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| 4. | Entwicklung der Sprache |
Die modernen chinesischen Dialekte (ab dem 11. Jahrhundert n. Chr.) entwickelten sich aus dem Altchinesischen (8. bis 3. Jahrhundert v. Chr.) dessen Lautsystem annähernd rekonstruiert werden konnte. Obwohl auch im Altchinesischen Silben die bedeutungstragenden Einheiten sind, so war es doch nicht völlig ohne Flexionsformen. Die nächste Entwicklungsstufe des Chinesischen, die sorgfältig analysiert wurde, war das mittlere Chinesisch (ungefähr bis zum 11. Jahrhundert n. Chr.). Zu dieser Zeit hatte sich das reiche Lautsystem des Altchinesischen zu der extremen Reduzierung der modernen Dialekte hin entwickelt. So verfügte das Altchinesische beispielsweise über Konsonantenfolgen wie p, ph, b, bh, (das h steht für Aspiration oder Behauchung). Im Mittelchinesischen reduzierte sich dies zu p, ph, bh, und im Mandarin sind nur noch p und ph übrig.
Im modernen Mandarin besteht die Silbe mindestens aus einem so genannten abschließenden Element, nämlich einem Vokal (a, e) oder Halbvokal (i, u) oder einer Kombination (einem Diphthong oder Triphthong), mit einem Ton (hoch, steigend, fallend-steigend oder fallend) und manchmal einem abschließenden Konsonanten, der jedoch nur ein n, ng oder r sein kann. Das Altchinesische verfügte zusätzlich über ein abschließendes p, t, k, b, d, g und m. Dem abschließenden Element kann ein Anfangskonsonant, niemals aber eine Konsonantengruppe vorangehen. Im Altchinesischen gab es vermutlich Konsonantengruppen, wie beispielsweise in klam und glam. Da sich die lautlichen Unterscheidungsmerkmale verringerten, weil beispielsweise das abschließende n das abschließende m absorbierte, so dass aus Silben wie lam und lan einfach lan wurde, reduzierte sich der Bestand an Tonsilben im Mandarin auf rund 1 300. Das Ergebnis war, dass die meisten Silben mehr als eine Bedeutung erhielten. So wurden noch im Mittelchinesischen die Worte für „Lyrik”, „Ehre”, „feucht”, „verlieren”, „Leichnam” und „Laus” alle unterschiedlich ausgesprochen. Im Mandarin werden sie alle als shi mit gleichem Ton ausgesprochen. Tatsächlich entstanden so viele Homonyme, dass die Verständigung nicht mehr gewährleistet wäre, wenn sich nicht gleichzeitig Wörter mit zwei Silben entwickelt hätten. So wurde aus „Lyrik” shi-ge (dichterisches Lied), aus „Lehrer” wurde shi-zhang (Lehrer-Ältester). Obwohl ein modernes chinesisches Lexikon mehr zweisilbige als einsilbige Worte aufweist, besitzen doch die einzelnen Silben ihre eigenständige Bedeutung.