Persien
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Persien
4. Die Sassaniden

224 n. Chr. riss Ardaschir I., ein persischer Vasallenkönig, die Macht des zerfallenden Partherreiches an sich und gründete eine neue persische Dynastie, die Sassaniden-Dynastie. Dieses Herrschergeschlecht begriff sich als Erneuerer des untergegangenen Achaimenidenreiches. Ardaschir kämpfte im Westen gegen Rom und marschierte in Indien ein, wobei er von den Herrschern des Punjab hohe Tribute forderte; darüber hinaus eroberte er Armenien. Außerdem machte er den Zoroastrismus zur Staatsreligion Persiens.

Im Jahr 240 n. Chr. folgte Ardaschirs Sohn Schapur I. auf den Thron; dieser führte zwei erfolgreiche Kriege gegen das Römische Reich und wehrte so den römischen Vormarsch im Vorderen Orient ab. Er eroberte Gebiete in Mesopotamien und Syrien sowie einen großen Teil Kleinasiens und bereitete Rom ein militärisches Desaster. Zwischen 260 und 263 verlor er die eroberten Gebiete wieder an Odaenathus, den Fürsten von Palmyra, der Rom zu Hilfe eilte. In religiöser Hinsicht förderte Schapur den Manichäismus, gegenüber den Christen zeigte er Toleranz. Die Nachfolger Schapurs sahen sich mit einem Zweifrontenkrieg konfrontiert und gezwungen, im Westen Zugeständnisse an die Römer zu machen. Schapur II. (Regierungszeit 309-379) eroberte die verlorenen Gebiete jedoch in drei aufeinander folgenden Kriegen gegen die Römer zurück. Zuvor konnte er die im Osten einfallenden Hunnen zurückschlagen, die sich daraufhin nach Europa wandten und die Germanische Völkerwanderung auslösten.

Yazdgard I., der von 399 bis 420 regierte, gewährte zwar anfangs den persischen Christen Religionsfreiheit, wandte sich später wieder dem Zoroastrismus zu und begann die Christen zu verfolgen. Das Christentum war inzwischen zur Staatsreligion Roms avanciert. Die Christenverfolgungen wurde von seinem Sohn und Nachfolger Bahram V. fortgeführt, der 420 Rom den Krieg erklärte. 422 besiegten die Römer Bahram. Im Friedensvertrag sagten die Römer zu, die Zoroastrier im Römischen Reich zu tolerieren, sofern diese Toleranz auch den Christen in Persien gewährt würde. 424 erklärten die persischen Christen ihre Unabhängigkeit von der westlichen Kirche.

Ende des 5. Jahrhunderts wurde die Bedrohung durch die Hunnen immer größer. Sie besiegten 483 den persischen König Firuz II. und forderten daraufhin einige Jahre lang hohen Tribut. Noch im selben Jahr wurde der Nestorianismus, für den die persischen Christen eintraten, zur neuen Staatsreligion. Im Machtkampf mit dem Adel setzte Kawadh I. zeitweise auf die sozialrevolutionären Lehren des Religionsstifters Mazdak. Im Osten gelang es ihm, die vordringenden Hunnen abzuwehren.

Kawadhs Sohn und Nachfolger Chosrau I. konnte Erfolge im Krieg gegen den oströmischen Kaiser Justinian I. verbuchen und dehnte seine Macht bis zum Schwarzen Meer und zum Kaukasus aus. Unter ihm und seinen Nachfolgern erlebte das Reich eine letzte Blütezeit. Er führte eine Verwaltungsreform durch und machte den Zoroastrismus wieder zur Staatsreligion. Sein Enkel Chosrau II. begann 602 einen langen Krieg gegen das Byzantinische Reich und eroberte bis 616 fast den ganzen Südwesten Kleinasiens sowie Ägypten. Eine weitere Ausdehnung wurde von dem byzantinischen Kaiser Herakleios unterbunden, der die Perser zwischen 622 und 627 in ihre ursprünglichen Grenzen verwies. Krieg und Bürgerkrieg erschöpften die Ressourcen des einstmals mächtigen Reiches. Der letzte Sassanidenherrscher war Yazdgard III. Während seiner Regierungszeit (632-641) marschierten die Araber in Persien ein. Persien wurde Teil des islamischen Weltreiches, der Zoroastrismus durch den Islam ersetzt.