Heraldik
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Heraldik
4. Figuren

Die auf dem Schild abgebildeten Figuren werden unterteilt in einfache Heroldsstücke, untergeordnete Wappenbilder und gemeine Figuren. Das Feld oder der Hintergrund eines Schildes kann zwei oder mehr Tinkturen haben und von einem oder mehreren Teilungsschnitten geteilt sein. Ein senkrecht geteilter Schild ist gespalten, oder der Länge nach geteilt. Wird er senkrecht und waagerecht geteilt, dann nennt man ihn geviert oder kreuzweise geteilt. Wird einer der Abschnitte wieder geviert, dann heißt der ursprüngliche Abschnitt Großes Quartier. Ein von einem Schrägkreuz (durch zwei sich kreuzende Diagonalen in vier Teile geteilt) oder von einem Kreuz geteilter Schild wird Achterständerkreuz genannt, und jeder Abschnitt ist ein Ständer. Wird der Schild vollständig in eine Anzahl gleicher Abschnitte geteilt, von einem Pfahl, einem Schrägbalken, einem Balken oder einem Sparren (siehe unten), dann heißt er Pfahlschild, Schrägbalkenschild, Balkenschild oder Sparrenschild. Außerdem wird die Zahl der Abschnitte angegeben. Ein Feld, das durch senkrechte und waagerechte Teilungsschnitte geteilt ist, nennt man geschacht, und eines, das durch sich überschneidende Diagonalen geteilt ist, nennt man gesteint oder gerautet. Ist ein Feld mit einer unbestimmten Anzahl von kleinen Figuren bestreut, so dass ein Muster erzeugt wird, sagt man, dass es mit diesen Figuren besät ist. Ist ein Feld mit einem offenen Netz von sich diagonal überschneidenden Streifen bedeckt, dann handelt es sich um einen Schild mit Schräggitter.

1. Einfache Heroldsstücke

Das sind einfache geometrische Figuren, die durch gerade Linien oder durch unregelmäßig geformte Teilungsschnitte dargestellt werden. Zu den geraden Linien gehört der Pfahl, ein senkrechter Streifen; der Querbalken, ein waagerechter Balken in der Mitte des Schildes; der Balken, eine waagerechte Linie; der Schrägbalken, ein diagonaler Streifen; und der Sparren, zwei diagonale Streifen, die sich in einem Winkel, der mit der Spitze nach oben zeigt, treffen. Zu den wichtigen einfachen Heroldsstücken gehören des Weiteren verschiedene Kreuze. Die unregelmäßigen Teilungsschnitte haben spezielle Muster, die Dornenschnitt (oder eingekerbt), Wellenschnitt, Schuppenschnitt (oder ausgekerbt), geästet, Schwalbenschwanzschnitt, Zinnenschnitt und Krückenschnitt genannt werden.

2. Untergeordnete Wappenbilder

Die Einfassung eines Schildes wird oft als einfaches Heroldsstück angesehen. Sie besteht aus einem Streifen, der den Schild umgibt, und der oft kleine Figuren beinhaltet. Der Umzug ist eine schmalere Umrandung, die die Ränder des Schildes nicht berührt. Die Verkleinerungsform des Umzugs ist die innere Einfassung, die normalerweise aus zwei Linien besteht und oft mit Lilien verziert ist.

Das Quartier ist der rechte Hauptplatz des Schildes. Nimmt die Figur weniger als ein volles Quartier des Schildes ein, dann nennt man sie Feld, und wird das Quartier oder das Feld durch einen Schrägbalken geteilt (diagonal), dann heißt jedes Dreieck Ständer.

Flanken sind die rechten und linken Seiten des Schildes, die durch gebogene Linien abgetrennt sind.

Die Raute ist eine diamantförmige Figur mit vier gleichen Seiten. Ist eine Raute leer, d. h. nur im Umriss mit der Tinktur des Feldes nach innen zeigend dargestellt, nennt man sie offene Raute. Ist sie von einer runden Öffnung durchbohrt, wird sie rund durchlochte Raute genannt. Eine der Raute ähnliche Figur, die aber gestreckter ist, wird Spindel genannt.

Ein auf dem Schild abgebildeter kleiner Schild heißt Herzschild oder Mittelschild; er kann mit Figuren bemalt oder leer sein. Eine Schindel ist eine kleine rechteckige Figur, die zweimal so hoch wie breit ist.

Zu den Figuren, die von einigen als untergeordnete Wappenbilder und von anderen als gemeine Figuren angesehen werden, gehören das Gabelkreuz und die Kugel. Gabelkreuze sind Y-förmige Figuren, die die vom Papst oder von Erzbischöfen verliehenen Insignien darstellen. Kugeln sind runde Figuren, die entsprechend ihren Tinkturen durch verschiedene Namen unterschieden werden: sind sie golden, heißen sie Besant, die silbernen heißen Plate, die roten Torteau, die blauen Hurte, die purpurfarbenen Golp, die grünen Pomme, und die schwarzen heißen Pellet oder Ogress. Eine Kugel ohne Tinktur wird als Ring bezeichnet.

3. Gemeine Figuren

Gemeine Figuren sind herkömmliche Darstellungen von bekannten Objekten, die in manchen Fällen die Geschichte oder den Charakter einer Einzelperson oder einer Familie porträtieren. Öfter jedoch enthalten sie eine Anspielung auf den Familiennamen. Dann spricht man von redenden Wappen. Eine der bedeutendsten gemeinen Figuren ist der Löwe. Auf dem Siegel (1164) von Philipp I., Herzog von Flandern, erscheint eine frühe Wappendarstellung des Löwen. Später wurde er von den Herrschern Englands, Schottlands und anderer europäischer Nationen übernommen. Die früheste Position des heraldischen Löwen war steigend, d. h. auf- und nach rechts gerichtet, mit nur einer Pfote am Boden. Ähnlich der steigenden ist die springende Position, nur dass beide Hinterpfoten den Boden berühren. Ein nach rechts laufendes Raubtier ist schreitend und ein gejagtes Tier, z. B. ein Hirsch, ist äsend. Ein kauerndes Tier ist mit erhobenem Kopf liegend, und schlafend ist es, wenn der Kopf auf den Vorderpfoten ruht. Sieht es den Beobachter an, dann ist es hersehend, schaut es hinter sich, ist es widersehend. Zwei steigende Löwen, die einander gegenüberstehen, werden kämpfend genannt, stehen sie mit den Hinterteilen aneinander, heißt das Rücken an Rücken. Oft sind Löwen oder andere Tiere gekrönt oder mit einer Wulst oder einem Kranz als Halsband geschmückt.

Weitere Tiere, die als Wappenbilder verwendet werden, sind der Bär, der Bulle, der Eber, der Hirsch, die Ziege, der Hund, der Fuchs, das Pferd und der Igel, und manchmal auch der Elefant, das Kamel, der Maulwurf, der Affe, die Katze und die Maus. Gebräuchliche Vögel sind der Adler und der Falke. Des Weiteren werden Darstellungen sagenhafter Tiere, beispielsweise des Greifes, des Einhorns, des Drachens und des Basilisken verwendet.

Viele Wappenbilder stellen Gegenstände dar, die mit dem Stand oder der Tätigkeit der Person in Zusammenhang stehen, z. B. Schwerter, Pfeil und Bogen, Helme, Streitäxte und Speerspitzen bei Rittern, Mitren und Krummstäbe bei Bischöfen und Äbten. Die von Strahlen umgebene Sonne wird als „in ihrem Glanz” (strahlend oder flammend) angesprochen und wird normalerweise mit einem menschlichen Gesicht dargestellt. Als Halbmond mit nach oben zeigenden Enden wird der Mond dargestellt. Zeigen die Enden nach dexter (rechts), dann wird er zunehmend genannt, zeigen sie nach senestre (links), nennt man ihn abnehmend. Selten wird der fünfzackige Stern verwendet. Der übliche Stern hat sechs (wellige) Strahlen.

4. Äußere Verzierungen

Die Helmzier ist das älteste Wappenelement. Sie wurde von den Kriegsführern im antiken Griechenland und Rom getragen und diente nicht nur als Rangsymbol sondern auch als deutlich sichtbares Kennzeichen in der Schlacht, um das sich die Soldaten versammeln konnten. In der Heraldik wird die Helmzier als auf der Spitze des Helmes angebracht dargestellt. Ihr Fuß ist von einem Kranz umwunden, einem Reif aus gewundenen Bändern, der in den Hauptmetallen und Farben des Schildes tingiert (eingefärbt) ist.

Die Devise, ursprünglich der Schlachtruf des Trägers, ist heute eine Redewendung oder ein Satz, der auf die Familie, die Wappen oder die Helmzier anspielt. Sie befindet sich in einer Schriftrolle über der Helmzier oder unterhalb des Schildes.

Der Wappenmantel war ursprünglich eine Darstellung eines Kleidungsstückes, das den Helm vor der Hitze der Sonne schützte. Dann nahm er mehr dekorativen Charakter an und wurde gewöhnlich in den Hauptfarben des Schildes dargestellt.

Die Schildhalter sind Figuren, normalerweise Menschen oder Tiere, die auf beiden Seiten des Schildes angebracht sind. Anfangs waren sie reine Zierde, später aber wiesen sie auf das Oberhaupt einer vornehmen Familie hin.

Der Kranz, die kleine Krone und die Mitra sind Bestandteile von Wappen von Personen, die berechtigt sind, diese zu tragen. Des Weiteren wird jede Amtskette oder jedes Ordensband, auf das der Träger Anspruch hat, im Vollwappen richtig dargestellt. Die Amtskette umschlingt den Schild, Bänder hängen von ihm herab.