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| 1. | Einleitung |
Amerikanisches Englisch, Variante der englischen Sprache, die in den Vereinigten Staaten gesprochen wird. Es unterscheidet sich weniger in Syntax und Morphologie als in Aussprache, Wortschatz und Orthographie. Die Dialekte, die als amerikanisches Standardenglisch bezeichnet werden, verfügen über ausreichend gemeinsame Merkmale, um die Sprache in ihrer Gesamtheit vom britischen Standardenglisch oder dem australischen Englisch zu unterscheiden (siehe englische Sprache).
Die Unterschiede in der Aussprache und im Tonfall zwischen dem gesprochenen amerikanischen Englisch und anderen Varianten dieser Sprache sind leicht zu erkennen. In der Schriftform ist es jedoch oft schwer zu entscheiden, ob ein Text in England, den USA oder einem anderen Teil der englischsprachigen Welt geschrieben wurde.
Der amerikanische Lexikograph Noah Webster war einer der ersten, der die zunehmenden Abweichungen zwischen dem amerikanischen und britischen Sprachgebrauch erfasste. In seinem American Dictionary of the English Language (1828) unterstrich er diese Unterschiede, indem er zahlreiche neue amerikanische Worte aufnahm, alten Wörtern einheimische Bedeutungen hinzufügte, Änderungen in der Aussprache und eine Reihe von Rechtschreibreformen verzeichnete, die er entwickelt hatte (-er statt des britischen -re, -or statt -our, check anstelle von cheque). Webster ging so weit vorherzusagen, dass sich die amerikanische Sprache eines Tages zu einer eigenständigen Sprache entwickeln würde. Einige Autoren, vor allem H. L. Mencken, der The American Language (3 Bde., 1936-1948) zusammenstellte, vertraten die Auffassung, dass es sich um eine eigene Sprache handelt, aber die meisten Experten stimmen überein, dass es sich beim amerikanischen Englisch um einen Dialekt des britischen Englisch handelt.
| 2. | Beispiele des amerikanischen Englisch |
Im ausgehenden 19. und im frühen 20. Jahrhundert konzentrierte sich das Studium des amerikanischen Englisch in erster Linie auf die Identifikation von Amerikanismen und der Etymologie von Amerikanismen im Wortschatz: Worte, die aus Indianersprachen entlehnt wurden (mugwump, „Bonze”, caucus, „Wahlversammlung”), Worte, die erhalten blieben, nachdem sie in Großbritannien aus dem Wortschatz verschwunden waren (bug als Bezeichnung für Insekten im Allgemeinen anstelle des spezifischen Gebrauchs von bedbug, „Wanze” in Großbritannien), oder Worte, die in der Neuen Welt eine Bedeutungsänderung erfahren haben (corn, was im amerikanischen Englisch nur „Mais” bedeutet, nicht „Korn” im Allgemeinen. Mais heißt im britischen Englisch maize.) Es wurde gezeigt, dass sich eine große Anzahl amerikanischer Begriffe (elevator „Aufzug”, truck „Lastwagen”, hood „Motorhaube”, windshield „Windschutzscheibe”, garbage collector „Müllmann”, drugstore, ein Laden, in dem man neben Medikamenten auch andere Artikel des täglichen Bedarfs kaufen kann) von ihren britischen Pendants unterscheiden (respektive: lift, lorry, bonnet, windscreen, dustman, chemist’s). Solche lexikalischen Unterschiede zwischen der amerikanischen und der britischen Hochsprache existieren noch immer, aber englischsprachige Menschen haben kaum Probleme, miteinander zu kommunizieren. In der jüngeren Vergangenheit wandten Sprachwissenschaftler ihre Aufmerksamkeit dem Studium der verschiedenen Varianten des amerikanischen Englisch und deren gesellschaftlichen und historischen Ursachen zu.
| 1. | Regionale Dialekte |
Regional ausgerichtete Untersuchungen vor 1940 unterschieden drei regionale Hauptdialekte des amerikanischen Standardenglisch, die jeweils verschiedene Unterdialekte aufweisen. Der nördliche oder neuenglische Dialekt wird in Neuengland und im Staat New York gesprochen. Einer seiner Unterdialekte ist das New Yorkese, das in New York City zu finden ist. Der Midland oder General American Dialekt ist an der Ostküste von New Jersey bis nach Delaware zu hören, mit Varianten, die in einer Gegend gesprochen werden, die vom Upper Ohio Valley, West Virginia, dem östlichen Kentucky und Tennessee eingegrenzt wird. Der südliche Dialekt mit seinen Varianten wird von Delaware bis nach South Carolina gesprochen. Diese Dialekte haben sich nach der damaligen Lehrmeinung von den jeweiligen Sprachzentren über den Rest des Landes verbreitet und vermischt.
| 2. | Soziolekte |
Soziolekte weichen sowohl im Wortschatz als auch in der Grammatik vom amerikanischen Standardenglisch ab und können von den Sprechern der Standardsprache nicht immer verstanden werden. Die Variante des amerikanischen Englisch, die die deutlichsten Abweichungen in Wortschatz und Grammatik aufweist, ist der Soziolekt Gullah, der eigentlich eine Kontaktsprache darstellt, oder Kreolisch, das von Schwarzen in den Ebenen von Georgia und South Carolina, aber auch im Südosten von Texas gesprochen wird. Gullah, das das schwarze Englisch des 17. und 18. Jahrhunderts mit einigen Westafrikanischen Sprachen verbindet, gab dem amerikanischen Englisch Worte wie goober („Erdnuss”), gumbo („Okra”) und voodoo. Es ist der Dialekt, der in dem Roman Porgy (1925) des amerikanischen Autors DuBose Heyward wiedergegeben wird. Me beena shum (I was seeing him/her/it, „ich sah ihn/sie/es, als ...”) ist für einen Sprecher des amerikanischen Standardenglisch kaum zu verstehen.
Beim Pennsylvania Dutch, einem weiteren, deutlich zu unterscheidenden Dialekt, handelt es sich um ein Englisch, das von wörtlichen Übersetzungen aus dem Deutschen beeinflusst ist, das die Siedler Pennsylvanias ursprünglich sprachen. In diesem Dialekt sind Konstruktionen wie he may come back bothsides, ain’t? (he might come back on either side, mightn’t he? „Er könnte von beiden Seiten zurückkommen, oder?”) möglich.
| 3. | Das Englisch der Schwarzen |
Bis zum 19. Jahrhundert sprachen die meisten Schwarzen im gesamten Land ein Kreolisch, das dem Gullah und dem westindischen Englisch ähnelte. Vor allem im 20. Jahrhundert fand eine schnelle Annäherung an den Wortschatz und die Grammatik des amerikanischen Standardenglisch statt, die jedoch nie zur Gänze vollzogen wurde. Das Englisch der Schwarzen in den Städten weist charakteristische Redewendungen wie he busy (he is busy, „er ist beschäftigt”) im Gegensatz zu he be busy (he is busy indefinitely „er ist auf unabsehbare Zeit beschäftigt”) auf, oder she been said that um eine Handlung auszudrücken, die in der Vergangenheit stattgefunden hat (she had said that „sie hatte gesagt, dass ...”). Das Englisch der Schwarzen leistet bis heute einen reichen Beitrag zum Wortschatz des amerikanischen Englisch, vor allem im Bereich der Musik, z. B. des Jazz – vom Wort jazz angefangen, zu Begriffen wie nitty-gritty „zur Sache kommen”, uptight „steif”, „verklemmt”, aber auch „bankrott” und O.K. Das Letztere, von dem man mittlerweile annimmt, dass es afrikanischen Ursprungs ist, ist ein Amerikanismus, der in der ganzen Welt verbreitet ist.
| 3. | Entwicklung des amerikanischen Englisch |
Englische Chronisten des 18. Jahrhunderts bemerkten die erstaunliche Gleichförmigkeit der Sprache, die mit Ausnahme der Sprache der Sklaven in den amerikanischen Kolonien gesprochen wurde. (Untervarianten des Englischen wurden jedoch von Indianern und anderen Gruppen nichtbritischer Herkunft gesprochen.) Der Grund für diese Gleichförmigkeit liegt darin, dass die ersten Siedler aus den unterschiedlichsten Teilen Englands kamen, das sie aus religiösen Gründen verlassen hatten. Daher wurden die dialektalen Unterschiede schnell eingeebnet.
| 1. | Anwachsen des amerikanischen Wortschatzes |
Die Gleichförmigkeit der englischen Sprache, die die britischen Siedler bis ungefähr 1780 sprachen, wurde schon bald von nichtenglischen Einflüssen aufgebrochen. Zunächst wurden zahlreiche indianische Worte unmittelbar übernommen, um die einheimische Flora und Fauna zu beschreiben (sassafras „Sassafrasbaum”, raccoon „Waschbär”), Essen (hominy „Maisbrei”) oder Zeremonien (powwow) zu benennen, und natürlich wurden auch geographische Namen (Massachusetts, Susquehanna) übernommen. Ebenso wurden zusammengesetzte Wendungen aus indianischen Sprachen ins Englische übernommen oder übersetzt: warpath „Kriegspfad”, peace pipe „Friedenspfeife”, bury the hatchet „das Kriegsbeil begraben”, fire water „Feuerwasser”. Andere Lehnwörter stammen aus dem Niederländischen (boss „Chef”, poppycock „Quatsch”, spook „Spuk”), dem Deutschen (liverwurst, noodle, coleslaw „Krautsalat”, semester), dem Französischen (levee „Damm”, chowder „Suppe mit Meeresfrüchten”, prairie „Steppe”), dem Spanischen (hoosegow „Kittchen” von juzgado „Gerichtssaal”, mesa „Tafelland”, ranch[o] „Ranch”, tortilla).