Amerikanische Literatur
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Amerikanische Literatur
3. Unabhängigkeitskrieg und 18. Jahrhundert
1. Revolutionszeit

Zwischen der Thronbesteigung König Georgs III. von England 1760 und der Schaffung einer amerikanischen Föderationsregierung 1789 leisteten amerikanische Gelehrte wesentliche Beiträge zur Geistesgeschichte des Landes. Zu den zentralen Werken dieser Epoche gehören die Schriften amerikanischer Politiker, die im Zuge der amerikanischen Revolution für eine Unabhängigkeit des Landes von britischer Vorherrschaft eintraten. Eine beeindruckende Sammlung dieser Zeugnisse wurde 1897 von dem Historiker Moses Coit Tyler in Literary History of the American Revolution zusammengestellt. Eine weitere Anthologie bedeutender Reden und politischer Schriften der Revolutionszeit erschien unter dem Titel The Federalist; hier sind die zwischen 1787 und 1788 von den Politikern John Jay, James Madison und Alexander Hamilton verfasste Schriften versammelt, deren überzeugtes Eintreten für die neue Verfassung der Vereinigten Staaten als eindrucksvolles Plädoyer für Selbstverwaltung und Demokratie betrachtet werden kann. Entscheidendes tat sich auf dem Gebiet der Presse. 1690 erschien in Boston die erste amerikanische Tageszeitung Public Occurrences; sie wurde jedoch sofort nach dem Erscheinen der Erstausgabe wieder verboten, da die Herausgeber keine Lizenz vorweisen konnten. 14 Jahre später gründete der Journalist John Campbell die Zeitung Boston News-Letter. Die ersten Zeitschriften des Landes erschienen 1741 in Philadelphia; damals gründete der Drucker Andrew Bradford das American Magazine. Benjamin Franklin brachte seinerseits im gleichen Jahr die erste Ausgabe seines General Magazine and Historical Chronicle heraus.

Obgleich sich die amerikanische Literatur im 18. Jahrhundert nicht zur vollen Blüte entwickeln konnte, erweiterte sich ihr Spektrum in Form und Inhalt wesentlich. Zur Zeit des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges profilierten sich gleich mehrere Schriftsteller. Zu ihnen gehörte der Publizist Thomas Paine, der mit seinen Flugschriften Common Sense (1776) und Crisis (zwölf Ausgaben, 1776-1783) die Autonomiebestrebungen der Kolonien unterstützte. In The Age of Reason (1794-1796, Das Zeitalter der Vernunft. Eine Untersuchung über wahre und märchenhafte Gottesvorstellungen) – eine Schrift, die in London gedruckt werden musste – übte Paine vom Standpunkt des toleranten Aufklärers Kritik sowohl am Christentum wie auch am Atheismus, wobei ersteres heftige Reaktionen von Seiten des amerikanischen Publikums nach sich zog. Äußerst stark rezipiert hingegen wurde die gegen England gerichtete Satire M’Fingal (1775-1782) des Rechtsgelehrten und Dichters John Trumbull. Politisch engagierte Lyrik schrieb auch der vielseitig interessierte Dichter Philip Morin Freneau, dessen allegorisches Gedicht The House of Night (1779) Merkmale der in der Romantik verbreiteten Schauerliteratur aufweist (siehe Schauerroman) und dessen Naturlyrik noch heute gelesen wird.

Mit The Interesting Narrative of the Life of Gustavus Vassa, the African wurde 1789 in London erstmals die anonym publizierte Lebensbeschreibung eines afroamerikanischen Autors veröffentlicht, die hinter der fiktiven Maske des Gustavus Vassa umfassend und realistisch das Leben eines Farbigen im 18. Jahrhundert der Kolonien dargestellt. Das Buch wird dem ehemaligen Sklaven Olaudah Equiano zugeschrieben, der sich freikaufte und anschließend in England niederließ, wo er sich gegen die Sklaverei engagierte.

2. Nachrevolutionäre Phase

Während der Präsidentschaft George Washingtons gehörte Hartford im Bundesstaat Connecticut zu den bedeutendsten literarischen Zentren der neuen Nation. In Hartford entstand als Zusammenschluss junger Schriftsteller der Kreis der so genannten Hartford Wits, dem der Geistliche Timothy Dwight sowie die Dichter John Trumbull und Joel Barlow angehörten. Von ihren zumeist schwer zugänglichen, zeitgebundenen und stilistisch teils schwerfälligen Dichtungen haben nur mehr einige der gelungeneren im Kanon ihren Platz gefunden. Wichtig hingegen für die Entwicklung der amerikanischen Literatur der Folgezeit war der Beginn der Romantradition. Zu den frühesten Zeugnissen dieser Gattung gehören das sentimental-empfindsame Buch The Power of Sympathy (1789) von William Hill Brown und der realistisch-satirische Schelmen- bzw. Abenteuerroman Modern Chivalry (1792-1815) des auch als Lyriker hervorgetretenen Autors Hugh Henry Brackenridge. Ein weiterer Vertreter der frühen amerikanischen Romanliteratur war ferner der Schriftsteller und Journalist Charles Brockden Brown, dessen Werke wie Wieland; or, The Transformation (1798, Wieland oder Die Verwandlung), Arthur Mervyn (1799-1800, Arthur Mervin oder Die Pest in Philadelphia) und Edgar Huntly (1799, Edgar Huntly oder Der Nachtwandler) auch in Europa ihre Leser fanden. Browns Bücher zählen zur Kategorie der Schauerromane; er arbeitete mit effektvollen Elementen, die Verfahren von Edgar Allan Poe und Nathaniel Hawthorne antizipierten.