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Matthäusevangelium
1. Einleitung

Matthäusevangelium, Abkürzung Mt., erstes und umfangreichstes Evangelium im Kanon des Neuen Testaments. Das Hauptinteresse des Matthäusevangeliums gilt der Darstellung Jesu als dem verheißenen Messias, dem rechtmäßigen Erben König Davids sowie der Hervorhebung der Kirche. Adressaten waren judenchristliche Gemeinden im assyrischen Raum. Vom Zeitpunkt seiner Entstehung an (vermutlich um 90 n. Chr., auf jeden Fall jedoch nach der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr; vgl. Mt. 22,7) hat das Matthäusevangelium einen bedeutenden Einfluss auf das Christentum ausgeübt.

2. Verfasserschaft

Der altkirchlichen Überlieferung zufolge wurde das Matthäusevangelium dem Apostel Matthäus zugeschrieben. Diese Annahme ist jedoch umstritten. Der Verfasser benutzt sowohl das Markusevangelium als auch eine Sammlung von Worten Jesu, die als „Quellen” („Q”) bezeichnet wird. Da das Evangelium zahlreiche Hinweise auf das jüdische Gesetz und die jüdische Lebensweise enthält, wird davon ausgegangen, dass der Verfasser ein Jude war, der zum Christentum übertrat. Das Evangelium wurde vermutlich in Palästina geschrieben.

3. Inhalt

Das Matthäusevangelium, das aus fünf klar voneinander abgegrenzten Teilen besteht, beginnt mit einer Schilderung der Abstammung Jesu, die der Evangelist bis auf Abraham und David zurückführt. Anschließend folgt ein Bericht über Jesu Geburt und Kindheit (1, 18 bis 2, 23).

Der Schauplatz der ersten vier Einheiten ist Galiläa, während die Handlung im fünften Abschnitt in Judäa spielt. Die erste Erzählung (Kap. 3-4) berichtet von Johannes dem Täufer, der Taufe und Versuchung Jesu und dem Beginn seines öffentlichen Auftretens. Darauf folgt die Bergpredigt (Kap. 5-7) mit den Seligpreisungen und dem Vaterunser (6, 9-13). In Kapitel 8, 1 bis 9, 34 werden als Beschreibung von Wundertaten Beispiele von Jesu Allmacht über Krankheit und über die Dämonenwelt angeführt. Danach gibt er seinen zwölf Jüngern den Auftrag, Menschen zu heilen und sein Wort zu verkünden (10, 6). Kapitel 11 und 12 berichten von der wachsenden Opposition der Pharisäer gegenüber Jesus. Ihr eigentliches Thema ist jedoch die Schilderung des göttlichen Himmelreichs, über das sich Jesus in Form der Gleichnisse vom Sämann (13, 18-23), vom Unkraut unter dem Weizen (13, 24-30) und vom Senfkorn (13, 31-32) äußert. Der vierte Erzählabschnitt berichtet vom Tod Johannes des Täufers (14, 3-12). Jesu offenbart sein göttliches Wesen und seine Berufung gegenüber seinen Jüngern bei Cäsarea Philippi (16, 13-16) und prophezeit seine Kreuzigung und Auferstehung (17, 1-8). Darauf folgt in Kapitel 17, 24 bis 18, 35 eine Darstellung vom Wesen der Kirche. Dabei ist hervorzuheben, dass Matthäus, 16, 17 bis 19 und 18, 17 die einzigen Textstellen der vier Evangelien darstellen, die die Kirche erwähnen. In Kapitel 19 bis 22 wird Jesu Wirken in Judäa bis zu seinem Einzug in Jerusalem beschrieben. Die letzte Erzähleinheit besteht aus zwei Teilen: In Kapitel 23 kritisiert Jesus die Pharisäer und Schriftgelehrten, deren Gerechtigkeit nur vordergründig sei (23, 28). Im zweiten Teil (24-25) erklärt er seinen Jüngern die Zeichen seiner Rückkehr und des Endes der Welt (24, 3), wofür er erneut Gleichnisse, und zwar die vom Feigenbaum (24, 32-33), von den zehn Jungfrauen (25, 1-13) und den Talenten (25, 14-30) verwendet. Darüber hinaus wird die Ankunft des Reiches Gottes und das Jüngste Gericht prophezeit.

Die beiden abschließenden Erzählungen, die den Höhepunkt des Matthäusevangeliums bilden, beschreiben Jesu Salbung, seinen Verrat durch Judas, das letzte Abendmahl, die Verhaftung im Garten Gethsemane, das Verhör durch Pontius Pilatus sowie Jesu Kreuzigung, Tod und Grablegung (26-27). Mit Jesu Auferstehung und seiner Botschaft an die Jünger, sein Wort allen Völkern zu verkünden (28, 19), schließt die letzte Erzählung ab (Kap. 28). In beiden Passagen sind Einzelheiten enthalten, die nur im Matthäusevangelium erwähnt werden: Diese sind der Tod von Judas Ischariot, dem Verräter Jesu, durch Selbstmord nach Empfang seines Lohns (27, 3-10), der Traum der Frau des Pontius Pilatus (27, 19), Pilatus’ Reinwaschung von der Verantwortung für die Kreuzigung Jesu (27, 24-25), das Erdbeben vor dem Tode Jesu (27, 51-53), die Wache am Grab (27, 62-66), das Erdbeben bei Jesu Auferstehung (28, 2-4), und die Erscheinung des auferstandenen Christus (28, 9-20).