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Epistel

Epistel (griechisch epistole: Brief, von epistellein: zusenden), Brief in Prosa oder Gedichtform mit moralischem, philosophischem oder ästhetischem Inhalt, der in der Regel für die Veröffentlichung bestimmt ist. Auch die 21 Bücher des Neuen Testaments, die von den Aposteln an die Mitglieder der frühchristlichen Kirche geschrieben wurden, bezeichnet man als Episteln. Der Brief als literarische Form war bereits im antiken Babylon, Assur, Ägypten, Griechenland (Aristoteles, Epikur) und Rom verbreitet. Neben der Form des lehrhaften Briefes, wie sie etwa die Epistula ad Pisones (Ars poetica) des Horaz verkörpert, finden sich auch persönliche Bekenntnisse und Empfindungen in lyrischer Briefform, etwa bei Ovid in seinen Heroides, einer Sammlung von 15 Episteln im Versmaß der Liebeselegie. Seit der Renaissance nahm die literarische Epistel einen herausragenden Rang in der Literatur ein und näherte sich bei den Humanisten in der Prosa häufig dem Traktat, in der Dichtung der Elegie oder Satire. Beispiele sind die theologischen Streitschriften Les provinciales (1656-1657) des französischen Philosophen Blaise Pascal, die Drapier’s Letters (1724-1725, Briefe des Tuchhändlers) des irischen Satirikers Jonathan Swift, ein Pamphlet in fünf Briefen, oder die bekannte „Epistle to Dr. Arbuthnot” (1735) des englischen Dichters Alexander Pope aus seinen Satiren und Episteln im Stil von Horaz.