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Judas Ischariot

Judas Ischariot, auch Judas Iskarioth, (gestorben um 30 n. Chr.), im Neuen Testament jener der Jünger Jesu Christi, der ihn an den Sanhedrin, das oberste jüdische Gericht der Zeit, verriet.

Judas kam wahrscheinlich aus Karioth, einer Stadt in Südjudäa, und diente Jesus und den anderen Jüngern als Verwalter. Jedoch ist der Beiname Ischariot nicht eindeutig geklärt und könnte nicht nur die Herkunft des Judas bezeichnen („Mann aus Karioth”), sondern diesen ebenso als Anhänger der militant-antirömischen Gemeinschaft der Sikarier ausweisen. Letzteres allerdings ist weniger wahrscheinlich. Im Johannesevangelium (siehe 12, 6) wird Judas als verschlagen und unehrlich dargestellt. Im Matthäusevangelium verrät er Jesus, wie auch im Markusevangelium, für 30 Silberstücke an den Hohepriester. Symbol des Verrats ist hier ein Kuss, mit dem der Abtrünnige den Soldaten anzeigte, welchen der Anwesenden auf dem Ölberg sie verhaften mußten (Judaskuss). Die Evangelien des Matthäus, Markus und Lukas zeigen, dass sich Jesus dieses Betrugs bewusst war, den er seinen Jüngern prophezeite, diesen aber geschehen ließ und damit die Passionsgeschichte als von Gott über ihn verhängtes Schicksal zur Erlösung der Menschheit akzeptierte. Als Judas die Folgen seines Verrats erkannte, wurde er von Verzweiflung ergriffen und erhängte sich. Das Neue Testament enthält zwei verschiedene Schilderungen seines Todes, so im Matthäusevangelium (Mt. 27, 3-5) und in der Apostelgeschichte (Apg. 1, 16-20).

Die Gestalt des Judas Ischariot wurde immer wieder zum Thema von bildender Kunst und Literatur, so bei Giotto (Fresko in der Arenakapelle in Padua), Friedrich Gottlieb Klopstock (Messias, 1748-1773), Richard Wagner (Jesus von Nazareth, 1848), Carl Sternheim (Judas Ischariot, 1901), Paul Gurk (Judas, 1931), Paul Claudel (Mort de Judas, 1936) und Walter Jens (Der Fall Judas, 1975).