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| 1. | Einleitung |
Dante Alighieri (1265-1321), italienischer Dichter. Mit seinem nationalsprachlichen, zwischen mittelalterlicher Tradition und Renaissancedenken angesiedelten Gedichtepos La divina Commedia (Die göttliche Komödie) schuf er eines der bedeutendsten Meisterwerke der Weltliteratur.
Dante Alighieri wurde im Mai 1265 als Sohn einer Familie aus dem niedrigen Adel in Florenz geboren. Über seine Kindheit ist nur wenig bekannt. Als Zehnjähriger verlor er seine Mutter; der Vater starb, bevor Dante das 19. Lebensjahr erreichte. Nach eigenem Bekunden war die Begegnung mit der Florentinerin Beatrice 1274 das bedeutendste Ereignis seiner Jugend; Beatrice war die Tochter des Adligen Portinari und starb im Jahr 1290 im Alter von nur 24 Jahren, ein Umstand, der ihre literarische Entrückung als nahezu göttliche Idealgestalt in La vita nuova (Das erneuerte Leben) und später in La divina Commedia erleichtert haben mag. Auch über Dantes schulische Ausbildung liegen keine gesicherten Angaben vor. Doch zeugen seine Werke von einer Gelehrsamkeit, die nahezu das gesamte Wissen des Mittelalters umfasste. Vermutlich besuchte der Dichter die Franziskanerschule des Konvents Santa Croce und die Dominikanerschule von Santa Maria Novella. Sicher ist jedoch lediglich, dass er in Florenz von Brunetto Latini unterrichtet wurde, einem bedeutenden Philosophen und Rhetoriker, der für eine allumfassende Bildung seiner Schüler eintrat und dem Dante im Canto XV des Inferno in der Divina Commedia ein literarisches Denkmal setzte (hier muss Latini unter den Sodomiten büßen).
Um 1285 hielt sich Dante in Bologna auf; möglicherweise studierte er Jura an der dortigen Universität. Bei den politischen Streitigkeiten zwischen Guelfen und Ghibellinen unterstützte er zunächst aktiv die Guelfen, mit deren Armee er 1289 in der Schlacht von Campaldino kämpfte, in der den Florentinern ein entscheidender Sieg über die ghibellinischen Heere aus Pisa und Arezzo gelang. Auch am Angriff auf die Festung Caprona war er beteiligt. 1295 heiratete Dante Gemma Donati, die einer berühmten Guelfenfamilie angehörte. Darüber hinaus trat er der Ärzte- und Apothekerzunft bei, um sich politisch betätigen zu können. Während der folgenden Jahre nahm Dante aktiv am turbulenten politischen Leben in Florenz teil. Berichte aus dem Jahr 1295 deuten darauf hin, dass er verschiedene lokale Ämter innehatte. So gehörte er zwischen 1285 und 1296 zum Außerordentlichen Stadtrat und 1296 zur mittelständischen Volkskammer des Rats der Hundert. 1300 wurde Dante in diplomatischer Mission nach San Gimignano geschickt und noch im selben Jahr zu einem der sechs Prioren von Florenz gewählt, die die Stadt regierten. Dieses Amt bekleidete er allerdings nur zwei Monate lang.
Die Spannungen zwischen zwei Fraktionen der Guelfen, den Schwarzen, die im Papst einen Verbündeten gegen die Kaisermacht sahen, und den Weißen, die entschlossen waren, sowohl vom Papst als auch vom Kaisertum unabhängig zu bleiben, nahmen zu Dantes Amtszeit heftige Ausmaße an. Auf sein Drängen hin wurden die Führer beider Gruppierungen ins Exil geschickt, um den Frieden in der Stadt zu bewahren. Durch den Einfluss von Papst Bonifatius VIII. jedoch kehrten die Führer der Schwarzen 1301 nach Florenz zurück und ergriffen in Abwesenheit Dantes (er befand sich auf einer Papstaudienz) die Macht. 1302 verbannten die Schwarzen Dante, der immer noch in Rom weilte, für zwei Jahre aus der Stadt, enthoben ihn all seiner öffentlichen Ämter und verurteilten ihn zu einer hohen Geldstrafe. Da er nicht in der Lage war zu zahlen, wurde ihm für den Fall seiner Heimkehr die Todesstrafe in Aussicht gestellt. Die Jahre des Exils verbrachte Dante zunächst als Gast von Bartolomeo della Scala in Verona, ging dann aber in der Hoffnung, bald nach Florenz zurückkehren zu dürfen, in die Toskana. Danach weilte er in einigen norditalienischen Städten. 1306 vermittelte er erfolgreich zwischen dem Bischof von Luni und den Markgrafen Franceschino, Corrado und Moroello, in deren diplomatischem Dienst er stand. Um 1309 besuchte Dante für ein Jahr Paris, wo er sich philosophischen Studien widmete.
Dantes politische Ansichten waren in jener Zeit einem starken Wandel unterworfen. Schließlich machte er sich die Anliegen der Ghibellinen zu eigen und teilte deren Hoffnung auf ein vereinigtes Europas unter der Herrschaft eines aufgeklärten Kaisers. Anregungen erfuhr diese politische Wende durch den Alpenübergang Heinrichs VII. (1310), der Italien unter seine Herrschaft zu zwingen suchte. In insgesamt drei Kaiserbriefen An die Fürsten Italiens drängte der Dichter die Machthaber des Landes, den Kaiser willkommen zu heißen, und beschwor sie, seine Oberhoheit als Mittel zu sehen, den erbitterten Kampf zwischen den italienischen Städten zu beenden. Seine in lateinischer Sprache verfasste Abhandlung De monarchia (um 1313, Über die Monarchie), die der Dichter vermutlich am Hof Heinrichs VII. in Pisa schrieb, ist eine Darstellung seiner politischen Philosophie und betont die Notwendigkeit der überregionalen Versöhnung im Sinn des Heiligen Römischen Reiches sowie der völligen Trennung zwischen Kirche und Staat. Als Heinrich VII. nach erfolglosen Versuchen, Florenz zu erobern, 1313 in Siena starb, fanden Dantes Hoffnungen ein jähes Ende.
1315 machte Florenz Dante ein Angebot zur Rückkehr in die Stadt; da jedoch die Bedingungen, die man daran knüpfte, denjenigen begnadigter Krimineller entsprachen, lehnte der Dichter ab. 1315 wurde er in Abwesenheit erneut zum Tod (durch Enthauptung) verurteilt, über seine Söhne ebenfalls der Bannfluch und das Todesurteil ausgesprochen. Dante lebte weiterhin im Exil und verbrachte die letzten Jahre seines Lebens im Dienst des Fürsten Guido da Polenta in Ravenna, wo er nach einer Erkrankung, die er sich bei einer diplomatischen Mission nach Venedig zugezogen hatte, am 14. September 1321 verstarb. Er wurde in der Franziskanerkirche Santa Pier Maggiore beigesetzt.