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| 2. | Werk |
Balzacs Hauptwerk ist der Romanzyklus der Comédie humaine (Menschliche Komödie), der darauf abzielt, ein komplettes Panorama der französischen Gesellschaft von der Französischen Revolution bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu entwerfen. In einer 1842 verfassten Einführung (Avant-propos) umriss der Autor die philosophischen Grundlagen des Unternehmens, die auf Theorien der Naturwissenschaftler Jean Baptiste de Lamarck und der Philosophie anatomique Étienne Geoffroy Saint-Hilaires (1772-1844) fußten. Grundgedanke war die Hypothese, dass sich Menschentypen analog zum Tierreich in Gattungen, allerdings solche sozialen Charakters, einteilen ließen. Diese Espèces sociales plante Balzac getreu seinem Motto „Ich werde eine vollständige Gesellschaft in meinem Kopf getragen haben” in 137 Romanen gültig und episch total zu beschreiben, wobei das Hauptaugenmerk auf das Wirken des Zufalls und des menschlichen Geistes innerhalb gesellschaftlicher Zusammenhänge lag. Dem Balzac’schen Konzept zufolge war die Comédie humaine in drei Kategorien aufgeteilt, und zwar in die Études de moeurs (Sittenstudien), die Études philosophiques (philosophische Studien) und die Études analytiques (analytische Studien). Die erste Gruppe, die die meisten schon vollendeten Romane seines Werkes enthielt, wurde nochmals in sechs „Szenen” (six scènes) oder Lebensbereiche unterteilt: Privatleben, Provinz, Pariser, Militär, Politik und Landleben. Das Personal der Comédie humaine sollte ursprünglich 2 000 Figuren umfassen, die verschiedenen sozialen Schichten – vom Adel über das Bauerntum bis hin zur Boheme und dem Kriminellenmilieu – entnommen waren. Ein wichtiger Teil des Personals entstammte der Pariser Börsen- und Bankenwelt, was sich auch in der thematischen Dramaturgie vieler Romane: dem Streben nach Macht und Geld, niederschlug. Balzac gelang es, immerhin fast zwei Drittel dieses gewaltigen Vorhabens, genauer: 90 Romane und Novellen, zu realisieren. Die einzelnen Romane sind von unterschiedlicher Qualität, überzeugen aber durchweg aufgrund ihrer akribischen, detailliert-präzisen Milieu- und Typenschilderungen. Zu den bekanntesten Romanen der Comédie humaine zählen Eugénie Grandet (1833), La Recherche de l’absolu (1834, Die Suche nach dem Absoluten), Le Père Goriot (1834-1835, Vater Goriot), Illusions Perdues (1837-1843, Verlorene Illusionen) und La Cousine Bette (1846, Kusine Lisbeth).
Weitere bedeutende Werke Balzacs sind die Romane La Peau de chagrin (1831, Das Chagrinleder), Le Lys dans la vallée (1835-1836, Die Lilie im Tal), César Birotteau (1834-1837) und Le Curé de village (1839, Der Landpfarrer), die spielerisch-erotischen Erzählungen Contes drolatiques (1832, 1833, 1837, Tolldreiste Geschichten, auch: Tolldrastische Geschichten), das Drama Vautrin (1839) sowie seine Korrespondenz mit Evelina Hanska-Rzewuska, Lettres à l’étrangère (posthum 1906; neu in vier Bänden, 1967-1971). Balzac war nicht nur zu Lebzeiten ein enorm populärer Schriftsteller, sondern wirkte in mancher Hinsicht auch als Vorbild auf spätere Generationen französischer Romanautoren. Mit seinem soziologisch-realistischen Ansatz wurde er zum Vorläufer der Naturalisten. Einige seiner Werke wurden erfolgreich verfilmt, wie Eugénie Grandet (Italien 1946, Regie Mario Soldati).