Transzendentalismus
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Transzendentalismus
3. Transzendentalismus (Literatur)

In einem besonders enggefassten Sinn gebraucht eine in den USA entstandene literarische und philosophische Bewegung des frühen 19. Jahrhunderts den Begriff des Transzendentalismus. Sie wandte sich sowohl gegen rationalistische Positionen des 18. Jahrhunderts als auch gegen die calvinistische Orthodoxie und ihre rigiden puritanischen Moralvorstellungen (siehe Puritanismus). Der Transzendentalismus entspricht hier einer Spielart des Deismus und grenzt sich gegen die in allen religiösen Institutionen angelegte dogmatische oder moralistische Beschränktheit ab.

Wichtig ist insbesondere auch der enge Zusammenhang zwischen Transzendentalismus und literarischer Romantik, die sich in Aspekten wie der Innenschau, der Verklärung des Individuums und dem Lobpreis von natürlicher und menschlicher Schönheit decken. Daher fassten die Transzendentalisten die Natur als göttlich auf. Auch betonten sie den kreativen Prozess im Natürlichen und nahmen an, es gebe eine Entsprechung zwischen dem Universum (Makrokosmos) und der individuellen Seele (Mikrokosmos). Das Göttliche durchwirkt nach dieser Auffassung die gesamte Realität, ob belebt oder unbelebt, und der Zweck des menschlichen Lebens besteht darin, in der Einheit mit der Weltseele aufzugehen. Der Intuition kommt dabei höhere Bedeutung zu als dem Verstand. Die Mystik oder die Erkenntnis der Schönheit und Wahrheit der Natur führen zur Erfüllung der menschlichen Bestimmung. Dementsprechend kommt der Schöpferkraft des Dichters nach Ansicht der Anhänger dieser Ideen verstärkte, quasi göttliche Bedeutung zu, da er mit Hilfe seiner Phantasie Wirklichkeit durchdringen und harmonisch transzendieren kann. Ein solcher Prozess kann den Einzelnen verwandeln und vollzieht sich abseits der allgemeinen Wahrheiten und überlieferten Traditionen.

Für den literarischen Transzendentalismus ist neben Ralph Waldo Emerson insbesondere der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau und dessen Erfahrungsbericht Walden, or life in the woods (1854; Walden oder ein Leben in den Wäldern) erwähnenswert, der den Versuch eines Menschen beschreibt, einfach und in Harmonie mit der Natur zu leben.