| Suchansicht | Amerikanische Kunst und Architektur | Artikelansicht |
| 1. | Einleitung |
Amerikanische Kunst und Architektur, nach allgemeinem Verständnis die Malerei, Bildhauerei und Architektur in den Vereinigten Staaten, beginnend mit der amerikanischen Unabhängigkeit (Unabhängigkeitserklärung von 1776).
Vor der Unabhängigkeit der USA standen die englischen, holländischen, französischen und spanischen Kolonien, aus denen später die Vereinigten Staaten von Amerika hervorgingen, unter dem Einfluss der Kunst und Architektur Europas. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelten sich in den USA spezifisch amerikanische Varianten der europäischen Vorbilder. Seit Ende des 19. Jahrhunderts übten amerikanische Künstler und Akademien zunehmend Einfluss auf die internationale Architektur und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch auf die Malerei und Bildhauerkunst aus. Europäische Baustile tauchten in den USA immer regional unterschiedlich auf, wobei allerdings ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine Tendenz zu einem spezifisch amerikanischen nationalen Baustil festzustellen ist. In der Kunst war die Auseinandersetzung mit der europäischen, später auch mit der indianischen und afrikanischen Volkskunst von Bedeutung. Die Kunst der Ostküste war traditionell eher nach Europa ausgerichtet, während die der kalifornischen Westküste sich besonders Anregungen aus Lateinamerika und Asien öffnete.
| 2. | Die Kolonialzeit (um 1600 bis 1763) |
Kunst und Architektur der englischen, holländischen, französischen und spanischen Kolonien auf dem Gebiet der heutigen USA spiegelten jeweils die Stiltraditionen des Herkunftslandes der Siedler. Im Westen herrschte der spanische Einfluss vor, während im Osten ein mit niederländischen und französischen Einflüssen verwobener englischer Stil den Ton angab.
| 1. | Architektur |
Im 17. und 18. Jahrhundert kamen die spanischen Siedler im amerikanischen Südwesten mit der Baukunst der indianischen Kulturen in Berührung. Wichtigstes Baumaterial war der Adobeziegel, der entsprechend den klimatischen Bedingungen mit anderen verfügbaren Materialien kombiniert wurde. Die spanischen Kolonialkirchen in Arizona und New Mexico und die Missionsstationen, die von San Diego bis San Francisco in Kalifornien errichtet wurden, zeigen eine Stilmischung einheimischer indianischer Bauformen und spanisch-christlicher Architektur. In New Mexico brachten die Puebloindianer mit ihrer Kombination von Adobebauweise und Kolonialstil die überzeugendste und originellste Architektur auf dem Gebiet der späteren USA hervor.
Die Geschichte der Architektur in den anderen Gebieten der USA verlief ähnlich wie in Europa, insbesondere in England. Stilformen, die sich in Europa entwickelt hatten, setzten sich in den USA allerdings erst nach längerer Zeit durch. So gleicht die britische Kolonialarchitektur im Amerika des 17. Jahrhunderts jenen Bauten im elisabethanischen Stil, wie er sich besonders in der englischen Provinz erhalten hat. Das Parson Capen House (1683) in Topsfield (Massachusetts) ist ein typisches Beispiel für das einstöckige Neuenglandhaus. Giebel, vorgezogene Dachkanten und asymmetrische Bauweise verleihen dem Haus ein spätmittelalterliches Aussehen. In Virginia und Maryland gab man dem charakteristischen anderthalbgeschossigen Haus in Ziegelbauweise den Vorzug – mit Kaminen an beiden Enden und einer symmetrischen Fassade. Das Senate House (1676-1695) in Kingston und das Herrenhaus Fort Crailo (1642) in Rensselaer, beide im Staat New York, bezeugen den dort wirksamen niederländischen Einfluss.
| 2. | Anfänge der Malerei |
Die frühesten Bilder waren Porträts, die ab 1660 in Neuengland entstanden. Bemerkenswerte Beispiele sind die Bildnisse von John Freake und Mrs. Elizabeth Freake mit ihrer kleinen Tochter Mary (um 1674, Worcester Art Museum, Massachusetts). Die flach dargestellten Figuren sind dekorativ arrangiert, wobei Linie und Fläche dominieren. Bilder religiösen Inhalts und Kirchenschmuck entstanden im 17. Jahrhundert besonders im Südwesten Amerikas.
| 3. | Die Zeit vor dem Unabhängigkeitskrieg |
| 3.1. | Architektur |
Besonders in den wohlhabenden Städten wie Williamsburg, Philadelphia und Boston begann sich die Architektur am zeitgenössischen europäischen Baustil zu orientieren und folgte mit größeren und ehrgeizigen Projekten dem Vorbild der englischen Architektur. Bescheidenere Versionen des Londoner Barockstiles sind das symmetrisch gebaute Wren Building mit Zentralgiebel (begonnen 1695) im William and Mary College und das Capitol (1699-1705), beide in Williamsburg, sowie das Philadelphia Courthouse (1709). Durch die Veröffentlichung von Schriften führender englischer Architekten wie James Gibbs sahen sich Bauherren und Architekten in den Kolonien in die Lage versetzt, technisch ausgereifte Bauten wie die Christ Church (1727-1744) in Philadelphia oder die Kirche Saint Michael (1751-1753) in Charleston (South Carolina) zu errichten.
Typisch für die Wohngebäude im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts ist das McPhedris-Warner House (1718-1723) in Portsmouth (New Hampshire). Die um 1750 entstandenen Landhäuser sind häufig im Stil des englischen Palladianismus entworfen (siehe Palladio) mit zwei oder drei Stockwerken und einem zentralen Portikus. Die wichtigsten Räume befinden sich meist im ersten Stock. Ein frühes Beispiel ist Drayton Hall (1738) bei Charleston. Auch bedeutende öffentliche Gebäude sind im Stil des Palladianismus erbaut, wie das Pennsylvania Hospital (begonnen 1754) in Philadelphia.
| 3.2. | Malerei |
Henrietta Johnston (tätig von 1705 bis 1729), die erste namentlich verbürgte amerikanische Künstlerin, arbeitete in Charleston, wo sie die ältesten bekannten Porträts in Pastelltechnik schuf. Die produktivste Schule befand sich jedoch im Tal des Hudson River, wo sich die reichen Großgrundbesitzer zu Repräsentationszwecken porträtieren ließen. Ungenügend ausgebildete Maler schufen hier schlichte, naive Porträtmalerei nach dem Vorbild populärer englischer Graphik. Höhepunkt des Schaffens dieser Schule bilden die lebensgroßen Porträts von Pieter Schuyler (um 1719, Rathaus von Albany, New York) und Ariandtje Schoomans (um 1717, Albany Institute of History and Art, ebenda).
Im Lauf des Jahrhunderts kamen verstärkt besser ausgebildete Maler in die Kolonien, darunter der Londoner Porträtist John Smibert, der sich 1729 in Boston niederließ.
Ab 1750 entwickelte sich die Malerei rascher, und die Zahl der Künstler nahm stetig zu. Smiberts bedeutendster Schüler in Neuengland war Robert Feke. Weitere wichtige Künstler waren Joseph Blackburn, der von 1753 bis 1764 ebenfalls in Neuengland arbeitete, John Wollaston in New York, New Jersey und Pennsylvania (tätig zwischen 1734 und 1767) sowie Jeremiah Theus in Charleston.
Benjamin West und John Singleton Copley, zwei Künstler von internationalem Rang, wurden nach 1750 bekannt. Der in Philadelphia ausgebildete West ging Ende 1759 nach Italien und England, wo er zum führenden Vertreter des englischen Klassizismus und Präsidenten der Royal Academy of Arts avancierte. In seinem Londoner Atelier wurde eine ganze Generation amerikanischer Kunststudenten ausgebildet, darunter auch der Porträtist Gilbert Stuart. Copley führte die Porträtkunst zu einer neuen Höhe des Realismus und der psychologischen Einfühlung. Seine besten in Amerika entstandenen Bilder zeichnen sich durch eine meisterhafte Wiedergabe von Stofflichkeit und Lichteffekten aus.
| 3. | Die „Neue Nation” (1776-1865) |
| 1. | Architektur |
Zwischen 1785 und 1810 bildete sich landesweit der neue Federal Style aus, vor allem im Zuge des Baubooms, der nach dem Krieg in Städten wie Salem, Baltimore und New York einsetzte. Er entstand in Form einer verzögerten Rezeption der klassizistischen Architektur des britischen Baumeisters Robert Adam und war gekennzeichnet durch großflächige Fassaden und einfache Säulenreihen. Am reinsten kam er in den Häusern von Savannah zur Geltung (Richardson-Owens-Thomas House, 1817-1819).
Thomas Jefferson trug maßgeblich zur Verbreitung des Klassizismus im kolonialen Nordamerika bei, nicht nur durch sein Wohnhaus Monticello (1770-1775), sondern auch, indem er dafür sorgte, dass das Kapitol in Richmond nach dem Vorbild des Maison Carée, eines römischen Tempels im französischen Nîmes, errichtet wurde. Der von Adam und dem englischen Architekten Sir John Soane geprägte Klassizismus wurde nun zum offiziellen Stil der neuen Nation, in dem auch die Hauptstadt Washington angelegt wurde.
Der in England geborene und erzogene Benjamin Latrobe war der erste voll ausgebildete Architekt, der in den USA seine Arbeit aufnahm. Er entwarf die bedeutendsten klassizistischen Bauten des Landes, darunter die Kathedrale von Baltimore (Assumption of the Blessed Virgin Mary, 1806-1818).
Eine spätere Spielart des Klassizismus war das Greek Revival, das dem wuchtigen späten Regency Style in England entsprach und sich zwischen 1820 und 1850 zu einer Art amerikanischem Nationalstil entwickelte. Die mit ihren Giebeln und Säulen an einen griechischen Tempel erinnernde Architektur fand ebenso bei öffentlichen Gebäuden wie bei Privatbauten Anwendung, wie die Häuser der Plantagenbesitzer im Süden der USA beweisen. Um 1850 begannen sich aus der Romantik übernommene neugotische und neoromanische Stilformen in der Architektur durchzusetzen. Erst der Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges beendete diese Stilphase.
| 2. | Malerei |
Der auf den Unabhängigkeitskrieg folgende Wohlstand sorgte für eine Blüte der Porträtmalerei in der Volkskunst, besonders durch Laienmaler in Neuengland, deren bekanntester Vertreter Ralph Earl war. Zahlreiche Künstler kehrten nach dem Krieg aus England zurück. Als wichtigster Porträtist der Nachkriegsgeneration konnte sich Gilbert Stuart durchsetzen, der vor allem bedeutende Persönlichkeiten der Föderalisten malte, so z. B. George Washington auf dem so genanntem Athenäum-Porträt (1796, Museum of Fine Arts, Boston). John Trumbull avancierte nach seiner Rückkehr zum führenden Historienmaler, der die wichtigsten Ereignisse des Unabhängigkeitskrieges auf zahlreichen Bildern festhielt, wie etwa Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung (1794) oder Die Schlacht von Bunker Hill (1789), beide Yale University Gallery, New Haven (Connecticut) spätere Fassungen, 1817 bis 1824, in der Rotunde des Kapitols in Washington D.C.
| 2.1. | Romantische Porträt- und Genremalerei |
Bis etwa 1840 dominierte in der Malerei ein an der Romantik orientierter Porträtstil. Thomas Sully schuf kontrastreiche, farbenfrohe, idealisierende Bilder nach dem Vorbild des englischen Porträtmalers Sir Thomas Lawrence. Ein weiterer Vertreter dieser Richtung war Samuel F. B. Morse, der wohl talentierteste Künstler seiner Generation, der sich später der Erfindung des (das nach ihm benannten) Telegraphen widmete. Ein außerordentlicher Vertreter der romantischen Malerei war Washington Allston, der 1808 aus England zurückkehrte und bevorzugt Landschafts- und Historienbilder schuf.
Im Bereich der Genremalerei taten sich besonders William Sidney Mount, der den Alltag der Bauern auf Long Island in Bildern wie Bargaining for a Horse (1835, New York Historical Society, New York) festhielt, und George Caleb Bingham hervor, der nach Missouri ging, wo er Szenen aus dem Leben der Pelzhändler und der Mississippischiffer malte.
| 2.2. | Hudson River School |
Die Landschaftsmalerei entwickelte sich ab etwa 1835 zur bedeutendsten Strömung in der amerikanischen Kunst und blieb fast das gesamte 19. Jahrhundert hindurch tonangebend. Begründer der so genannten Hudson River School war Thomas Cole, der um 1830 dramatische romantische Landschaften zu malen begann. Sein entscheidender Beitrag zur amerikanischen Malerei bestand neben seinen phantastischen Architekturbildern in gefühlvollen Interpretationen der Schönheit der amerikanischen Wildnis, die er besonders entlang des Hudson River malte. Dabei entfernte er sich von den Motiven seiner europäischen Vorbilder, zu denen auch Claude Lorrain gehörte.
Die Maler der zweiten Generation der Hudson River School, die etwa zwischen 1850 und 1870 arbeiteten, stellten die Landschaft in einer realistischeren Art und Weise dar. Indem sie sich besonders auf die Wirkung des Lichtes und der Atmosphäre konzentrierten (Luminismus), schufen sie detailreiche Ansichten von technischer Perfektion. Führender Vertreter dieser Generation war Frederick E. Church, ein Schüler Thomas Coles, dessen Bilder auch Motive aus Südamerika einschließen. Seine großformatigen Darstellungen der amerikanischen Natur wurden im ganzen Land gezeigt und von Publikum und Kritik gefeiert. Dem in Deutschland ausgebildeten Maler Albert Bierstadt war mit seinen großen, theatralischen Gemälden der Rocky Mountains ein ähnlicher Erfolg beschieden.
Auch Still-Leben und Historienmalerei, in denen zahlreiche amerikanische Maler an der Düsseldorfer Kunstakademie ausgebildet worden waren, erlebten in der Zeit zwischen 1845 und 1860 eine Blüte. Ein charakteristisches Beispiel dafür ist das monumentale Historiengemälde George Washington überquert den Delaware (1848, Metropolitan Museum, New York) von Emanuel Leutze.
| 3. | Bildhauerei |
Eine eigenständige Form amerikanischer Bildhauerei wurde durch William Rush begründet, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Anfängen als Schnitzer von Gallionsfiguren die ersten Monumentalskulpturen schuf, betitelt Comedy und Tragedy (1808, Edwin Forrest Home, Philadelphia). Während Rush seine Figuren noch aus Holz schnitzte, entwickelte sich bis 1865 weißer Marmor zum bevorzugten Werkstoff, der im Rahmen des klassizistischen Repräsentationsstiles auch in der Architektur verwendet wurde. Hiram Powers, der mit seiner marmornen Aktskulptur Der griechische Sklave (1843, sechs Repliken) weithin bekannt wurde, gehörte zur ersten Generation amerikanischer Bildhauer, die Skulpturen nach griechischen Vorbildern schufen, beeinflusst von dem Italiener Antonio Canova und dem Dänen Bertel Thorvaldsen.
| 4. | Zwischen Sezessionskrieg und 1. Weltkrieg (1865-1914) |
Die vorherrschenden Strömungen in der amerikanischen Architektur nach dem Bürgerkrieg waren Neugotik und zweiter Empirestil, dessen typisches Merkmal das Mansardendach war. Die Popularität dieser beiden Richtungen beweist eine verstärkte Orientierung nach Frankreich, während die bislang dominierenden englischen Stileinflüsse in Kunst und Architektur immer mehr an Bedeutung verloren.
| 1. | Architektur |
Eine bessere Ausbildung und größeres technisches Können fielen besonders bei jenen amerikanischen Architekten ins Auge, die an der Pariser École des Beaux-Arts studiert hatten. So errichtete Richard Morris Hunt Herrenhäuser für die Familie Vanderbilt im Stil der französischen Schlösser des 16. Jahrhunderts, während das Büro McKim, Mead und White bei der Realisierung seiner Aufträge den Stil der italienischen Renaissance bevorzugte, wie bei den palastartigen Henry Villard Houses (1882-1885) in New York oder der Boston Public Library (1887-1895). Eines der größten Talente dieser Phase war Henry H. Richardson, der mit seinem Entwurf der Trinity Church (1872-1877) in Boston, die im besonders in den achtziger Jahren des Jahrhunderts populären romanischen Stil errichtet wurde, ein ausgeprägtes Gespür für ein harmonisches Verhältnis von Masse und Detail bewies.
Im späten 19. Jahrhundert erwies sich die amerikanische Architektur als stilbildend bei zwei Gebäudetypen: dem Landhaus und dem Wolkenkratzer. Der amerikanische Schindelstil war aus dem Queen-Anne-Stil hervorgegangen, wie ihn die englischen Architekten Norman Shaw und William Burges modifiziert hatten. Mit seinen um ein großes Wohnzimmer herum angelegten Räumen markiert er die Entwicklung hin zum offenen Grundriss, der einen mühelosen Übergang zwischen Innen- und Außenräumen ermöglichte und zu einem Kennzeichen der modernen Architektur zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden sollte. Die Erfindung des Fahrstuhls, der sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts durchzusetzen begann (ab 1887 elektrisch), war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Errichtung höherer Bürogebäude, für die besondere Bauvorschriften galten, doch erst die Entwicklung der Stahlrahmenkonstruktion für das Home Insurance Company Building in Chicago (1885, 1931 abgerissen), das William Le Baron Jenney entworfen hatte, ebnete den Weg für völlig neue Wege des Hochhausbaus. Bahnbrechende Leistungen auf diesem Gebiet erbrachte die so genannte Chicago School, zu deren wichtigsten Vertretern Louis Henri Sullivan gehörte.
Die Architekturstile, die seit 1890 in den USA Verbreitung gefunden hatten, wirkten auch ins 20. Jahrhundert fort. Hochhäuser wurden mit historisierenden Stilelementen aus der Neoromantik oder Neugotik verziert, wie das Woolworth Building (1909-1913, New York) von Cass Gilbert.
| 2. | Malerei |
| 2.1. | Malerei des späten 19. Jahrhunderts |
Im Spätwerk von George Inness erreichte die amerikanische Landschaftsmalerei ihren Höhepunkt. Nach dem Vorbild der französischen Schule von Barbizon verband dieser einen ausgeprägten Naturalismus in der Darstellung mit einem feinen Gespür für die Stimmungen der Natur. Ab 1870 formierte sich eine Gruppe amerikanischer Maler, zu der u. a. Frank Duveneck, William Merritt Chase und J. Frank Currier gehörten, an der Münchner Kunstakademie, wo sie sich eine Malweise alla prima mit kräftigen Farben aneigneten. John Singer Sargent wurde der populärste angloamerikanische Porträtist seiner Zeit.
Die beiden führenden Maler im Amerika des 19. Jahrhunderts waren Winslow Homer und Thomas Eakins. In seinen ersten Bildern beschäftigte sich Homer, der seine Laufbahn als Illustrator begonnen hatte, mit dem Landleben, wobei es ihm besonders die Welt der Kinder angetan hatte, wie sie in seinem Bild Snap the Whip (1872, Butler Institute, Youngstown, Ohio) einfühlsam dargestellt ist. Ab 1880 erscheint in seinen Gemälden das Meer als zentrale Metapher für die Hilflosigkeit des Menschen angesichts seines Schicksals. Noch düsterer wurde sein Blick in späten Werken wie Die Fuchsjagd (1893, Pennsylvania Academy of the Fine Arts, Philadelphia) oder Der Golfstrom (1899, Metropolitan Museum of Art, New York). Eakins dagegen begann mit einem fast wissenschaftlichen Naturalismus, etwa in seinen Bildern mit Bootfahrern, wandte sich später jedoch verstärkt dem Porträt zu. Sein wohl bekanntestes Gemälde stellt den Chirurgen Dr. Samuel Gross dar, wie dieser vor Medizinstudenten einen chirurgischen Eingriff vornimmt (Die Gross-Klinik, 1875, Jefferson Medical College, Philadelphia).
Anregend für die amerikanische Malerei des 20. Jahrhunderts waren auch die illusionistischen Still-Leben von William M. Harnett und seinen Schülern. Gleichzeitig fand die romantische Richtung, die seit Washington Allston eine wichtige Rolle in der amerikanischen Kunst spielte, ihren Ausdruck in einer neuen Schule der Landschaftsmalerei. Zu ihren bekanntesten Vertretern zählten William Morris Hunt, John La Farge, Ralph Blakelock, der besonders durch seine Nachtstücke mit Mondlicht populär wurde, und Albert Pinkham Ryder mit seinen imaginären Sujets.
Der wohl bekannteste und einflussreichste amerikanische Künstler um die Jahrhundertwende war James Abbott McNeill Whistler, der den größten Teil seiner Schaffenszeit in Paris und London verbrachte und in seinen Bildern zu einer beinahe abstrakt wirkenden Oberflächenbehandlung gelangte. Eine weitere amerikanische Künstlerin, die im Ausland lebte, war Mary Cassatt, die im Umkreis des französischen Impressionismus in enger Verbindung mit Edgar Degas stand. Ihre Bewunderung für den japanischen Holzschnitt kommt in zahlreichen Bildern zum Ausdruck, die sich nach 1890 mit ihrem Lieblingsthema Mutter und Kind beschäftigen.
| 2.2. | Malerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts |
Die beiden dominierenden Stilrichtungen in der amerikanischen Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der akademische Stil mit seinen idealistischen Themen und die impressionistisch geprägte Malerei, die sich vornehmlich mit dem Leben der Aristokratie auf dem Land beschäftigte, ließen in ihren Bildern Themen wie das Stadtleben mit seinen zahlreichen Motiven ausgeklammert. Die Anregung Robert Henris an seine Schüler, sich verstärkt mit zeitgenössischen Themen auseinanderzusetzen, wurde von Künstlern wie George Luks, William Glackens, John Sloan oder Everett Shinn aufgegriffen, die ihre Erfahrung als Zeitungsillustratoren benutzten, um das Leben in der Stadt in seinen verschiedenen Facetten darzustellen. Der skizzenhafte Charakter und schonungslose Realismus ihrer Bilder stieß von offizieller Seite auf rigorose Ablehnung. 1908 stellten sie unter der Bezeichnung The Eight (englisch: Die Acht) ihre Werke aus. Als Avantgardebewegung war die Gruppe, die auch als Ashcan School (englisch: Mülltonnenschule) bekannt wurde, jedoch nur kurzlebig, da ihnen die moderne Malerei des 20. Jahrhunderts den Rang ablief. Sie begann sich nach der Armory Show auch in den USA durchzusetzen, jener Epoche machenden Ausstellung moderner Kunst aus Europa und Amerika, die 1913 in New York stattfand.
| 3. | Bildhauerei |
Nach dem Bürgerkrieg, als beinahe jeder führende Bildhauer in Paris studierte, stand auch die amerikanische Bildhauerei unter französischem Einfluss. Bronze begann den weißen Marmor vorangegangener Epochen als Material zu ersetzen. Die Marmorskulptur selbst wurde bildhafter, da die kompakten einfachen Formen der Klassizisten jetzt offeneren Formen wichen. Die führenden Vertreter der neuen Bildhauerkunst waren Augustus Saint-Gaudens, Daniel Chester French und Frederick MacMonnies.
| 5. | Entwicklungen nach dem 1. Weltkrieg |
Nach dem 1. Weltkrieg erreichte die amerikanische Kunst internationales Format und Weltgeltung, da nun Architekten, Maler und Bildhauer neue, von Europa abweichende Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks suchten und neue Formen entwickelten.
| 1. | Architektur |
Während im Osten der USA im Zug des aufkommenden Internationalen Stiles europäischer Einfluss vorherrschte, entwickelte sich in Kalifornien ein eigener Wohnhausstil. Eingeleitet wurde er von Irving Gill, einem Schüler Sullivans, mit Hauskuben, die sich an der spanischen Missionsarchitektur orientierten. Öffentliche Gebäude wurden oft im georgianischen und neoromanischen Stil errichtet, wobei der Innenausbau an die Bedürfnisse des 20. Jahrhunderts angepasst wurde.
| 1.1. | Frank Lloyd Wright |
Frank Lloyd Wright begann seine Laufbahn im Büro Louis Henri Sullivans. In den Jahren vor dem 1. Weltkrieg setzte er neue Maßstäbe mit den Entwürfen für seine Präriehäuser, die hauptsächlich in den Vororten Chicagos errichtet wurden und sich durch zweckmäßig gegliederte, aber doch einheitliche und einfache Räume auszeichneten: Innen- und Außenräume gehen ineinander über, und die lang gezogenen Horizontalen der Traufen simulieren gleichzeitig die Weite des mittleren Westens. Die Veröffentlichung dieser Entwürfe 1910 in Deutschland sollte von entscheidendem Einfluss auf die moderne Baukunst im Europa der zwanziger Jahre sein. 1936 entwickelte Wright diese Idee bei der Gestaltung des Fallingwater House weiter, eines Landhauses bei Pittsburgh (Pennsylvania). Das Gebäude ragt über einen Wasserfall, und seine Glaswände suggerieren ein Ineinanderübergehen von Innen- und Außenräumen. Später bevorzugte Wright Beton für seine Bauten, denen in der Regel ein strenges geometrisches Prinzip zugrunde lag. Deutlich wird dies besonders an seinem spiralförmigen Entwurf für das New Yorker Guggenheim Museum (1956-1959).
| 1.2. | Internationaler Stil und jüngere Tendenzen |
Mit zunehmender Bedeutung des Ingenieurbaues und der Immigration wichtiger europäischer Architekten, die zu einem großen Teil durch die Tradition des Bauhauses geprägt waren, entstand in den dreißiger und vierziger Jahren der so genannte Internationale Stil. Architekten der Moderne, die im nationalsozialistischen Deutschland keine Aufträge mehr erhielten, wie Rudolph Schindler, Richard Neutra, Walter Gropius, Marcel Breuer oder Ludwig Mies van der Rohe brachten die Idee des Neuen Bauens nach Amerika, eine funktionale, kostengünstige und im Ausdruck klare, schmucklose, oft abstrahierende Bauweise. Sie nahmen in den USA ihre Lehrtätigkeit auf und begründeten eigene Schulen, wie das New Bauhaus von László Moholy-Nagy in Chicago, die bis in die siebziger Jahre hinein prägend sein sollten. Mies van der Rohe, einer der einflussreichsten Vertreter dieser Gruppe, entwickelte den Stahlskelettbau mit nichtragenden, meist verglasten, eingehängten Außenwänden.
Philip Johnson, ein Gropiusschüler, war maßgeblich an der Durchsetzung des Internationalen Stiles in den USA beteiligt. Zusammen mit Mies van der Rohe entwarf er 1958 das Seagram Building in New York. In den achtziger Jahren avancierte er mit seinem AT&T Building in New York (1984) mit Renaissanceelementen und Barockgiebel zu einem der ersten Architekten der eklektizistischen Postmoderne.
Als Reaktion auf die Büro- und Wohntürme, die den Internationalen Stil repräsentieren, bildete sich in den fünfziger Jahren eine Bewegung hin zu einer markanten, geschwungenen Bauweise, eine Tendenz, die sich besonders im Werk Eero Saarinens und Louis Kahns niederschlug. Der nach einem expressiven Baustil strebende Paul Rudolph stand an der Spitze eines Trends, den man als Brutalismus bezeichnet und der vorwiegend Sichtbeton verwendet. In den fünfziger und sechziger Jahren schuf Louis Kahn einige seiner besten Arbeiten, in denen er monumentale Eleganz der Form mit Zweckmäßigkeit verband, so beim Salk Institute (1959-1965, La Jolla, Kalifornien).
I. M. Pei, ein Amerikaner chinesischer Abstammung, entwarf weltweit Bauten, die sich durch ihre Schlichtheit auszeichnen, wie den Mile High Center Komplex (1955) in Denver oder das East Building (1978) der National Gallery of Art in Washington D.C. In den achtziger Jahren entstand seine berühmte Glaspyramide als zentraler Eingangspunkt im Cour Napoleon des Louvre in Paris.
Vertreter der Postmoderne in der Architektur, eines Stiles, der durch Individualität, Komplexität und die spielerische Integration von Stilelementen früherer Epochen gekennzeichnet ist, sind Robert Venturi, Michael Graves, Charles Gwathmey, Robert A. M. Stern und Richard Meier, herausragende Beispiele für diesen Baustil das Portland Building (1982) in Portland (Oregon) von Graves oder das High Museum of Art (1985) in Atlanta (Georgia) von Richard Meier. Die Cogan Residence (1972) in East Hampton (New York) von Charles Gwathmey ist ein Paradebeispiel für postmoderne Wohnhausarchitektur. Der deutschstämmige Architekt Helmut Jahn versieht seine konventionelle Hallen- und Hochhausarchitektur mit Rundungen, Nischen, Metallapplikationen und Marmorverkleidungen, so etwa beim City Spire in New York (1989) und dem Frankfurter Messeturm von 1990.
| 2. | Malerei nach dem 1. Weltkrieg |
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden erstmals Ausstellungen europäischer Malerei der Moderne in den USA gezeigt. So kamen amerikanische Kunststudenten in Kontakt mit Werken Paul Cézannes, der Fauvisten, Pablo Picassos und den ersten Tendenzen der abstrakten Kunst. Seit 1908 stellte der Photograph Alfred Stieglitz in seiner Galerie 291 in New York neben Künstlern der europäischen Moderne Arbeiten von John Marin, Arthur Dove, Max Weber und anderen jungen amerikanischen Künstlern aus.
Nach dem 1. Weltkrieg hatten die Amerikaner kurze Zeit Anteil an verschiedenen Strömungen des Kubismus. Joseph Stella griff den italienischen Futurismus auf und zeigte Bewegung und industriell erzeugte Formen in seinem Bild Brooklyn Bridge (1919, Yale University Art Gallery). Georgia O’Keeffes nahezu abstrakte Kompositionen basierten auf Linien und Formen von Blumen oder typischen Gegenständen des amerikanischen Südwestens.
| 2.1. | Regionalismus |
Der Einfluss der von Stieglitz unterstützten Modernisten wurde in den zwanziger Jahren schwächer, als man sich wieder traditionellen Formen zuwandte. Die am weitesten verbreitete Strömung der neuen gegenständlichen Malerei war der Regionalismus, der den Internationalismus der abstrakten Kunst ablehnte und sich den Alltag auf dem Land oder in der Kleinstadt zum Thema machte. Thomas Hart Benton, die führende Persönlichkeit dieser Bewegung, entwickelte einen monumentalen, plastischen Stil. Grant Woods Malerei war von Detailgenauigkeit geprägt, wobei er die Präzision der flämischen und deutschen Malerei des 16. Jahrhunderts mit großen, einfachen Formen und der Darstellungsweise der amerikanischen Volkskunst in Einklang brachte. Ein Beispiel dafür ist sein bekanntes Werk American Gothic (1930, Art Institute of Chicago). Benton und Wood zeigten ihre Figuren auch mit satirischen Aspekten. Der Regionalismus war die dominierende Kunst in den USA der dreißiger Jahre und geriet bald in die Nähe der Gebrauchsgraphik, als die US-Regierung im Rahmen ihres WPA-Programms (Work Projects Administration) Aufträge für Wandbilder und Plakate in öffentlichen Einrichtungen an Künstler vergab.
| 2.2. | Realismus |
Einer der bekanntesten amerikanischen Maler des 20. Jahrhunderts war Edward Hopper, der sich nur schwer einer zeitgenössischen Strömung zuordnen lässt. Sein bevorzugtes Thema war die Isoliertheit des Menschen in der Großstadt wie in der Provinz. Seine formale Reinheit macht ihn zusammen mit Homer und Eakins zu einem der bedeutendsten Vertreter des gesamten amerikanischen Realismus. Der in den Vereinigten Staaten besonders populäre Andrew Wyeth beschäftigte sich mit Themen seiner unmittelbaren Umgebung und schuf gefühlvolle ländliche Szenen von zurückhaltender Farbgebung.
Eine andere Ausprägung erlebte der amerikanische Realismus während der Zeit der Großen Depression im Rahmen der künstlerischen Tätigkeit jener Maler, die die WPA-Programme mittrugen. Vertreter des Sozialrealismus, der sich mit den Auswirkungen von Armut und Ungerechtigkeit in den USA beschäftigten, sind u. a. Ben Shahn und Jacob Lawrence, der als erster schwarzer Künstler vom weißen Establishment anerkannt wurde.
Der Präzisionismus nahm sich in stilisierter oder hyperrealistischer Weise der Errungenschaften der modernen Zivilisation an. Charles Sheeler etwa führte Auftragsarbeiten für die Industrie aus, die bereits auf den Fotorealismus verweisen.
| 3. | Malerei nach dem 2. Weltkrieg |
| 3.1. | Abstrakter Expressionismus |
Die Künstler des Abstrakten Expressionismus verliehen mit ihrer gestischen Maltechnik und kraftvollen Farbgebung der amerikanischen Nachkriegsmalerei neue Impulse. Ausgangspunkt war die Auffassung der Surrealisten (siehe Surrealismus), dass der Künstler durch automatisch ablaufende, nicht intellektuell gesteuerte Prozesse aus dem Unbewussten Bilder schaffen könnte (Informelle Malerei).
Jackson Pollock entwickelte eine Technik, bei der er die Farbe aus Dosen und vom Pinsel auf riesige Leinwände tropfen (dripping) und anschließend durch Körperbewegungen Muster entstehen ließ. Andere Künstler, die sich auch eines expressiven Duktus und großer Formate bedienten, waren Willem de Kooning, bekannt für seine Darstellungen von Frauen, Robert Motherwell und Franz Kline, deren meditative Malerei an Techniken der Kalligraphie erinnert. Die Farbfeldmalerei (Color-Field-Painting), für die breite, leicht variierte Flächen mit reinen Farben typisch sind, wurde von Künstlern wie Mark Rothko, Barnett Newman oder Clyfford Still perfektioniert. Einen geometrischen Stil vertrat Ad Reinhardt, der, beeinflusst von Piet Mondrian und Rothko, schwarz abgetönte Rechtecke malte, die als Meditationstafeln verstanden werden sollten. Reinhardt galt als einer der Vorläufer der Minimal Art. Für die Entwicklung einer kalifornischen Malerei der sechziger Jahre war Richard Diebenkorn wichtig, der zunächst unter dem Einfluss Rothkos abstrakt malte, und später mit stilisierten Landschaften, in welche er isolierte Figuren stellte, bekannt wurde.
| 3.2. | Pop-Art und Minimal art |
Um 1960 waren zwei verschiedene Bewegungen entstanden, die sich gegen den Abstrakten Expressionismus richteten. Jasper Johns mit seinen kühlen, unbewegten Bildern von Flaggen und anderen Alltagsgegenständen und Robert Rauschenberg, der in seine Collagen Ausschnitte aus den Massenmedien integrierte, waren die Wegbereiter der Pop-Art. Zu deren wichtigsten Vertretern gehörten Andy Warhol und Roy Lichtenstein, die Bilder aus der Werbung oder aus Comics reproduzierten. Zur selben Zeit beschränkten sich die Minimalisten darauf, die rein formalen Oberflächeneigenschaften der Malerei zu unterstreichen.
| 3.3. | Neuere Tendenzen |
In den siebziger und achtziger Jahren gab es in den USA keine dominierende Richtung in der Malerei, sondern eine Vielfalt an Stilen und Techniken, aus denen sich jedoch einige Trends herauskristallisieren lassen. Die Konzeptkunst etwa stellte die Werkidee in den Vordergrund, die Installation (Environment) die sich unterschiedlicher Medien bediente, war eine weitere wichtige Strömung. Die Betonung persönlicher und politischer Inhalte durch die Arbeiten zahlreicher Künstler und Künstlerinnen der siebziger Jahre führte zu einer Neubelebung expressiver und gesellschaftsbezogener Tendenzen in der Kunst.
Die figurative Malerei, die nach dem Krieg von einflussreichen Künstlern wie Milton Avery und Fairfield Porter gepflegt wurde, erlebte nach 1970 eine neue Blüte. Jüngere figurative Maler nahmen ästhetische Konzepte der abstrakten Malerei auf, so etwa Alex Katz in seinen flächigen Landschafts- und Figurenbildern. Der Einfluss der Pop-Art zeigte sich auch im Fotorealismus, bei Richard Estes mit seinen Stadtbildern und Chuck Close mit seinen Großporträts.
Die Vertreter der Neuen Malerei, die mit Jennifer Bartlett, Susan Rothenberg und Neil Jenney Mitte der siebziger Jahre von sich reden machten, spielten eine wichtige Rolle beim Übergang von der abstrakten zur figurativen Kunst. Sie waren die Vorläufer der neoexpressionistischen Bewegung der frühen achtziger Jahre. Der Einsatz fahler Farben, zweideutiger Bildbezüge und simpler, cartoonartiger Motive sollte hier persönliche, provokative Ansichten vermitteln. Dieser Bewegung sind u. a. Julian Schnabel, David Salle, Robert Longo und Eric Fischl zuzurechnen.
| 4. | Bildhauerei |
Der Einfluss des französischen Bildhauers Auguste Rodin beherrschte die amerikanische Skulptur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Erst Paul Manship und Gaston Lachaise führten Reduktion und Stilisierung in die amerikanische Bildhauerei ein. 1916 kehrte Elie Nadelman aus Paris zurück und brachte seinen individuell geprägten Kubismus mit, den er später mit stilisierten Figuren, die durch die Volkskunst beeinflusst waren, hinter sich ließ. John Storrs, Chaim Gross und William Zorach waren ebenfalls frühe abstrakte Bildhauer.
Isamu Noguchi wurde in den späten zwanziger Jahren bekannt. Als Schüler Constantin Brancusis wurde er besonders durch dessen einfache Formgebung und glatt fließende Oberflächen beeinflusst. Alexander Calder, der sich vom biomorphen Surrealismus des Spaniers Joan Miró anregen ließ, erfand das Mobile, mit dem er die Plastik um Bewegung und spontane Wandlungsfähigkeit bereicherte.
Der Konstruktivismus, der sich verschiedener vorgefertigter Elemente bediente, kam Ende der dreißiger Jahre durch deutsche Emigranten in die USA, wobei der Bildhauer Naum Gabo eine führende Rolle spielte, und bildete die Grundlage für die neue amerikanische Bildhauerkunst der vierziger und fünfziger Jahre. David Smith, einer der Exponenten dieser Bewegung, schweißte Stahlplatten und Gegenstände aller Art zusammen. Weitere Formen abstrakter Plastik reichen von den zarten, komplizierten Drahtgeflechten eines Richard Lippold bis zu den riesigen Freilandplastiken von Mark di Suvero und den statisch interessanten Metallflächen des Kaliforniers Fletcher Benton.
Nach 1970 begann für die Bildhauerei wie die Malerei eine Phase des Stilpluralismus. Als Plastiken der Pop-Art entstanden die lebensgroßen weißen Gipsfiguren von George Segal oder die täuschend lebensechten polychromen Kunststofffiguren von Duane Hanson, bemalte Gipsgegenstände und weiche Skulpturen (Soft sculptures) – Nahrungsmittel und andere profane Objekte –, wie sie Claes Oldenburg herstellt. Weitere Erscheinungsformen sind die großflächigen Installationen aus Stahlplatten von Richard Serra, mit denen er Räume im Außenraum errichtet, im Gegensatz zu den hölzernen Innenraumbauten von Louise Nevelson. Erwähnenswert sind außerdem die Erdskulpturen, die sich über große Flächen im Freien erstreckten, und die exakten, symmetrischen Skulpturen der Minimalisten Donald Judd und Sol LeWitt.