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Beschneidung
1. Einleitung

Beschneidung, chirurgische Entfernung der Vorhaut des Mannes oder der Klitoris der Frau (siehe Fortpflanzungsapparat).

Die Beschneidung des Mannes ist ein seit altersher weit verbreitetes religiöses Ritual, das bei den Juden und bei Muslimen als Initiationsritual praktiziert wird. Die frühesten Hinweise dieses Brauches stammen aus dem alten Ägypten (2300 v. Chr.), wo die Beschneidung ursprünglich zur Kennzeichnung von männlichen Sklaven diente. Zur Zeit der Machtübernahme der Römer in Ägypten (30 v. Chr.), besaß die Beschneidung eine rituelle Bedeutung, und nur beschnittene Priester durften bestimmte religiöse Ämter ausüben.

2. Stammesriten

Die Beschneidung des Mannes ist unter den Völkern Afrikas, des Malaiischen Archipels, Neuguineas, Australiens und der Inseln des Pazifik weit verbreitet. Der Eingriff bescheinigt dem Prüfling die Fähigkeit zur Heirat und bezeugt seine Stärke, Schmerzen auszuhalten. Gelegentlich wird die abgetrennte Haut Geistern als Opfer dargebracht. Die Beschneidung kann auch als Unterscheidungsmerkmal bestimmter Kulturen dienen.

3. Religiöse Rituale

Im Judentum ist die Beschneidung der männlichen Kleinkinder als Teil des Bundes von Abraham mit Gott vorgeschrieben. Nach dem Gesetz der Leviten muss jeder männliche Jude unter Androhung der Ächtung durch die Gemeinschaft von Israel am achten Tag nach seiner Geburt beschnitten werden. Die Juden bedienen sich eines Mohel, eines Mannes, der über die erforderlichen chirurgischen Fähigkeiten verfügt und den religiösen Hintergrund der Beschneidung kennt. Nach einem rituellen Gebet beschneidet der Mohel das Kind, gibt ihm seinen Namen und segnet es. Unter den Arabern war die Beschneidung schon vor der Zeit Mohammeds bekannt. Auch wenn der Koran sie nicht erwähnt, verlangt es islamischer Brauch, dass ein männlicher Muslim vor der Heirat beschnitten ist; das Ritual wird gewöhnlich in der Kindheit vollzogen.

Einige Völker oder Religionsgemeinschaften praktizieren eine Klitorisbeschneidung. Während eine Beschneidung des Mannes die Funktionsfähigkeit des Genitalorgans in der Regel nicht beeinträchtigt, ist die Klitorisbeschneidung eine Verstümmelung, die darauf abzielt, einer Frau ihre sexuelle Empfindungsfähigkeit zu rauben. Nach einer Schätzung des Kinderhilfswerkes UNICEF sind allein in Afrika 100 bis 130 Millionen Mädchen und Frauen von einer derartigen Misshandlung betroffen.

Beschneidung ist den Völkern hindu-buddhistischer und konfuzianischer Tradition fremd. Auch in den christlichen Kirchen ist sie nicht gebräuchlich. Eine Ausnahme bildet die äthiopische Kirche, die als einzige der christlichen Kirchen die Beschneidung als religiöses Ritual praktiziert.

4. Medizinische Gesichtspunkte

Eine Beschneidung des männlichen Genitals kann bei einer Verengung der Vorhaut erforderlich werden; eine solche als Phimose bezeichnete Verengung ist entweder von Geburt an vorhanden (selten), oder sie entwickelt sich im Lauf des Lebens. Die Vorhaut kann in diesem Fall nicht oder nicht vollständig über die Eichel zurückgezogen werden. Als Folge einer Vorhautverengung können Komplikationen beim Geschlechtsverkehr und beim Harnlassen auftreten. Außerdem lässt sich die Eichel nicht mehr waschen, wodurch die Entstehung eines Karzinoms (siehe Krebserkrankungen) begünstigt wird, und nicht auf krankhafte Veränderungen kontrollieren. In der modernen medizinischen Praxis ist die Beschneidung ein kleinerer Eingriff, der gegebenenfalls bereits bei Säuglingen vorgenommen wird.