinband zusammen. Der Buchblock, der eigentliche Inhaltsträger des Buches, besteht hauptsächlich aus den bedruckten, gefalzten, gebundenen (oder gehefteten) und beschnittenen Einzelblättern. Der Bucheinband besteht aus dem so genannten Buchrücken, an dessen Innenseite der Buchblock befestigt wird (bei gebundenen Büchern gewöhnlich durch Einhängung am Bundsteg, bei Taschenbüchern durch Klebung), und aus den beiden „abklappbaren” Buchdeckeln, die zur weiteren Stabilisierung des Buches auf der Innenseite jeweils mit dem Vorsatzblatt des Buchblocks beklebt werden. Der Bucheinband ist in der Regel aus fester Pappe, die bei gebundenen Büchern noch mit einem Bezugsmaterial überzogen sein kann, etwa Leinen, Pergament, Leder oder Kunststoff. Bei fest gebundenen Büchern wird um den Bucheinband oft noch ein (z. B. mit Autor, Titel, Inhaltsbeschreibung, Klappentext, Illustrationen und weiteren textlichen oder graphischen Elementen bedruckter) Schutzumschlag gelegt. Die drei schmalen Kanten des Buchblocks, an denen sich das Buch öffnen lässt, heißen Schnitt (Kopf-, Seiten- und Unterschnitt); der Buchschnitt kann aus ästhetischen Gründen, aber auch zum Schutz vor Verschmutzung eingefärbt oder anderweitig verziert sein (Arten der Schnittverzierung sind u. a. der Farbschnitt, der Goldschnitt und der Marmorschnitt). Einige Bücher besitzen als Lesezeichen ein am oberen Ende des Buchrückens befestigtes farbiges Gewebeband (oft aus Seide), das so genannte Lesebändchen.

Nach der Art ihres Einbandes unterscheidet man als Bucharten das fest gebundene Buch (Hardcover) und das Taschenbuch (Softcover), wobei Letzteres gelegentlich noch nach der Art der Bindung in Paperback (Klebebindung) und broschiertes Buch oder Broschur (Fadenheftung) unterschieden wird; diese Begriffe werden im allgemeinen Sprachgebrauch aber auch synonym verwendet. Nach inhaltlichen Gesichtspunkten lassen sich fiktionale von nicht fiktionalen Büchern unterscheiden. Zu den fiktionalen Büchern zählen z. B. belletristische Bücher (etwa Roman, Erzählungssammlung, Gedichtband), Kinder- und Jugendliteratur, Bilderbücher oder auch Liederbücher; Gattungen des nicht fiktionalen Buches sind u. a. Sachbuch, Fachbuch, Lexikon, Wörterbuch und Schulbuch. Obwohl nicht gebunden, gelten üblicherweise auch so genannte Loseblattsammlungen als Bücher, also Ordner mit einzelnen unverbundenen Blättern, die bei Bedarf ergänzt oder ausgetauscht werden können (von Bedeutung etwa bei Gesetzessammlungen oder amtlichen Veröffentlichungen). Im engeren Sinn keine Bücher trotz entsprechender Benennung sind elektronische Bücher („E-Books”) und Hörbücher.

Bücher werden in aller Regel von Verlagen produziert und – oft mit der Zwischenstufe Buchgroßhandel – vom Bucheinzelhandel (z. B. Sortiments- oder Versandbuchhandel) an den Endkunden vertrieben. Während Autor und Verlag vor allem an der geistigen, immateriellen Herstellung des Buches beteiligt sind, findet die materielle Produktion – nach Vorgaben der Herstellungsabteilung des Verlags – in Setzereien, Druckereien und Buchbindereien statt. Setzereien sind für die typographische Gestaltung und die Herstellung der Druckvorlagen zuständig, Druckereien für die Bedruckung des Papiers (oft in Form großformatiger Bogen) und Buchbindereien für das Falzen und Zuschneiden der Bogen sowie die weiteren Arbeitsschritte bis zum fertig gebundenen Buch. Die Herstellung eines Buches ist ein industrieller Vorgang; das Buch als solches ist ein Gebrauchsgegenstand. Bücher werden aber vielfach auch – über ihren literarischen Gehalt hinaus – als Objekte der Kunst angesehen; so können alle Schritte der Buchherstellung (z. B. Typographie, Druckgraphik, Illustration, Papierherstellung, Druck, Bindung, Umschlaggestaltung etc.) auch künstlerisch bzw. kunstgewerblich betrieben werden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Buchkunst.

3. Geschichte
1. Vorläufer

Früheste Vorläufer des Buches finden sich bei den Babyloniern, Assyrern und Sumerern in Form von gebrannten Tontafeln, die mit einem Griffel bearbeitet wurden (Keilschrift). In anderen Kulturen verwendete Beschreibmaterialien waren zusammengeschnürte Palmblätter (in Indien) sowie Holz und Bambus (in China). Die Papyrusrollen der alten Ägypter, Griechen und Römer stellen einen weiteren Schritt in Richtung Buchentwicklung dar. Sie bestanden aus einem einseitig beschriebenen, bis zu 30 Zentimeter breiten und mehrere Meter langen Bogen, der um einen Holz- oder Elfenbeinstab gewickelt war und beim Lesen auf der einen Seite Stück für Stück ab- und auf der anderen Seite aufgerollt wurde. Die Schriftrollen waren oft in eine Hülle eingeschlagen oder in besonderen Behältnissen verwahrt und mit einem heraushängenden Titelstreifen versehen, der den Namen des Autors und des Werkes angab. Vervielfältigt wurden die Werke, indem Schreiber Vorlagen abschrieben. Athen, Alexandria und Rom bildeten bedeutende Zentren der kostspieligen und aufwendigen Schriftrollenproduktion, die durch die Gründung großer Bibliotheken (wie z. B. der alexandrinischen) einen erheblichen Aufschwung nahm.

In Kleinasien (vor allem in Pergamon) setzte sich – ausgelöst durch ein ägyptisches Ausfuhrverbot für Papyrus – ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. das wesentlich haltbarere und beidseitig beschreibbare Pergament (dünne, ungegerbte Schafs-, Kalbs- oder Ziegenhaut) als Beschreibstoff durch. Vor allem Perser und Hebräer, denen Papyrus unbekannt war, hatten schon Jahrhunderte zuvor Schriftrollen aus Pergament verwendet. Die Pergamentherstellung wurde im 2. Jahrhundert v. Chr. unter König Eumenes II. verbessert. In der Folgezeit fand das Pergament im gesamten Mittelmeerraum immer häufiger Verwendung.

2. Der Kodex

Schon vor der Zeitenwende hatten Griechen und Römer zwei oder mehrere hölzerne, mit Wachs überzogene Tafeln an einer Seite mit Scharnieren, Ringen oder Riemen zu einer Art Heft zusammengebunden und damit eine Vorform des modernen rechteckigen Buches geschaffen. Diese Tafeln konnten mit einem Griffel beschrieben werden und waren nach dem Glätten der Oberfläche wiederverwendbar. Da sich Pergament vergleichsweise schlecht rollen ließ und die immer umfangreicher werdenden Rollen unhandlich waren, wurden im 1. Jahrhundert n. Chr. nach dem Muster der Wachstafelhefte Pergamenthefte angefertigt. Diese Form, der so genannte Kodex (lateinisch codex: Baumstamm, Holzklotz), ersetzte ab dem 3./4. Jahrhundert die Schriftrolle.

Für einen Kodex wurden die Pergamentblätter in der Mitte gefaltet, aufeinandergelegt, am Falz zusammengenäht und mit Lederriemen an hölzernen Einbanddeckeln befestigt. In einem Kodex war es leichter als auf einer Schriftrolle, bestimmte Textstellen wiederzufinden; als besonders nützlich erwies er sich bei der christlichen Liturgie. Seit dem 4. Jahrhundert wurden Texte von Rollen auf Kodizes übertragen. Was als unwichtig erachtet und deshalb nicht übertragen wurde, ging verloren. Da Pergament sehr teuer war, wurden die Seiten der Kodizes oftmals gereinigt, d. h., die Schrift wurde abgeschabt, und neu beschrieben (siehe Palimpsest).

3. Mittelalter

Das Format der Kodizes war zunächst sehr unhandlich, kleinere Formate setzten sich erst allmählich im frühen Mittelalter durch. In dieser Zeit wurden Bücher hauptsächlich für geistliche Zwecke oder im Auftrag von Herrschern geschrieben. Meist handelte es sich um Bibelauszüge, Kommentare, liturgische oder auch antike Texte. Die Bücher wurden von Mönchen in den klösterlichen Schreibstuben (Scriptorien) von Hand (ab)geschrieben. Anfangs wurden wie auf den Schriftrollen nur Großbuchstaben (Majuskeln) verwendet. Infolge der von Karl dem Großen initiierten karolingischen Renaissance benutzten die Schreiber nun auch Kleinbuchstaben (Minuskeln), die in klaren, voneinander abgegrenzten Lettern geschrieben wurden. Die karolingische Schrift inspirierte später die Typographen der Renaissance.

Viele mittelalterliche Bücher waren mit prunkvollen Illustrationen oder Verzierungen geschmückt (Buchmalerei). Ein Beispiel für eine besonders reiche Ornamentierung ist das Book of Kells, das um 800 vermutlich in Schottland oder Irland entstand. Detailliert gezeichnete Miniaturszenen aus dem Alltagsleben enthält das Stundenbuch Très riches heures des Herzogs Jean de Berry, das die niederländisch-burgundischen Brüder von Limburg Anfang des 15. Jahrhunderts anfertigten. Der Bucheinband bestand im Mittelalter aus hölzernen Deckeln, die oftmals mit Metallbändern verstärkt waren und durch Schließen zusammengehalten wurden. Häufig war der Einband mit Leder überzogen und bisweilen reich mit Gold- und Silberarbeiten, Emaille und Edelsteinen geschmückt. Die Seitenzählung wurde ab dem 13. Jahrhundert üblich.

4. Entwicklung nach der Erfindung des Buchdrucks

Zwei spätmittelalterliche Entwicklungen revolutionierten die Buchproduktion: die Einführung des Papiers als neuer Beschreibstoff und die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Beide Errungenschaften waren in China schon Jahrhunderte zuvor bekannt, hatten den Weg nach Europa jedoch nicht gefunden. Das Lumpen- bzw. Hadernpapier war bereits 105 n. Chr. in China erfunden worden, gelangte aber erst im 10. Jahrhundert über die Seidenstraße nach Ägypten und schließlich um 1150 ins maurische Spanien; um 1250 sind die ersten Papiermühlen in Italien, 1338 in Frankreich und 1390 in Deutschland (Ulman Stromer in Nürnberg) nachgewiesen. Das Drucken mit einem geschnitzten Holzblock wurde im 6. Jahrhundert n. Chr. in China erfunden; eines der ersten auf diese Weise gedruckten Bücher entstand vermutlich um 868. Im 11. Jahrhundert erfanden die Chinesen auch den Buchdruck mit beweglichen Lettern, die somit für verschiedene Werke einsetzbar waren. Aufgrund der Vielzahl der chinesischen Schriftzeichen wurde dieses Verfahren allerdings selten verwendet.

In Europa kamen im Spätmittelalter die Blockbücher auf. Das waren zumeist religiöse Werke mit reicher Illustration und wenig Text, und gedruckt wurden sie mittels Blockdruck (Holztafeldruck), d. h., für jede Seite wurde ein eigener Druckstock in einen Holzblock geschnitten. Nachdem im 14. Jahrhundert das Pergament allmählich von dem wesentlich kostengünstigeren Papier als Beschreibstoff ersetzt worden war, was dem Buch seinen exklusiven und sakralen Nimbus nahm und es bereits zu einem Gebrauchsgegenstand für die gebildeten oberen Schichten machte, revolutionierte Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern aus Metall um 1450 die Entwicklung des Buches neuerlich. Seine so genannte Gutenbergbibel entstand 1456; sie wird häufig als Übergangspunkt des Mittelalters zur Neuzeit bezeichnet. Die neue Erfindung vereinfachte die Buchproduktion immens und ermöglichte höhere Auflagen und größere Wirtschaftlichkeit. Ab etwa 1459 verbreiteten Gutenbergs Gesellen aus Mainz die Buchdruckerkunst in andere Städte; 1480 gab es schon an 120 Orten in Europa Druckwerkstätten. Drucke, die aus der Frühzeit des Buchdrucks (vor 1500) stammen, werden Inkunabeln genannt.

Während die Inkunabeln in ihrer Gestaltung noch die Handschriften nachahmten, setzte sich im 16. Jahrhundert eine eigenständige Buchform durch, u. a. mit Titelblatt (oft mit Holzschnitten), Impressum, Kapitelüberschriften und später auch Fußnoten, Inhaltsverzeichnis und Register. Die schnelle Verbreitung der Buchdruckerkunst machte das Buch nach und nach zu einer Massenware. Die Menge der gedruckten Werke stieg rapide an: Waren es im gesamten 15. Jahrhundert noch etwa 30 000 gewesen, wird die Zahl der im 16. Jahrhundert gedruckten Titel schon auf 130 000 bis 150 000 geschätzt. Das Buch trug in dieser Zeit mit einer Vielzahl von Volksbüchern (z. B. von Hans Sachs) signifikant zur Alphabetisierung der Bevölkerung bei, und es war wesentliche Voraussetzung der Reformation (wie später auch der Aufklärung): Von Martin Luthers Übersetzung der Bibel ins Deutsche wurden beispielsweise zwischen 1534 und 1574 mehr als 100 000 Exemplare verkauft.

Nachdem sich das Medium Buch im 17. Jahrhundert – hauptsächlich aufgrund des Dreißigjährigen Krieges und seiner Nachwirkungen – kaum verändert hatte, etablierten sich im 18. Jahrhundert neue Inhalte (wie der Roman) und neue Ausstattungsformen (wie der Kupferstich als zentrales Mittel der Buchillustration). In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebte der Buchhandel gravierende Veränderungen, u. a. begannen sich Verlags- und Sortimentsbuchhandel zu trennen.

Erst im Zeitalter der Industrialisierung im beginnenden 19. Jahrhundert wurde der Buchdruck, der sich seit Gutenbergs Zeiten wenig verändert hatte, durch technische Errungenschaften grundlegend erneuert; viele Arbeitsschritte wurden mechanisiert und automatisiert. Meilensteine in der Entwicklung der Buchherstellung sind u. a. die Erfindung der Zylinderdruckpresse 1810, die erste dampfbetriebene Papiermühle 1818 und die Erfindung der Rotationspresse 1845. Diese Entwicklungen ermöglichten die effektivere Produktion großer Büchermengen; spätestens an der Schwelle zum 20. Jahrhundert war das Buch ein industriell gefertigter, für alle sozialen Schichten erschwinglicher Massenartikel geworden. Die wohl größte Neuerung des 20. Jahrhunderts war der Siegeszug des Taschenbuches, das zwar schon im 19. Jahrhundert in den USA aufgekommen war, aber erst nach 1945 seine volle Bedeutung als massenhaft hergestelltes, einfach ausgestattetes und preiswertes Gut entfaltete.