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Tulpe

Tulpe, Gattung im Frühling blühender Liliengewächse mit etwa 100 in gemäßigten Regionen Asiens und im Mittelmeergebiet heimischen Arten.

Tulpen haben lange, breite, parallelnervige Blätter und becherförmige, einzelne Blüten, die am Ende des Stängels stehen. Alle Teile einer Tulpe, auch die Zwiebel, enthalten Giftstoffe wie das Tulipin. In Deutschland kommt die bis zu 40 Zentimeter hohe, gelb blühende Wilde Tulpe (auch Wald-Tulpe) als einzige wild lebende Art der Gattung vor. Sie stammt aus dem Mittelmeergebiet, wurde in Deutschland eingeführt und besiedelt hier heute Gebüsche und Weinberge. Als Gartenpflanzen sind Tulpen weit verbreitet und werden in Tausenden von Sorten gezüchtet. Die Blüten der Gartentulpen sind entweder einfach (nur ein Kreis von Blütenhüllblättern) oder doppelt (zwei Kreise) und treten in einer großen Zahl verschiedener, leuchtender Farben in Erscheinung.

Gartentulpen wurden bereits vor einem Jahrtausend in Vorderasien kultiviert. Sie gehen wahrscheinlich vor allem auf eine rot blühende Spezies zurück, in die später weitere Arten eingekreuzt wurden. Um 1560 wurden Tulpen von den Sultansgärten in Konstantinopel nach Augsburg und Wien gebracht und gelangten 1593 nach Holland. Das Interesse an der Tulpenzucht wuchs schnell; in Holland erreichte es 1634 einen Höhepunkt, als eine regelrechte „Tulpenmanie” entstand. Wilde Spekulationsgeschäfte beherrschten den Tulpenmarkt, für Tulpenzwiebeln wurden bis zu mehrere Tausend Gulden pro Zwiebel gezahlt. 1637 wechselten drei Zwiebeln der Sorte ‘Semper Augustus’ sogar für 30 000 Gulden den Besitzer; das entsprach dem Wert eines Bauernhofs. Im selben Jahr platzte die Spekulationsblase, weil sich nicht mehr genug Käufer fanden: Viele Händler und Privatleute, die in Tulpenzwiebeln investiert hatten, waren bankrott. Die Regierung beendete die Krise, indem sie Regeln zur Steuerung des Tulpenmarktes erließ. Die Tulpenzucht etablierte sich langsam als wichtiger Wirtschaftszweig in Holland, und auch heute noch sind Tulpenzwiebeln dort ein bedeutender Exportartikel. Im 17. und 18. Jahrhundert war neben Holland auch der Berliner Raum für die Tulpenzucht von Bedeutung.

Tulpensorten werden u. a. aufgrund ihres Blühzeitpunkts zu so genannten Klassen zusammengefasst: Zu den bekanntesten Klassen gehören die ‘Darwin’-Tulpen, spät blühende Formen mit großem, kräftigem Stängel und Blütenblättern, die an den Enden gekräuselt sind. Eine andere beliebte Klasse sind die ‘Papageien’-Tulpen, die ebenfalls spät blühen. Die früh blühenden ‘Duc-van-Tol’-Tulpen werden nur selten größer als 15 Zentimeter. ‘Rembrandt’-Tulpen sind aufgrund einer Viruserkrankung, die durch Blattläuse von Pflanze zu Pflanze übertragen wird, mehrfarbig „geflammt”; sie waren zur Zeit des holländischen „Tulpenrausches” besonders begehrt.

Tulpenzwiebeln sollten vor dem Winter im Freiland in die Erde gepflanzt werden, denn um im Frühjahr blühen zu können, müssen sie einer Kälteperiode ausgesetzt gewesen sein. Dieses Verfahren, das Blühen durch eine Kälteperiode einzuleiten, bezeichnet man als Vernalisation.

Systematische Einordnung: Tulpen bilden die Gattung Tulipa der Familie Liliaceae. Die Wilde Tulpe heißt botanisch Tulipa sylvestris. Gartentulpen werden als Tulipa gesneriana agg. bezeichnet; sie gehen u. a. auf die Spezies Tulipa suaveolens zurück (agg. steht für Aggregation und bedeutet: Sammelart als Zusammenfassung mehrerer schwer unterscheidbarer Arten).