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Austroasiatische Sprachen

Austroasiatische Sprachen, wichtige südostasiatische Sprachfamilie mit drei großen untergeordneten Sprachfamilien: Munda, das von mehreren Millionen Menschen in Ostindien gesprochen wird, Nikobaresisch mit circa 20 000 Sprechern auf den Nikobaren (westlich von Thailand), und Mon-Khmer, das in zwölf Sprachzweige mit fast 100 Sprachen aufgeteilt ist und insgesamt von etwa 70 Millionen Menschen in Südostasien gesprochen wird. Daneben gibt es noch Aslian, das von circa 55 000 Sprechern auf der Malaiischen Halbinsel gesprochen wird. Nur wenige dieser Sprachen haben eine Schrifttradition. Zu den Mon-Khmer-Sprachen gehören Khmer, die Nationalsprache von Kambodscha, Mon, eine eng verwandte Sprache, die in Teilen von Burma und Thailand gesprochen wird, Khasi und Vietnamesisch.

Die Munda-Sprachen sind mehrsilbig. Sie unterscheiden sich von anderen austroasiatischen Sprachen in der Wortbildung und Satzstruktur (siehe indische Sprachen). In der Unterfamilie der Mon-Khmer-Sprachen haben Khmer und Mon viele Wörter aus den indischen Sprachen Sanskrit und Pali entlehnt. Im Viet-Muong, einem Zweig der Mon-Khmer-Sprachen, wurde das Vietnamesische stark vom Chinesischen beeinflusst. Es ist monosyllabisch (die Wörter bestehen aus nur einer Silbe) und besitzt, wie andere Viet-Muong-Sprachen, ein komplexes Tonsystem. Einige andere Mon-Khmer-Sprachen weisen einfache Tonsysteme auf. Sehr viel häufiger sind aber Differenzierungen in der Vokalqualität: gemurmelt, knarrend oder stimmhaft. Die Lautsysteme der austroasiatischen Sprachen sind insofern ungewöhnlich, als sie eine große Anzahl von Vokalen enthalten, oft bis zu 35. Suffixe (Nachsilben) gibt es in den Mon-Khmer-Sprachen nicht, Präfixe (Vorsilben) und Infixe (Zwischensilben) sind jedoch allgemein üblich. Partikel, die am Satzende stehen, können die Haltung des Sprechers ausdrücken. Spezifische Modifikatoren, so genannte Expressiva, vermitteln die Vorstellung von Farben, Geräuschen und Gefühlen. In einigen Sprachen gibt es keine stimmhaften Verschlusslaute wie g, d und b. Wörter können mit palatalisierten Konsonanten wie ñ enden. Weitere bedeutungsunterscheidende Laute sind u. a. die Implosive d und b, die durch das Einziehen der Atemluft erzeugt werden.

Mon und Khmer werden mit aus dem Indischen abgeleiteten Alphabeten geschrieben, die an die komplexere Phonologie dieser Sprachen angepasst wurden. Vietnamesisch schrieb man einige Jahrhunderte lang mit modifizierten chinesischen Schriftzeichen. 1910 wurde jedoch ein Schriftsystem übernommen, das das lateinische Alphabet mit zusätzlichen Zeichen nutzt. Dieses im Jahr 1650 entwickelte Schriftsystem war das erste, mit dem sich Tonhöhen notieren ließen. Dafür benutzt es Akzentzeichen. Die meisten anderen austroasiatischen Sprachen besitzen erst seit weniger als 100 Jahren ein Schriftsystem. Im Allgemeinen ist der Anteil der Analphabeten recht hoch.