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Humanismus

Humanismus (von lateinisch humanitas: Menschlichkeit), eine Haltung in der Philosophie, die die Würde und den Wert des Individuums betont. Der Begriff Humanismus wird meist als Bezeichnung für eine literarische und kulturelle Strömung verwendet, die im 14. und 15. Jahrhundert in ganz Westeuropa verbreitet war und sich an der klassischen Antike orientierte.

Die humanistische Bewegung ging von Italien aus, wo sich insbesondere Schriftsteller wie Dante Alighieri, Giovanni Boccaccio, Francesco Petrarca und Pico della Mirandola um den Humanismus verdient machten. Weitere Impulse erhielt die Bewegung durch den Zustrom byzantinischer Gelehrter, die nach der Besetzung Konstantinopels durch die Türken (1453) nach Italien kamen, sowie durch die Gründung der Akademie in Florenz. Die Akademie, deren führender Denker Marsilio Ficino war, wurde im 15. Jahrhundert von dem Florentiner Staatsmann und Kunstmäzen Cosimo de' Medici gegründet. Sie war der Wiederbelebung des Platonismus gewidmet und hatte auch auf Literatur, Malerei und Architektur der Zeit großen Einfluss.

Das Sammeln und Übersetzen von klassischen Manuskripten wurde hauptsächlich unter dem höheren Klerus und Adel zur weitverbreiteten Beschäftigung. Die Erfindung des Buchdruckes mit bewegbaren Lettern, um die Mitte des 15. Jahrhunderts, gab dem Humanismus und der Verbreitung der klassischen Werke einen weiteren Aufschwung. Der italienische Humanismus entwickelte sich hauptsächlich auf dem Gebiet der Literatur und Kunst, während sich die Bewegung in Mitteleuropa auch auf andere Gebiete erstreckte. So verfochten etwa die deutschen Gelehrten Johannes Reuchlin und Melanchthon Programme einer humanistischen Theologie und Erziehung und ebneten damit nicht zuletzt auch den Weg für die Reformation.