Chinesische Sprache
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Chinesische Sprache
6. Die chinesische Schrift

Das Chinesische besitzt keine alphabetische, sondern eine ideographische Schrift, d. h. eine Symbolschrift, bei der jedem Wort ein Schriftzeichen zugeordnet ist. Um eine chinesische Zeitung lesen zu können, muss man 2 000 bis 4 000 Zeichen beherrschen. Insgesamt gibt es über 40 000 Zeichen. Die ältesten Texte, die man gefunden hat, sind Weissagungen, die höfische Wahrsager der Shang-Dynastie in Schildkrötenpanzer oder Schulterblätter von Rindern eingeritzt haben. Die ältesten dieser Inschriften stammen aus dem frühen 14. Jahrhundert v. Chr. Auch wenn das Schriftsystem seit dieser Zeit standardisiert und verändert wurde, so sind seine Grundprinzipien und viele der Symbole im Grunde erhalten geblieben. Wie andere alte Schriftsysteme hat sich auch die chinesische Symbolschrift aus einer Bilderschrift entwickelt. Man ging dazu über, die Sprache Wort für Wort abzubilden, als man realisierte, dass Wörter, die zu abstrakt sind, um sie mit einer Zeichnung wiederzugeben, eher durch ihren Klang als durch ihre Bedeutung abgebildet werden können. Im Gegensatz zu anderen Schriften enthält ein chinesisches Schriftzeichen Hinweise auf seinen Bedeutungsbereich und zu seiner phonetischen Realisierung. Die Lautbestimmungen wurden nicht dem Wandel der Aussprache angepasst, sie entsprechen noch immer dem Aussprachestandard, der vor 3 000 Jahren galt. Die Bausteine des Systems bilden einige hundert Piktogramme (siehe Piktographie) für Grundworte wie „Mensch”, „Pferd”, und „Axt”. Ergänzend dazu gibt es erweiterte oder zusammengesetzte Piktogramme. So bedeutet beispielsweise ein Symbol, das einen Menschen abbildet, der Getreide trägt, „Ernte” und daraus resultierend „Jahr” (nian).

Piktogramme von Konkreta wurden als phonetische Anleihen verwendet, um abstrakte Wörter gleichen oder ähnlichen Klanges abzubilden. Das zugrunde liegende Prinzip ist das des Rebus oder Bilderrätsels. So wurde das Piktogramm für „Kehrschaufel” (ji) verwendet, um „dies”, „sein” und „ihr” (qi oder ji) abzubilden. Während der Zhou-Dynastie (11. bis 3. Jahrhundert v. Chr.) wurden viele Zeichen auf diese Weise doppelt verwendet. Wenn sich die Schriftgelehrten dieser Zeit darauf geeinigt hätten, dass das Piktogramm für „Kehrschaufel” für jede Silbe, die ji ausgesprochen wird, verwendet wird, hätten sie das Prinzip der phonetischen Silbentabelle, einem Vorläufer des Alphabets entdeckt. Aber wegen der Vielzahl der Homonyme im Chinesischen zogen sich die Schriftgelehrten auf die Bildersprache zurück. Das Bild der Kehrschaufel wurde mit der Zeit ausschließlich für die Worte „sein” und „ihr” verwendet. In den seltenen Fällen, in denen man sich tatsächlich auf eine Kehrschaufel beziehen wollte, vermied man Missverständnisse, indem man ein zusammengesetztes Symbol verwendete, bei dem „Kehrschaufel” das Piktogramm für „Bambus” hinzugefügt wurde, um das Material, aus dem Kehrschaufeln hergestellt wurden, zu repräsentieren. Um Mehrdeutigkeiten zu eliminieren, entwickelte sich mit der Zeit das Prinzip, Piktogramme zu kombinieren. So bedeutet „Kehrschaufel” in Kombination mit „Erde” statt mit „Bambus” „Basis, Fundament”. Noch heute werden sowohl einfache als auch zusammengesetzte Piktogramme für einen Teil des Grundwortschatzes verwendet: „zu Hause”, „Mutter”, „Kind”, „Reis”, „Feuer”. Rund 95 Prozent der Wörter im Lexikon werden jedoch durch Komposita wiedergegeben.

Um moderne Begriffe ausdrücken zu können, werden im Chinesischen im Allgemeinen Äquivalente aus dem ursprünglichen Vorrat bedeutungstragender Silben verwendet, oder diese Ausdrücke werden in phonetischer Schreibweise wiedergegeben. „Chemie” wird im Chinesischen beispielsweise als „Studium der Transformationen” ausgedrückt.

Qin Shi Huangdi, der erste Herrscher über ein vereinigtes China unterdrückte viele regionale Schriften und setzte einen vereinfachten Schreibstandard, die so genannte kleine Siegelschrift in Kraft. Während der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) entwickelte sie sich in eine Schreibschrift, eine Fließschrift, eine Skizzen- und eine Standardschrift. Das gedruckte Chinesisch orientiert sich an der Standardschrift. Hand- oder Schnellschriften (die Fließ- und Skizzenschriften) führten viele abgekürzte Zeichen in die künstlerische Kalligraphie und die geschäftliche und private Korrespondenz ein, waren aber lange von offiziellen Dokumenten ausgeschlossen. Das Drucken abgekürzter Zeichen ist in Taiwan noch immer verboten, aber in der Volksrepublik China allgemeine Praxis geworden.