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Ferdinand Lassalle (1825-1864), deutscher Politiker und Publizist. Lassalle wurde am 11. April 1825 als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Händlers in Breslau geboren. Zwischen 1843 und 1846 studierte er in Breslau und Berlin Philosophie, Philologie und Geschichte. Während einer Parisreise im Jahr 1845 kam er mit den sozialistischen Ideen von Louis Blanc und Joseph Proudhon in Berührung. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland vertrat er die Sozialistin Sophie Gräfin von Hatzfeld-Trachenberg in ihrem Scheidungsprozess und machte sich dadurch vor allem im Rheinland einen Namen. Während der Februarrevolution in Frankreich von 1848 schloss er sich als Radikaldemokrat dem Kreis um Karl Marx und Friedrich Engels und die Neue Rheinische Zeitung an und nahm aktiv an der Märzrevolution teil. 1849 wurde er wegen „Beleidigung des Generalprokurators” zu sechs Monaten Haft verurteilt.
In den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts entwickelte Lassalle in Auseinandersetzung mit der Philosophie Hegels in einer Reihe theoretischer Schriften eine eigene Staats- und Gesellschaftstheorie. Wie für Marx war auch für ihn die Überwindung des Kapitalismus und die Schaffung einer sozialistischen Gesellschaft das Endziel. Anders als Marx glaubte er jedoch, dass der Staat, den er nach wie vor für notwendig hielt, mit friedlichen Mitteln, z. B. über Stimmzettel, verändert werden könne, und kämpfte deshalb u. a. für die Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts und die Einführung des allgemeinen Wahlrechts. Zur Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln und der sozialen Ungleichheiten schlug er staatlich geförderte und beaufsichtigte Produktivassoziationen vor. Nichtstaatliche Genossenschaften, Gewerkschaften und ähnliche Selbsthilfeorganisationen dagegen lehnte er ab, da sie das „eherne Lohngesetz” (Lassalles Lohntheorie, wonach der Durchschnittslohn langfristig nicht über das Existenzminimum steigen würde) nicht überwinden könnten. Nur durch die Überwindung dieses Lohngesetzes konnte seiner Meinung nach das Proletariat seinen Lebensstandard in der kapitalistischen Gesellschaft verbessern.
Am 1. März 1863 legte Lassalle in einem Offenen Antwortschreiben dieses politische Programm für einen allgemeinen deutschen Arbeiterkongress dar, und auf der Grundlage des Lassalle’schen Programms wurde am 23. Mai 1863 der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) gegründet; Lassalle wurde zu seinem ersten Präsidenten gewählt. Als politische Organisation hatte der von Marx und Engels kritisierte ADAV nur geringe Bedeutung. 1863/64 trat Lassalle in Kontakt zu Bismarck, um sich bei ihm für das Programm des ADAV, u. a. das allgemeine Wahlrecht einzusetzen. Lassalle starb am 31. August 1864 in Genf an den Folgen eines Duells.
1875 ging der ADAV in der von August Bebel und Wilhelm Liebknecht 1869 gegründeten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei auf, der Vorläuferin der SPD; Lassalles Theorien jedoch wirkten weiterhin entscheidend auf die sozialdemokratische Programmatik. Zu Lassalles wichtigsten Werken gehören Die Philosophie des Herakleitos (2 Bde., 1858), Das System der erworbenen Rechte (2 Bde., 1861) und Das Arbeitsprogramm (1863).