Religion
Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken.
Religion
1. Einleitung

Religion, Verhalten einer Gemeinschaft von Menschen zu einem Bereich, der für sie übernatürlich und heilig ist und der sich vom Bereich des profanen Lebens abhebt. Dieser Bereich wird innerhalb der Religion durch eine Mythologie oder ein Dogma beschrieben. Eine Religion stellt ihren Anhängern einen Orientierungs- und Verständnisrahmen für die Welt zur Verfügung. Sie erklärt ihnen nicht nur, wie sie die Welt verstehen können, sondern auch, welchen Platz sie in ihr haben und wie sie in ihr handeln sollen. Der praktische Umgang mit dem Bereich des Heiligen wird durch den Kult geregelt, der rituell (Opfer, Zeremonien, Feiern) oder nichtrituell (Verehrung, Predigt, Befolgung ethischer Vorschriften, Meditation, Tanz) sein kann. Über den Kult hinaus verfügen religiöse Gemeinschaften über ein Reglement des Zusammenlebens (Herrschaft, Sexualität, Nahrung), häufig auch über eine religiöse Organisation mit einer religiösen Hierarchie. Mit dem Bereich des Religiösen ist auch immer eine materielle Kultur verbunden (Architektur, Kunst, Musik etc.).

Die Herkunft (Etymologie) des Begriffs „Religion” ist nicht sicher zu bestimmen. Das aus dem Lateinischen stammende Lehnwort ist zwar antiken Ursprungs, aber bereits christlich geprägt und fand erst in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Eingang in die deutsche Sprache. Das lateinische Wort religio besitzt eine breite Bedeutungspalette, u. a. im Sinne von „Religiosität”, „Heiligkeit”, „Gottesverehrung”, „Andacht”, aber auch von „Sorgfalt”, „Gewissenhaftigkeit” (in Dingen des Kultes), „Bedenken”, „Zweifel”, „Aberglaube” usw. Das Substantiv lässt sich möglicherweise von zwei Verben ableiten: von religare im Sinne von „zurückbinden”, „anbinden” etc. oder (so bei Cicero) von relegere im Sinne von „wieder (zusammen)lesen”. Die erste Bedeutung wurde später von Augustinus als „Bindung des Menschen an Gott” interpretiert.