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| 3. | Klassizismus und Sentimentalismus (18. Jahrhundert) |
Mit der „Europäisierung” Russlands durch Peter den Großen fand die westliche Kulturtradition endgültig Eingang in die Literatur des Landes. Russische Autoren orientierten sich an Autoren des Klassizismus wie Nicolas Boileau-Despréaux, Johann Christian Günther und Martin Opitz. Zentrale Figuren waren dabei die Satiriker A. D. Kantemir und A. P. Sumarokow sowie der Theoretiker Wassilij Kirillowitsch Trediakowskij. Nach deutschem Muster wurde das syllabische Versmaß durch das syllabotonische ersetzt, das der Eigenart des Russischen eher entsprach. Die Komödie erlebte einen Aufschwung: Katharina II., die selbst Dramen schrieb, war ihre größte Förderin. Als bedeutendster Vertreter der klassizistischen Komödie in Russland gilt Denis Fonwisin, der sich an Molière orientierte, gleichzeitig aber originär russische Typen und Formen auf die Bühne brachte, wie in Brigadir (1786; Der Brigadier) oder Nedorosl (1789; Der Landjunker). Der Lyriker Gawriil Romanowitsch Derschawin lieferte wichtige Beiträge zur russischen Variante der Ode.
Angeregt von den Ideen der Aufklärung, normierte Michail Wassiljewitsch Lomonossow in seiner Theorie von den drei Stilen (Razgovor o starom i novom pravopisanii, 1748) die russische Literatursprache. Erst mit dieser Schrift begann sich das weltliche Schrifttum gegenüber dem religiösen durchzusetzen. Darüber hinaus lieferte Lomonossow wichtige Beiträge zur russischen Literaturtheorie, die er an eigenen Werken (vornehmlich Oden) demonstrierte. Nach der Französischen Revolution gab Katharina II. ihre Rolle als Mäzenin weitgehend auf. N. I. Nowikow, ein Herausgeber satirischer Zeitschriften, wurde verhaftet, der Satiriker Alexander Nikolajewitsch Radischtschew, dessen Putešestvie iz Peterburga v Moskvu (1790; Reise von Petersburg nach Moskau) die Leibeigenschaft anprangerte, 1790 nach Sibirien verbannt. Allmählich begann sich der so genannte Sentimentalismus durchzusetzen, der sich von der westeuropäischen Literatur der Empfindsamkeit beeinflusst zeigte. Einer seiner wichtigsten Vertreter war Nikolaj Michajlowitsch Karamsin, der vornehmlich Erzählungen (Bednaja Liza, 1792; Die arme Lisa) schrieb und auch durch seine Reisebeschreibung Pis’ma russkogo putešestvennika (1799-1801; Briefe eines russischen Reisenden) europäisches Gedankengut in Russland bekannt machte. Indem er die russische Literatursprache endgültig von kirchenslawischen Elementen zu befreien versuchte, machte er sich zum Wortführer der so genannten Neuerer, die sich mit den Archaisten um A. S. Schischkow hinsichtlich dieser Frage einen heftigen Disput lieferten.