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| 3. | Erforschung |
Wegen ihrer Entfernung zu den anderen Kontinenten wurde die Antarktis erst Anfang des 18. Jahrhunderts entdeckt. Die alten Griechen stellten als Erste Theorien über die Existenz des antarktischen Kontinents auf, indem sie annahmen, dass auf der Südhalbkugel große Kontinente liegen müssten, um die Masse der Kontinente auf der Nordhalbkugel auszugleichen. Der britische Entdecker James Cook war der erste Forschungsreisende, der den südlichen Polarkreis überquerte; er tat dies im Januar 1773 im Rahmen seiner zweiten großen Expedition im Pazifischen Ozean, sichtete aber kein Land. Anhand von Felsablagerungen in Eisbergen auf dem Meer erkannte Cook, dass ein südlicher Kontinent existieren musste, aber es war nicht der üppige, bevölkerte Ort, den manche erwartet hatten.
| 1. | Frühe Erforschung |
Von 1819 bis 1821 umschiffte eine russische Expedition unter dem Marineoffizier und Forschungsreisenden Fabian von Bellingshausen den antarktischen Kontinent und entdeckte einige vorgelagerte Inseln. Die ersten Personen, die den Kontinent sahen, gehörten zu den Mannschaften des amerikanischen Robbenfängers Nathaniel Palmer, die 1820 in der Nähe der Spitze der Antarktischen Halbinsel segelten. Die erste bekannt gewordene Landung fand am 7. Februar 1821 durch den amerikanischen Robbenfänger John Davis statt. 1823 entdeckte der britische Walfänger James Weddell die nach ihm benannte See und drang bis zum südlichsten Punkt vor, den bis dahin ein Schiff je erreicht hatte.
Erst in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts jedoch wurde der antarktische Kontinent als solcher erkannt. Drei voneinander unabhängige Expeditionen verschiedener Staaten – eine französische unter Jules Dumont d’Urville, eine britische unter Sir James Ross und eine amerikanische unter Kapitän Charles Wilkes – erkannten schließlich, dass das eisbedeckte Land, das sie sahen, wirklich eine kontinentale Landmasse war.
Vom Ende des 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts suchten zahlreiche Expeditionen die Antarktis auf. Mit der Unterstützung des Internationalen Geographischen Kongresses wurden von verschiedenen Staaten Expeditionen ausgesandt, u. a. eine belgische unter der Leitung von Adrien de Gerlache, eine britische mit Robert Scott und Carsten Borchgrevink an der Spitze und eine von Erich von Drygalski geleitete deutsche Expedition. Gerlache führte seine Expedition – die erste wirklich wissenschaftliche Antarktis-Expedition – zu der dem Ozean zugewandten Seite der Antarktischen Halbinsel, wurde vom Eis eingeschlossen und verbrachte dort den Winter 1897/98. Die Teilnehmer der Expedition Borchgrevinks gingen 1899 am Kap Adare an Land. Sie waren die erste Gruppe, die den Winter an Land des antarktischen Kontinents verbrachte. Die Expedition Scotts, die 1901 bis 1904 durchgeführt wurde, nutzte die Ross-Insel im McMurdo Sound als Basis und erforschte das Ross-Schelfeis und das Victorialand. Von 1901 bis 1903 führte Drygalski, ein Geophysiker, eine Expedition zur am Indischen Ozean gelegenen Küste der Antarktis. Sowohl Scott als auch Drygalski führten Fesselballone mit, mit denen sie die Antarktis aus der Luft beobachten konnten. Zur gleichen Zeit befanden sich auch von Privatpersonen geförderte Expeditionen aus Schweden (unter Otto Nordenskiöld), Schottland und Frankreich in der Antarktis.
| 2. | Das Erreichen des Südpols |
Das Erreichen des Südpols war das Ziel der folgenden Antarktis-Expeditionen. Von 1907 bis 1909 führte Sir Ernest Shackleton, ein Teilnehmer einer früheren Expedition von Robert Scott, eine britische Expedition bis auf 156 Kilometer an den Südpol heran. Danach musste er umkehren, weil die Vorräte aufgebraucht waren.
Eine zweite britische Expedition unter Robert Scott nahm 1910 genau wie eine norwegische Expedition unter Roald Amundsen die Suche auf. Amundsen erreichte mit seinen Begleitern den Südpol am 14. Dezember 1911. Die Mannschaft Scotts erreichte den Pol am 18. Januar 1912. Der Erfolg von Amundsen war nur möglich, weil er seine Forschungsreise professioneller geplant hatte und Hunde benutzte, um die Schlitten zu ziehen. Scott dagegen ließ die Schlitten über den schwierigsten Teil der Strecke von seinen Begleitern ziehen. Scott und die gesamte Mannschaft starben auf dem Rückweg, die Norweger konnten erfolgreich zu ihrer Basis zurückkehren. Shackleton kehrte 1914 in die Antarktis zurück, um eine Überquerung des Kontinents zu versuchen, aber sein Schiff, die Endurance, wurde im Eis eingeschlossen und zerdrückt. Shackleton und seine Männer kämpften sich über Eisschollen bis zur Elephanteninsel vor und wurden schließlich im August 1916 gerettet.
| 3. | Erforschung aus der Luft |
Der Australier Sir George Wilkins und der Amerikaner C. B. Eielson waren die ersten Menschen, die in einem Flugzeug den Kontinent überflogen, als sie 1928 die Antarktische Halbinsel aus der Luft erkundeten. Der amerikanische Forscher Richard E. Byrd gründete zu Beginn des Jahres 1929 ein großes Camp namens „Klein-Amerika” auf dem Ross-Schelfeis und flog im November zum Südpol. Byrd kehrte 1934 mit einer weiteren Expedition zurück.
Weitere Erkundungsflüge wurden von Lincoln Ellsworth 1935 durchgeführt. Norweger, Deutsche (1938 und 1939) und Amerikaner (1939 bis 1941) führten weitere Expeditionen durch.
Im Anschluss an den 2. Weltkrieg schickten die Vereinigten Staaten die bis dahin größte Expedition in die Antarktis. Über 4 000 Menschen mit etwa 13 Schiffen und über 20 Flugzeugen nahmen an der „Operation Highjump” teil. Ein Großteil der Küste wurde zur Erstellung von Karten aus der Luft fotografiert.
| 4. | Jüngste Unternehmungen |
Die systematische Langzeiterkundung und wissenschaftliche Untersuchung der Antarktis begann mit dem Internationalen Geophysikalischen Jahr (IGJ), das vom 1. Juli 1957 bis zum 31. Dezember 1958 dauerte. Zwölf Staaten errichteten im IGJ über 60 Forschungsstationen in der Antarktis und erkundeten weite Teile des Kontinents. Teilnehmende Länder waren Argentinien, Australien, Belgien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Japan, Neuseeland, Norwegen, die Republik Südafrika, die UdSSR und die USA. Nach Ablauf des IGJ entschlossen sich die zwölf Staaten, ihre Forschungen fortzusetzen. Repräsentanten der zwölf Staaten trafen sich 1959 in Washington D.C., um den Antarktis-Vertrag zu entwerfen und zu unterzeichnen. In dem Vertrag verpflichteten sich die unterzeichnenden Länder zur Auflösung militärischer Stützpunkte und zu ausschließlich friedlicher wissenschaftlicher Forschung in der Antarktis. Weiterer Kernpunkt des Abkommens ist die Festschreibung des Verzichts auf Kernwaffenversuche in der Antarktis. Dieser Vertrag trat 1961 in Kraft und schloss sämtliche Gebietsansprüche aus. Nachträglich unterzeichneten weitere Staaten den Antarktisvertrag, u. a. die Bundesrepublik Deutschland 1978. Das 1991 zunächst von 25 Staaten und 1998 schließlich auch von Japan unterzeichnete Madrider Protokoll zum Schutz der Antarktis verbietet auf 50 Jahre jegliche Nutzung der Bodenschätze. Neben einem Schürfverbot soll vor allem der Zugang für Touristen drastisch beschränkt werden.